Wegen Omikron: das Gesundheitsamt Trier hat wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen in Trier die Nachverfolgung der Kontakte eingestellt.  (Foto: dpa Bildfunk,  Marijan Murat)

Interview mit Sprecher

Gesundheitsamt Trier: "Wir arbeiten schon lange am Limit"

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Solveig Naber

Das Gesundheitsamt Trier hat wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen die Nachverfolgung der Kontakte eingestellt. "Wir müssen Prioritäten setzen", sagt der Sprecher des Amtes, Thomas Müller.

SWR Aktuell: Herr Müller, das Gesundheitsamt Trier hat jetzt die Kontaktverfolgung bei Neuinfektionen eingestellt. Warum war das notwendig?

Thomas Müller: "Wir müssen Schwerpunkte setzen. Die Fallzahlen überrollen uns. Wir haben die höchsten Tagesfallzahlen seit Beginn der Pandemie im März 2020. Das geht auch bei uns nicht spurlos vorbei.

Wir haben täglich hunderte Meldungen von Neuinfektionen. Diese müssen auf Vollständigkeit und Richtigkeit geprüft und in ein Meldesystem eingegeben werden. Dann werden sie an das RKI weitergeleitet.

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"Die Meldungen an das RKI sind zwingend erforderlich, um einen Überblick über die tatsächliche Lage des Infektionsgeschehens zu behalten."

Kontaktnachverfolgung nicht mehr zu leisten

Um das zu gewährleisten, müssen wir andere Aufgaben zurückstellen. Und das ist unter anderem die Kontaktnachverfolgung, wo es auch jetzt schon Rückstände gab.

Wir konnten die Leute nicht mehr zeitnah informieren. Das ist einfach bei der großen Zahl an Fällen, die wir momentan täglich hineinbekommen, nicht mehr möglich."

SWR Aktuell: Was heißt das jetzt für die Neuinfizierten?

Müller: "Zunächst einmal bekommen sie von uns eine automatisierte Information. Jeder, der bei einem Test seine Handynummer hinterlegt hat, bekommt von uns eine SMS mit einem Link, wo es weitere Informationen gibt. Wie verhalte ich mich? Was ist zu tun? Wie geht es mit den Quarantäneregeln?

Hausarzt nur telefonisch kontaktieren

Diese Informationen werden automatisiert jedem Infizierten mitgeteilt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, auf unserer Internetseite die Informationen abzurufen. Auf der Landesseite gibt es auch Empfehlungen, wie man sich verhält.

"Die wichtigste Information: Wenn man einen positiven PCR-Test hat, soll man sich umgehend in Selbstisolation begeben."

Enge Kontaktpersonen sollen informiert werden und man soll vor allen Dingen darauf achten, ob man Symptome entwickelt. Wenn die da sind, bitte umgehend seinen Arzt anrufen und nicht in die Arztpraxis laufen, um das Virus weiterzutragen. Wichtig ist: Telefonisch Kontakt mit dem Arzt aufnehmen.

SWR Aktuell: Haben Sie im Gesundheitsamt Trier angesichts der Situation überhaupt noch den Überblick über das aktuelle Infektionsgeschehen?

Müller: "Ja, den haben wir. Aber wir sind Gefahr gelaufen, da den Anschluss zu verlieren. Deswegen haben wir reagiert und gegengesteuert. Der Landrat war am Dienstag im Lagezentrum und hat sich informiert, was jetzt an organisatorischen Umschichtungen gemacht werden muss. Und zwar sofort.

Das wurde heute auch schon umgesetzt. Wir arbeiten jetzt mit Hochdruck daran, dass wir erfassen, wie viele Fälle jeden Tag hineinkommen. Das hat Vorrang."

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Viele Mitarbeiter im Gesundheitsamt sind am Limit

SWR Aktuell: Vor welchen Herausforderungen steht das Gesundheitsamt jetzt - auch wegen der angespannten Lage, die ja schon so lange anhält?

Müller: "Ja, seit nun fast zwei Jahren. Man darf nicht vergessen: Die Pandemie hält das Gesundheitsamt und auch andere Bereiche der Kreisverwaltung wie das Ordnungsamt auf Trab. Da gibt es Mitarbeiter, die keinerlei Chance haben, Überstunden abzufeiern. Da gibt es Mitarbeiter, die wirklich am Limit sind, auch gesundheitlich.

Die natürlich auch konfrontiert sind mit schwierigen Situationen, mit berechtigten Bürgeranfragen. Aber die das einfach nicht mehr leisten können, weil die Zahl der Fälle so hoch ist, die Komplexität, die die Situation mit sich bringt. Das ist einfach nicht mehr in der Form leistbar.

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"Omikron-Welle bricht über uns zusammen"

Wir haben personell unglaublich aufgerüstet, im Vergleich von vor zwei Jahren. Wir haben ein eigenes Lagezentrum eingerichtet. Wir haben Unterstützung der Bundeswehr, der Stadtverwaltung, Unterstützung aus anderen Abteilungen der Kreisverwaltung, wo wiederum Arbeit liegen bleiben muss. Die liegengebliebene Arbeit fällt aber nicht weg. Die muss dann in ein paar Monaten aufgearbeitet werden.

Schuluntersuchungen fallen wegen Überlastung weg  

Wir haben auch die Schuleingangsuntersuchungen zurückstellen müssen. Das ist zur Zeit nicht durchführbar. All das zeigt: Wir arbeiten am Limit. Schon sehr lange. Und jetzt kommt diese Omikron-Welle und bricht über uns zusammen. Man muss Prioritäten setzen. Das Wichtigste muss getan werden. Andere wichtige Dinge müssen dann hintenanstehen."

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"Wir tun alles, um nicht in die Situation zu kommen, wo wir sagen müssen: 'Wir schaffen das nicht'."

Müller: "Wir arbeiten weiter daran, die Kapazitäten zu erweitern. Das ist auch nicht nur mit personeller Aufrüstung getan. Da müssen auch Hard- und Software-Lösungen geschaffen werden. Es müssen Arbeitsplätze geschaffen werden, wo man tatsächlich sitzt, um Eingaben zu machen.

Das ist nicht von heute auf morgen zu leisten. Wir haben jetzt die Omikron-Welle, die dieses ständige Nachrüsten nochmal beschleunigt. Wir tun alles, um nicht in die Situation zu kommen, wo wir sagen müssen: Wir schaffen das nicht."

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Solveig Naber