Entlang des Schulhofes der historischen Marktschule sollte zunächst ein mehrstöckiges Hotel entstehen.  (Foto: SWR)

Konflikt in der Edelstein-Stadt

Idar-Obersteiner hoffen auf Lösung im Streit um Marktschule

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Maximilian Storr

Im Streit um das Bauprojekt an der historischen Marktschule in Idar-Oberstein zeichnet sich eine mögliche Lösung ab. Im April wird die Entscheidung erwartet.

Die großen Uhren an der Fassade der historischen Marktschule ticken schon lange nicht mehr. Sie stehen still. Genauso still ist es auch im Inneren des Gebäudes im Herzen des Stadtteils Idar.

Die Schule steht seit 2013 leer. Jetzt will ein Investor ein Mehrgenerationenhaus aus ihr machen.  (Foto: SWR)
Die Schule steht seit 2013 leer. Jetzt will ein Investor ein Mehrgenerationenhaus aus ihr machen.

Früher haben hier Kinder Mathe, Deutsch und Sachkunde gelernt, mittlerweile ist die Schule seit fast zehn Jahren geschlossen.

Zwei Investoren mit unterschiedlichen Plänen

2016 wird sie zunächst an einen chinesischen Investor verkauft. Der will aus ihr ein Handelscenter machen. Aber dennoch passiert jahrelang nichts.

Bis ein neuer Investor das Gebäude kauft und zu Beginn dieses Jahres mit einem ehrgeizigen Plan an die Öffentlichkeit geht.

Jung und alt unter einem Dach vereint

Die Marktschule soll zu einem Mehrgenerationenhaus umgestaltet werden. Ein Leuchtturmprojekt für die Region: Neben einer Kindertagesstätte sollen auch eine ambulante Tagespflege und betreute Wohneinheiten entstehen.

Entlang des Schulhofes der historischen Marktschule sollte zunächst ein mehrstöckiges Hotel entstehen.  (Foto: SWR)
Entlang des Schulhofes der historischen Marktschule sollte zunächst ein mehrstöckiges Hotel entstehen.

Jung und Alt unter einem Dach, und das mitten in der Innenstadt: Die Idar-Obersteiner sind begeistert von der Idee, die Investor Dag Stein-Herzberger präsentiert. Die Kritiker sehen aber einen großen Haken.

Um das Konzept in der Marktschule umsetzen zu können, soll laut Investor um den Schulhof herum ein Hotel mit 80 bis 100 Zimmern gebaut werden. Sechsstöckig und über 20 Meter hoch. Nur so könne die Sanierung der Schule finanziert werden. Die Kosten für das Gesamtprojekt sollen sich auf 20 Millionen Euro belaufen.

Eva-Maria Budau und Wolfang Augenstein setzten sich gegen den Hotelbau auf dem Gelände der Marktschule ein. (Foto: SWR)
Eva-Maria Budau (SPD) und Wolfgang Augenstein (LUB) setzten sich gegen den Hotelbau auf dem Gelände der Marktschule ein.

Dieser Plan ruft in Idar-Oberstein viel Kritik hervor. Während Befürworter das Hotel als Chance für die Innenstadt sehen, wollen die Gegner verhindern, dass die Fassade der historischen Schule zugebaut wird. Sie sprechen von einer "Vergewaltigung der Marktschule" und der "Zerstörung des Stadtbildes."

Investor könnte Hotelprojekt allein umsetzen

Der Investor aber stellt klar, dass er die die Marktschule auch einfach abreißen - und das Hotelprojekt ohne das Mehrgenerationenhaus umsetzen könne.

Diese Aussage empört die Kritiker und ruft sogar eine Bürgerintiative auf den Plan, die einen möglichen Abriss verhindern will. Dann aber liefert die Stadt einen möglichen Ausweg aus dem Streit.

Oberbürgermeister stellt Königsweg in Aussicht

Die Verwaltung um Oberbürgermeister Frank Frühauf registriert die Diskussionen in der Bevölkerung ebenfalls und präsentiert einen neuen Vorschlag.

Das Hotel solle nicht an der Marktschule, sondern im Stadtteil Oberstein gebaut werden. Auf der Baufläche sei ein anderes Projekt beerdigt worden. Deshalb sei der Platz jetzt frei.

Investor Stein-Herzberger ist einem Hotelbau an diesem Ausweichstandort nicht abgeneigt. Auch das Mehrgenerationenhaus an der Marktschule will er trotzdem umsetzen.

"Wir haben den Königsweg gefunden und gehen jetzt davon aus, dass er begangen wird."

Oberbürgermeister Frühauf ist zufrieden: "Ich glaube, dass viele erleichtert sind, dass wir als Verwaltung einen Kompromissvorschlag finden konnten, der vorher nicht abzusehen war." 

Kritiker wollen Klarheit

Doch was ist mit den Kritikern? Viele sind erleichtert und es deutet einiges darauf hin, dass der Kompromiss Bewegung in das Projekt bringen könnte: Der Politiker Wolfgang Augenstein ist Gegner des Hotelbaus auf dem Gelände der Marktschule.

"Für uns ist wichtig, dass auf jeden Fall sichergestellt werden muss, dass das Marktschul-Projekt auch tatsächlich umgesetzt werden kann. Wir erwarten vom Investor, dass das keine reine Absichtserklärung ist."  

Ob das Projekt am Ende wirklich kommt, bleibt also abzuwarten. Im April sollen Bauausschuss und Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht.

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