Sprechzimmer - Wer sich als Landarzt oder Landärztin für zehn Jahre in der Eifel verpflichtet, kann zuvor mit Glück ein Stipendium für das Medizinstudium ergattern (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Benjamin Ulmer)

Stipendien gegen Landärztemangel

Wie der Eifelkreis junge Ärzte aufs Land lockt

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Der Eifelkreis Bitburg-Prüm unternimmt etwas gegen den drohenden Ärztemangel auf dem Land. Mit Stipendien fördert er zwei angehende Medizinerinnen. Sie sollen im Gegenzug im Ausland studieren und 10 Jahre in der Eifel praktizieren.   

Theresa Florath studiert seit zwei Wochen Medizin in Warna in Bulgarien. Eigentlich würde sie lieber in Deutschland studieren.

"Ich wäre viel lieber in Deutschland geblieben, weil es einfacher von der Organisation ist, weil man auch Freunde und Familie schneller und flexibler sehen kann."

Doch der Numerus clausus und die wenigen Studien-Plätze machen dies fast unmöglich. Im nahen Ausland zu studieren sei wiederum schwer, wegen den Kosten.

Stipendium macht es möglich

Dass es nun mit dem Medizinstudium doch noch klappt, liegt auch am Eifelkreis Bitburg-Prüm. Da in den kommenden Jahren mit einem Ärztemangel zu rechnen ist, hat der Kreis zwei Stipendien an Medizinstudentinnen verliehen.

48.000 Euro übernimmt der Kreis für die Studienkosten der Stipendiatinnen. Dafür müssen sie im Ausland studieren und nach Abschluss ihres Studiums 10 Jahre im Eifelkreis als Landärztinnen arbeiten. Eine Gelegenheit, für die Theresa Florath sehr dankbar ist.

"Das Stipendium ist für mich ein ganz großes Geschenk. Ich bin froh, dass ich es bekommen habe und jetzt hier meinen Traum verwirklichen darf."

Schwieriger Parcours

Theresa Florath aus Sirzenich hat 2017 Abi und danach ein Freiwilliges Soziales Jahr auf der Onkologie im Brüderkrankenhaus in Trier gemacht. Doch dann ging es auf einmal nicht mehr weiter. Der Medizinertest hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht, daraufhin studierte sie Molekular- und Humanbiologie, um über den Quereinstieg ins Medizinstudium zu kommen. Doch auch das funktionierte nicht.

Wie Theresa Florath hatte auch Selina Schneider einen schwierigen Weg zu ihrem Medizinstudium. Auch sie hat sich beim Eifelkreis Bitburg-Prüm beworben. Bis vor kurzem hat sie in Hüttingen gewohnt und studiert nun Humanmedizin in Vilnius, Litauen.

Ärzte auf dem Land

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm seien 38 Prozent der praktizierenden Ärzte über 60 Jahre alt und gehen bald in Rente. Genügend Nachwuchs, um alle diese Ärzte zu ersetzen, gibt es aktuell nicht, so die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz.

Der Anstoß für das Stipendium war ein Antrag der SPD-Fraktion des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Der Kreis teilte mit, dass Anfang 2022 wieder zwei Stipendien ausgeschrieben werden.

Hingehen, wo Hilfe benötigt wird

Beide Stipendiatinnen haben kein Problem damit, nach ihrem Studium 10 Jahre im Eifelkreis zu praktizieren. Theresa Florath meint dazu, dass es für sie keine Einschränkung darstellt, auf dem Land zu praktizieren. Ihr sei es nie um die großen Fälle im Krankenhaus gegangen, sondern dort zu helfen, wo ihre Hilfe benötigt wird.

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