In der Region Trier infizieren sich wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Danny Gohlke)

Corona-Sommerwelle

Warum die Corona-Zahlen in der Region Trier ansteigen

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In der Region Trier infizieren sich wieder mehr Menschen mit dem Corona-Virus. Vertreter der Gesundheitsämter Trier-Saarburg und Vulkaneifel nennen dafür verschiedene Gründe.

Die Corona-Zahlen für die Region Trier steigen weiter. Am Montag gab es 835 neue Fälle. In der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg sind nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes mehr als 300 Neuinfektionen festgestellt worden.

Die offiziellen Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die Dunkelziffer liege wohl noch höher, sagt Thomas Müller, der Sprecher des gemeinsamen Gesundheitsamtes für die Stadt Trier und den Landkreis Trier-Saarburg. Denn es gebe keine Testpflicht mehr, wodurch sich viele Menschen nicht mehr testen ließen.

"Manche Menschen machen keinen PCR-Test mehr, weil sie nicht in Quarantäne wollen und keine Symptome haben."

Neue Corona-Variante BA.5 auch in Trier nachgewiesen

Müller sieht verschiedene Gründe für die steigenden Zahlen. Die neue Corona-Variante BA.5 spiele eine ganz zentrale Rolle, so der Gesundheitsamt-Sprecher. Denn diese sei viel ansteckender und man gehe davon aus, dass bis zu einem Viertel der Corona-Neuinfektionen in der Stadt Trier und dem Landkreis Trier-Saarburg auf diese Variante zurückzuführen seien.

Aber auch Veranstaltungen wie das Altstadtfest, "Porta hoch 3" sowie die Weinfeste an der Mosel seien ein zentraler Faktor für die steigenden Corona-Infektionszahlen. Zudem spiele auch das 9-Euro-Ticket eine wichtige Rolle. So befänden sich im Öffentlichen Nahverkehr viele Menschen auf engem Raum, wodurch die Gefahr einer Ansteckung zusätzlich steige.

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Höchste 7-Tage-Inzidenz in der Vulkaneifel

Auch Dr. Volker Schneiders, Leiter des Gesundheitsamts des Landkreises Vulkaneifel, sieht verschiedene Gründe für die steigenden Corona-Zahlen. Seit mehreren Wochen hat die Vulkaneifel die höchste 7-Tage-Inzidenz in der Region Trier. Derzeit liegt sie bei über 700.

Neben Großveranstaltungen wie Rock am Ring oder dem Aufstiegsspiel von Eintracht Trier ohne Corona-Beschränkungen, sieht Schneiders den Grund dafür ebenfalls in den neuen Corona-Varianten.

"Die Corona-Welle, die Portugal bereits verzeichnet, ist auch bei uns angekommen. Wir haben Virus-Varianten, die sich deutlich schneller verbreiten."

Vulkaneifel testet mehr

Was die Vulkaneifel aber Schneiders' Erkenntnissen nach von den anderen Kreisen in der Region unterscheidet, sind die Tests: "Wir arbeiten als Gesundheitsamt sehr gut mit den Teststellen zusammen und haben ein sehr hohes Testangebot." Dazu komme, dass es im Landkreis drei Testmaschinen für PCR-Tests gebe, die Ergebnisse noch am gleichen Tag liefern.

Neuinfektionen könnten also tatsächlich tagesaktuell erhoben werden. Die Dunkelziffer, von der im Moment in Deutschland die Rede ist, weil Infizierte keinen PCR-Test machen, der somit nicht in die Statistik eingeht, könnte demnach also im Kreis Vulkaneifel geringer sein.

Menschen sollen sich freiwillig testen und Maske tragen

Generell sei gegen Freiluft-Veranstaltungen nichts einzuwenden, sagen sowohl Thomas Müller vom Gesundheitsamt Trier-Saarburg als auch Volker Schneiders aus der Vulkaneifel. Es sei auch verständlich, dass sich die Menschen nach Freiheit sehnen. Dabei gehe es vor allem um die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.

Es sei sinnvoll, sich zu testen, bevor man eine Großveranstaltung besuche, sagt Müller. Auch sei es sinnvoll, im Bus und in der Bahn konsequent Maske zu tragen. Denn die Zahl der stationär zu behandelnden Corona-Patienten sei wieder angestiegen. Zudem gebe es nach wie vor immer noch viele Long-Covid-Fälle.

"Covid-19 ist nicht aus der Welt. Corona ist immer noch da."

Gesundheitsamt Trier nach wie vor überlastet

Durch Corona haben das Gesundheitsamt und die Kreisverwaltung Trier-Saarburg personelle Ausfälle. Im Gesundheitsamt fallen zehn Prozent der Mitarbeitenden derzeit aus - ein Teil davon wegen einer Corona-Infektion.

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Zwar habe man in den vergangenen Monaten etwas durchatmen können, aber die Mitarbeitenden seien am Limit, so Müller. Schließlich hätten sie zwei Jahre quasi durchgearbeitet. Nun gebe es eine neue Welle und die starke Arbeitsbelastung gehe weiter.

Belastung steigt mit den Zahlen

Je höher die Zahlen steigen, desto höher ist die Belastung des Gesundheitsamtes, sagt Volker Schneiders. Strategisch ginge es nicht mehr um eine Eindämmung und Kontaktpersonen-Nachverfolgung, wenn ohnehin alle Schutzmaßnahmen aufgehoben sind. Deshalb stellt er infrage, dass die Gesundheitsämter weiterhin täglich die Infektionszahlen erheben.

"Aus meiner Sicht ist das medizinisch nicht mehr begründet. Wir erfassen hier Zahlen und kommen uns vor wie statistische Landes-Nebenämter."

Keine Panik, aber Umsicht

Es ist richtig, vor der Sommerwelle zu warnen, findet Mediziner Schneiders - allerdings sollte man nicht in Panik verfallen. Mit den neuen Corona-Varianten seien die Krankheitsverläufe weniger schwer. Was aber auch nicht heiße, dass man sich nun mutwillig anstecken sollte: "Wir feiern keine Corona-Tupper-Parties, um uns anzustecken. Wir haben immer noch eine gefährliche, potentiell todbringende Erkrankung."

Er rechnet mit weiteren Virus-Varianten, allerdings keine Killer-Varianten. In Herbst und Winter werde es wahrscheinlich mehr Atemwegsinfektionen geben, so Schneider. Daher rät er neben der Corona-Impfung auch zu einer Grippe-Impfung. Außerdem müsse dann auch wieder verstärkt auf Hygieneregeln wie Händewaschen und Durchlüften sowie auf Masken, vor allem in Innenräumen, gesetzt werden.

"Die FFP2-Maske ist nach wie vor die wirksamste Methode, sich vor einem Atemwegsinfekt zu schützen."

Impfungen sollen Winterwelle abpuffern

Auch Thomas Müller vom Kreis Trier-Saarburg geht davon aus, dass die Zahlen im Winter wieder steigen werden. Wie stark, sei im Moment schwer abzuschätzen, da sich das Virus immer weiter verändere. Im Herbst soll es einen neuen an die neue Corona-Variante angepassten Impfstoff geben. Es sei nach wie vor wichtig, sich impfen zu lassen, da das gegen einen schweren Corona-Verlauf helfe, so der Sprecher des Gesundheitsamtes.

"Je mehr Menschen sich mit dem angepassten Impfstoff impfen lassen, desto vorsichtiger optimistisch kann man in den Herbst schauen."

Das Impfzentrum in Trier ist nach Angaben von Müller noch bis zum 31. Dezember im Standby. Der Kreis Trier-Saarburg und die Stadt Trier seien jederzeit in der Lage, es wieder hochzufahren.

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