Ein Mann läuft aus einer Kirche - In der Region Trier treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Ingo Wagner)

Missbrauchsskandal in katholischer Kirche

Welle von Kirchenaustritten in der Region Trier

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Die katholische Kirche wird von mehreren Missbrauchsskandalen erschüttert. Zugleich wenden sich immer mehr Menschen von ihr ab.

Die Zahl der Kirchenaustritte in der Region Trier steigt rapide. Das hat eine SWR-Umfrage bei verschiedenen Standesämtern ergeben. So registrierten 21 befragte Standesämter bis Mittwoch schon mehr als 500 Kirchenaustritte. Die meisten Austritte gebe es aus der römisch-katholischen Kirche.

Rund 100 Kirchenaustritte allein in Trier

Beim Standesamt in Trier wurden allein im Januar bisher fast 100 Kirchenaustritte erfasst. Vergangenes Jahr seien es im gleichen Zeitraum 53 gewesen. Auch in anderen Standesämtern sei die Zahl der Austritte im Vergleich zum vergangenem Jahr deutlich gestiegen. So verzeichnet die Stadt Bitburg nach eigenen Angaben bisher 19 Austritte. Im Januar 2021 seien es lediglich zwei gewesen.

Viele Austritte wegen Missbrauchskandel in der Kirche?

Die befragten Standesämter gehen davon aus, dass der Trend anhält und die Zahlen weiter steigen werden. Es seien schon viele Termine für weitere Kirchenaustritte vereinbart worden, nahezu täglich gingen weitere Anfragen dazu ein.

Nach Angaben der Standesbeamten ist die Zahl der Austritte innerhalb eines Monats vergleichsweise hoch. Eine Standesbeamtin sagte, eine Austrittswelle in dieser Form habe sie bisher noch nicht erlebt. Ein Großteil der befragten Standesämter führt die Austritte auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zurück.

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Gespräch Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt – Weiterer Sargnagel für Katholische Kirche

Das Gutachten über Missbrauchsfälle im Erzbistum München zeige das Bild einer Kirche, die vor allem an ihrem Ruf nach außen und an der Macht klerikaler Männerbündnisse in ihrem Inneren interessiert sei, sagt Matthias Möhring-Hesse in SWR2, Professor für Theologische Ethik und Sozialethik an der Universität Tübingen. Der Inhalt des Gutachtens könne insofern nicht überraschen. Die Münchner Gutachter waren unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass allein der emeritierte Papst Benedikt XVI. als früherer Münchner Erzbischof in vier Fällen gegen Missbrauchstäter nicht vorgegangen war.
Die Folgen dieser Erkenntnisse für die Katholische Kirche ließen sich noch nicht absehen, sagt Matthias Möhring-Hesse. Aber aus dem Rückblick werde man eines Tages womöglich sagen müssen, dass das Gutachten „ein weiterer Sargnagel für die Kirche ist, für die Papst Benedikt steht, ein weiterer Schub für den Niedergang dieser Kirche.“
Das Selbstinteresse der Kirchenvertreter sei offensichtlich so groß gewesen, dass darüber Anstand und Recht verloren gegangen seien. Das Gutachten zeige sowohl die individuelle Schuld, die mit Kardinal Ratzinger, Kardinal Friedrich Wetter und Kardinal Reinhard Marx gleich drei Münchner Bischöfe auf sich geladen hätten, zugleich aber auch das langjährige systematische Versagen darin, diese Schuld anzuerkennen.
Institutionellen Druck habe zugleich verursacht, dass Ratzinger später Papst geworden sei. „Umso mehr sollte und darf man schätzen“, so Möhring-Hesse, „dass sich Kardinal Marx diesem Druck auch widersetzt und dieses Gutachten in Auftrag gegeben hat, von dem er doch wusste, dass dabei Kardinal Ratzinger eben auch schlecht aussehen würde.“  mehr...

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