Wer auf dem Trierer Petrisberg steht, sieht Windräder bislang nur in der Ferne. Sie drehen sich in der vorderen Eifel und im Hochwald.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )

Energiewende in Rheinland-Pfalz

Stadt Trier will erstmals Windräder auf die Moselhöhen bauen

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Trier legt als erste Großstadt in Rheinland-Pfalz einen umfangreichen Plan für die Windenergie vor. Das Konzept sieht 13 Windräder vor, die gut aus dem Moseltal zu sehen wären.

Wer auf den Aussichtspunkt am Petrisberg steht, hat einen weiten Blick über Trier und das Moseltal. Windräder sind von hier aus nur wenige zu sehen. Sie drehen sich in der Ferne hinter dem Markusberg, auf der anderen Seite des Flusses.

In Trier selbst gibt es hingegen keinen einzigen Rotor. Das soll sich nach Plänen der Verwaltung aber ändern. Die Stadt sieht nämlich vor, in den nächsten Jahren 160 Hektar für 13 Windkraftanlagen auszuweisen. Sieben Standorte in den Ortsteilen Euren, Zewen, Ehrang und Kernscheid kämen dafür infrage.

33.600 Haushalte könnten versorgt werden

13 Anlagen - das klingt erstmal nicht viel. Das Potential ist aber gewaltig. Nach Angaben der Stadt könnten die Windmühlen etwa die Hälfte der Haushalte in Trier mit Ökostrom versorgen. Und somit beträchtliche Mengen an CO² aus fossilen Brennstoffen einsparen.

Seit 2013 laufen die Planungen. Nun will die Stadt mehr Tempo machen. Einerseits wegen der Energiekrise und des Klimawandels, der sich auch an der Mosel bemerkbar macht. Und andererseits, weil die neue Rechtslage die Stadt zum Handeln zwingt.

Neue Rechtslage für den Bau von Windrädern

Das sogenannte Klimaschutzgesetzgebungspaket schreibt Kommunen seit Juli vor, einen bestimmten Teil ihrer Fläche für Windenergie zu nutzen. Trier ist trotzdem die erste Großstadt in Rheinland-Pfalz, die umfangreiche Pläne vorlegt.

Rund um Mainz gibt es zwar schon eine Handvoll Windkraftanlagen. In Koblenz, Kaiserslautern und Ludwigshafen aber gar keine. Die meisten stehen in der Pfalz, in der Eifel und dem Hunsrück. Doch dort werden die Flächen langsam knapp.

Ehranger Ortsvorsteher unterstützt Pläne

"Höchste Zeit, dass Trier einen Beitrag leistet", findet Bertrand Adams, Ortsvorsteher von Ehrang und Quint: "Wir müssen weg von fossilen Energieträgern."

Für den früheren Landtagsabgeordneten ist daher klar, dass er die Windkraftpläne für die Gebiete Steigenberg und Balmet in seinem Stadtteil unterstützt. Dabei ist Adams bewusst, dass die Anlagen dem einen oder anderen nicht gefallen dürften.

Von der Ehranger Flur wären die geplanten Windräder wohl deutlich zu sehen, wie diese Visualisierung der Stadt Trier zeigt. Ortsvorsteher Bertrand Adams steht trotzdem hinter den Plänen.  (Foto: Stadt Trier)
Von der Ehranger Flur wären die geplanten Windräder wohl deutlich zu sehen, wie diese Visualisierung der Stadt Trier zeigt. Ortsvorsteher Bertrand Adams steht trotzdem hinter den Plänen. Stadt Trier

"Aber da müssen wir uns eben entscheiden zwischen schöner Landschaft und sicherer Energie."

Windräder werden vom Moseltal sichtbar sein

Auch Markus Fries ist für die Energiewende, sagt er. Windräder auf den Moselhängen sieht der Vorsitzende der Naturparkinitiative Mosel dennoch kritisch.

Die Initiative setzt sich für den Erhalt der Kulturlandschaft ein. Und das Landschaftsbild im Moseltal sieht Fries durch die weißen Riesen gefährdet. Immerhin werden die meisten der 13 geplanten Rotoren laut Stadt "deutlich sichtbar sein".

Wer auf dem Trierer Petrisberg steht, sieht Windräder bislang nur in der Ferne. Sie drehen sich in der vorderen Eifel und im Hochwald.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )
Wer auf dem Trierer Petrisberg steht, sieht Windräder bislang nur in der Ferne. Sie drehen sich in der vorderen Eifel und im Hochwald. Christian Altmayer

"Es muss aber auch weiße Flecken ohne Windanlagen geben", findet Fries. Rund um Bernkastel-Kues ragen bereits Türme in die Höhe, über die sich Einheimische oder Touristen ärgerten. Die Trierer sollten daher nach Fries Auffassung "genau prüfen, ob es nicht auch anders geht."

Fledermäuse und Rotmilane leben in den Gebieten

Tierschützer treiben noch andere Sorgen um. Denn ob in Kernscheid, Ehrang oder Zewen - überall kommen laut Stadt Fledermäuse vor. Und für die werden die Anlagen häufig zur Todesfalle. Im Eurener Wald leben zudem Rotmilane, die schon mal durch Rotorblätter verletzt werden.

Kein Gegenwind aus Euren und Zewen


Die Gefahr des "Vogelschlags" sieht auch der Eurener Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz, sollten die Anlagen auf "Wetterborn" gebaut werden. Zudem sorgt er sich um die "Geräuschkulisse" durch einen Windpark in dem 67 Hektar großen Gebiet oberhalb des Ortsteils Herresthal.

Die meisten Windräder würden - nach aktuellen Planungen- oberhalb von Euren entstehen. Diese Anlagen wären vom Petrisberg aus deutlich zu sehen.  (Foto: Stadt Trier)
Die meisten Windräder würden - nach aktuellen Planungen- oberhalb von Euren entstehen. Diese Anlagen wären vom Petrisberg aus deutlich zu sehen. Stadt Trier

Dennoch steht er den Plänen nicht ablehnend gegenüber, sondern "neutral". Auch er sieht die Notwendigkeit zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Ebenso wie Christoph Schnorpfeil, Ortsvorsteher des Nachbarortsteils Zewen.

"Wenn wir eine Energiewende schaffen und uns unabhängig machen wollen, müssen wir die Erneuerbaren fördern."

Umfrage: Viele Trierer begrüßen Windräder

Und die Trierer Bürger? Bei einer nicht-repräsentativen SWR-Umfrage in der Trierer Innenstadt standen viele den Plänen größtenteils positiv gegenüber. Die meisten der Befragten wünschten sich demnach sogar mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren.

Beginn eines langen Verfahrens

Wie schnell es damit weitergeht, ist erstmal Sache des Haupt- und Umweltausschusses. Der wird am Dienstag über das Thema beraten. Anschließend sollen die Ortsbeiräte und der Stadtrat über die Windkraftpläne abstimmen.

Erst dann geht es in ein Verfahren, bei der die Öffentlichkeit Anregungen einbringen kann. Es ist nur ein erster Schritt auf einem langen Weg bis zur Genehmigung durch die Landesumweltbehörde.

Bis sich die ersten Rotoren auf den Trierer Moselhöhen drehen werden, werden also mit Sicherheit noch Jahre ins Land gehen. Mit oder ohne Gegenwind.

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