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Auf die Abzugspläne am US-Militärflugplatz Spangdahlem haben die Betroffenen vor Ort mit Sorge und Betroffenheit reagiert. Die Hoffnung: Im US-Kongress hat sich bereits Widerstand formiert.

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Der Stützpunkt sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und wirtschaftlich von großer Bedeutung, sagte der Bürgermeister von Spangdahlem, Alois Gerten (parteilos) dem SWR. Betroffen seien "800 direkt Beschäftigte auf der Air Base und Tausende indirekt Beschäftigte. Die umliegende Wirtschaft erhält viele Aufträge, die sie auf der Base realisiert." In Mitleidenschaft gezogen werde auch der Immobilienmarkt. Mehr als 2.500 Wohnungen seien an US-Soldaten und deren Angehörige vermietet.

Zukunftsängste bei den Menschen in Spangdahlem

Amerikaner und Deutsche seien eng verbunden. Schließlich lebe man seit fast rund 70 Jahren eine gute Nachbarschaft. "Hier bestehen viele freundschaftliche Verbindungen zu unseren amerikanischen Nachbarn, die man aus unserer Sicht auch in der Zukunft fortsetzen möchte", so Gerten.

Auch in der Bevölkerung herrscht Besorgnis, vor allem vor den wirtschaftlichen Folgen.

Gewerkschaft Verdi fordert Schutzschirm

Die Gewerkschaft Verdi forderte die Politik in Rheinland-Pfalz auf, die Beschäftigten bei der Sicherung ihrer Arbeitsplätze zu unterstützen. Die Landesregierung müsse für die betroffene Region einen Schutzschirm spannen.

"Die Region steht unter Schock. Wir machen uns große Sorgen um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen", erklärte Roland Merges, Vorsitzender der örtlichen Betriebsvertretung und ver.di-Mitglied. "Die Nachricht über den Truppenabzug hat zu großen Zukunftsängsten unserer Beschäftigten geführt", so Merges weiter.

Viele offene Fragen

Die US-Streitkräfte hatten am Mittwoch angekündigt, das in der Eifel stationierte Geschwader mit F16-Kampfflugzeugen nach Italien verlegen zu wollen. Noch seien aber viele Fragen offen, sagte Gerten. Unter anderem die Frage, wie viele Soldaten von der Verlegung betroffen seien und ob Angehörige mitziehen sollten. Zudem sind die Pläne noch nicht final beschlossen: Im US-Kongress hat sich bereits Widerstand formiert.

Der Landrat des Eifelkreises, Joachim Streit, reagierte mit einer Forderung an die Bundesregierung auf die Pläne: Diese solle die Bestellung von 30 F-18 Kampfjets beim amerikanischen Hersteller Boeing rückgängig machen. Das teilte der Landrat auf SWR-Anfrage mit.

Hoffnung, dass der Kongress den Beschluss kippt

Auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, Manfred Rodens (CDU), äußerte sich enttäuscht über die US-Pläne bezüglich Spangdahlem. "Wir sind überrascht und auch enttäuscht über diese einsame und bizarre Entscheidung des US-Präsidenten, mit der wir nicht gerechnet haben", so Rodens.

Seine Hoffnung sei, dass der Kongress den Beschluss kippen könnte. Falls es doch so weit kommen sollte, habe dies gravierende Auswirkungen. Sehr viele Unternehmen in der Region seien von der Airbase abhängig. So gebe es allein 2.400 Mietverhältnisse mit den Amerikanern. Ihm ist zunächst wichtig, dass die etwa 850 zivilen deutschen Beschäftigten auf der Air Base eine berufliche Zukunft erhalten und auch die Unternehmen jetzt nicht in ein großes Loch fallen.

Rodens erwartet nach eigener Aussage deshalb eine starke Unterstützung von Bund und Land. Es gehe ihm um eine finanzielle, aber auch um eine beratende Unterstützung.

Spangdahlem für Abzug zu bedeutend?

Für Ortsbürgermeister Gerten ist allerdings das letzte Wort in Sachen Truppenabzug noch nicht gesprochen. Er geht davon aus, dass der Stützpunkt in Deutschland und Europa so bedeutend ist, dass er sich eher verändern, als verkleinern wird. Außerdem sei ein so schneller Abzug, wie ihn sich US-Verteidigungsminister Mark Esper vorstellt, gar nicht möglich: "Was sich hier in Jahrzehnten aufgebaut hat, in Monaten zu verlegen, sehe ich als unrealistisch. Ich habe die Hoffnung, dass sich Entscheidungen auch noch verändern."

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