14-Jährige fährt 70 Kilometer auf Güterzug (Foto: IMAGO, IMAGO / Kirchner-Media)

Ausbau der Eifelstrecke

Angst vor Lärm: Rollen bald Güterzüge durch das Kylltal?

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Die Bahn baut nach der Flut die Eifelstrecke aus. Manche fürchten, dass die Schienen auch für Güterzüge vorbereitet werden. Wird es an der Kyll bald so laut wie im Mittelrheintal?

Es ist derzeit stiller als sonst im Kylltal. Normalerweise donnern tagsüber Züge über die Eifelstrecke, vorbei an Orten wie Kyllburg, Densborn oder Mürlenbach. Seit die große Flut im Juli 2021 das Schienennetz aber weitestgehend zerstört hat, ist Ruhe eingekehrt.

Mit der könnte es aber, so fürchten Kommunalpolitiker, bald vorbei sein. Denn Bahn und Land planen nach dem Hochwasser nicht bloß, die Eifelstrecke wieder in ihren früheren Zustand zurückzuversetzen.

Fahren bald E-Loks durch die Eifel?

Für gut 36 Millionen Euro soll die Route auch elektrifiziert und danach zweispurig ausgebaut werden. Ein Projekt, das lange geplant war, nun aber wegen des Hochwassers schneller zum Tragen kommt.

Dann könnten nicht nur mehr Züge durchs Kylltal rollen. Was für Passagiere freilich Vorteile mit sich bringt. Die Bahnen könnten auch, wenn die Oberleitungen installiert sind, mit Elektroantrieb statt mit Diesel fahren.

Bürger sorgen sich um Lärm

In den Orten entlang der Strecke werden aber derzeit vor allem die Nachteile des Ausbaus diskutiert. Denn es gibt die Befürchtung, dass die Gleise nicht nur für den Personenverkehr, sondern auch für Güterzüge vorbereitet werden.

Zum Beispiel im Eifeldorf Sankt Thomas. Hier führen die Gleise ganz nah an den Häusern vorbei. Ortsbürgermeister Rudolf Höser bekommt daher, wie er sagt, derzeit einige Anfragen von Bürgern, die die anstehenden Bauarbeiten kritisch sehen.

Land: Elektrifizierung soll Güter auf Schiene bringen

"Wir befürchten, dass wenn eine Riesensumme an Geld investiert wird, um diese Strecke zu elektrifizieren, dass dann auch Güterverkehr generiert wird", sagt der Dorfchef: "Und diese Güterzüge in kurzen Taktfolgen hier durchs enge Kylltal fahren und uns viel Lärm mitbringen.“

Tatsächlich helfe die Elektrifizierung auch im Kylltal, Güter auf die Schiene zu bringen, bestätigt das Landesverkehrsministerium auf SWR-Anfrage. Zu einem "erheblichen Durchgangsverkehr" wie etwa im Mittelrheintal werde es aber nicht kommen, schreibt eine Pressesprecherin der Behörde.

"Die Topographie der Eifel lässt schwere Güterzüge kaum zu, diese würden die flachen Strecken an Rhein und Mosel auch dann bevorzugen, wenn die Eifelbahn durchgehend elektrisch befahrbar sein wird."  

Eifelstrecke für schweren Güterverkehr nicht ideal

Ähnlich sieht es Wolfgang Krämer, Stadtbürgermeister von Kyllburg, einem Nachbarort von Sankt Thomas: "Auf der Eifelstrecke liegen viele Berge und Kurven. Da kann ich mir nicht vorstellen, dass an verstärkten Güterverkehr zu denken ist." Die großen Züge bräuchten ja auch lange Ausweichwege.

Rudolf Höser überzeugen die Entwarnungen aus Mainz und aus der Nachbarstadt hingegen nicht. Was den Ortsbürgermeister an der Debatte außerdem ärgert: "Die Bürger werden nicht einmal angehört und darüber informiert, welche Auswirkung diese Elektrifizierung letztlich für sie hat."

Verkehrsexperte: Transport nicht den Lkw überlassen

Der Trierer Verkehrsexperte Heiner Monheim hingegen kann diese Kritik nicht verstehen. "Wir können nicht einfach nur alles dem Lkw überlassen und alles über die Straßen bringen", sagt der emeritierte Professor, der sich seit Jahren für einen Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs ausspricht.

Keine Zustände wie im Mittelrheintal zu erwarten

Und wenn man da eine Schienenstrecke habe, die ohnehin flutbedingt ausgebaut und elektrifiziert werden muss, liege es einfach nahe, die auch für die Güterbahn zu nutzen. Dass dann plötzlich alle Züge zwischen Nord und Süd durchs Kylltal statt durchs Mittelrheintal donnern, hält Monheim allerdings ebenfalls für unwahrscheinlich.

"Verkehrswende bedeutet, dass Straßen entlastert werden."

Bis Sommer fährt die Bahn bis Kyllburg

Der erste Schritt ist ohnehin, die Gleise wiederherzustellen. Noch im Frühjahr will die Bahn die Strecke bis Kyllburg auf Vordermann bringen. Im Sommer folgt dann der Abschnitt nach Gerolstein, anschließend die Strecke nach Nettersheim.

Bislang rollen die Züge nur wieder zwischen dem Trierer Stadtteil Ehrang und dem Ort Auw an der Kyll.

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