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Schon mal von der Serriger Serengeti gehört? Diesen Spitznamen verdankt der ehemalige Truppenübungsplatz bei Serrig dem urigen Aussehen einer Herde Taurusrinder. Seit Dezember läuft das Beweidungsprojekt und genauso lange führen die Landwirte des Hofgut Serrig auch schon ihre ausgedehnten Gespräche mit Bulle Django – und das hat gute Gründe.

Grant Heslovs neuester Filmtitel könnte – statt "Männer, die auf Ziegen starren" – wohl eher "Männer, die mit Rindern reden" heißen. Inspiration dazu fände er mit Sicherheit auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Serrig. Dort lernt ein junger Bulle gerade, dass man ihm nicht die Kühe ausspannen möchte.

Seit Dezember 2020 betreuen Michael Köbler und seine Kollegen vom Hofgut Serrig eine Herde Taurusrinder, die in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Nabu entstanden ist. Sie sollen durch ganzjährige Beweidung verhindern, dass sich auf der Fläche des Übungsplatzes wieder Wald ausbreitet. So will man den Lebensraum seltener Tierarten erhalten.

Zehn Kühe umfasst die Herde auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz zurzeit, doch das soll sich bald ändern. Bulle Django soll nun für Nachwuchs sorgen. Da könnten die Hormone aber auch schon mal verrückt spielen, und ein aggressiver Bulle ist alles andere als ungefährlich.

Django kommt aus einer reinen Männer-WG

"Wir befinden uns gerade in der Aneinander-Gewöhnungsphase", erzählt Michael Köbler, Leiter des Hofguts Serrig. "Django kommt aus einer reinen Männer-WG und ist jetzt zum ersten Mal unter Frauen. Der muss jetzt erstmal lernen, dass wir ihm nicht die Kühe ausspannen wollen." Bisher hat Django nämlich auf einem reinen Bullen-Zuchtbetrieb gelebt und muss sich nun in seiner neuen Rolle in der Serriger Herde einleben. Damit Django auch wirklich versteht, dass die Landwirte ihm keine Konkurrenz machen wollen, reden sie jetzt mit ihm.

Der Bulle Django kommt aus einer reinen Männer-WG und ist jetzt zum ersten Mal unter Frauen, sagt Landwirt Michael Köbler aus Serrig. Er müsse jetzt erstmal lernen, dass ihm keiner die Kühe ausspannen wolle. (Foto: SWR, Lena Bathge)
Der Bulle Django kommt aus einer reinen Männer-WG und ist jetzt zum ersten Mal unter Frauen, sagt Landwirt Michael Köbler. Er müsse jetzt erstmal lernen, dass ihm keiner die Kühe ausspannen wolle. Lena Bathge

"Für Außenstehende, die denken sich manchmal, sind die verrückt? Warum reden die mit den Tieren so viel? Aber die Tiere gewöhnen sich an unsere Stimme und fassen so Vertrauen. Wenn er einen erstmal kennt, dann kann der Django auch ganz schön kuschelig werden. Dann ist er ein ganz Lieber."

Michael Köbler, Landwirt

Auf der Weide bei Wind und Wetter

Die Herde ist das ganze Jahr über auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. "Die Taurusrinder sind sehr genügsam und deshalb für so ein Beweidungsprojekt sehr gut geeignet", weiß Michael Köbler. Im Sommer finden sie auf der Fläche jede Menge Futter, im Winter ist die Landschaft dagegen eher karg. Deshalb knabbern die Kühe die Zweige von Büschen und Bäumen an. Auf diese Weise verhindern sie, dass sie sich zu stark auf den für den Umweltschutz so wichtigen Wiesen ausbreiten, so Köbler.

Offene Wiesen mit zahlreichen Heckensäumen und Büschen bieten einen sehr abwechslungsreichen Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten, weil dort mehr wächst als auf dem schattigen Waldboden. "Ehemalige Übungsplätze zeichnen sich ja dadurch aus, dass die Natur dort weitgehend in Ruhe gelassen wurde", berichtet Köbler. "Deswegen haben sich dort einige Arten sehr gut vermehren können, wie zum Beispiel die Gelbbauchunke."

Michael Köbler aus Serrig führt das Beweidungsprojekt mit dem Bullen Django durch. Der Bulle soll Vertrauen zu dem Landwirt erlangen. (Foto: SWR, Lena Bathge)
Michael Köbler aus Serrig führt das Beweidungsprojekt mit dem Bullen Django durch. Der Bulle soll Vertrauen zu dem Landwirt erlangen. Lena Bathge

Hufabdrücke für die Gelbbauchunke

Die Taurusrinder erfüllen nämlich noch einen anderen wichtigen Zweck. Mit ihren Hufen hinterlassen sie im morastigen Untergrund tiefe Abdrücke, in denen sich Wasser sammelt. Im Frühjahr bieten diese Pfützen ideale Laichgründe für die Gelbbauchunke, eine Froschart.

"Die Gelbbauchunke laicht sehr zeitig im Frühjahr. Jetzt kann man sich vorstellen, ein großer Teich erwärmt sich sehr langsam, was natürlich für das Wachstum der Amphibien sehr schlecht ist", weiß Michael Köbler. "Diese Kleingewässer wärmen sich dagegen auch in der Frühjahrssonne schnell auf." Die Gelbbauchunke steht in Deutschland unter strengem Schutz und gilt als stark gefährdet. Das Beweidungsprojekt mit dem Nabu soll dabei helfen, ihren Lebensraum zu schützen.

Neuer Spitzname: Serriger Serengeti

Das urige Aussehen der Taurusrinder mit ihren langen Hörnern und die steppenartige Landschaft, die von Buschwerk und einzelnen Bäumen durchzogen ist, hat schon jetzt den ein oder anderen Spaziergänger inspiriert. "Sie haben dem ehemaligen Truppenübungsplatz kurzerhand einen neuen Spitznamen verpasst, nämlich Serriger Serengeti", berichtet Michael Köbler mit einem Schmunzeln.

Die "Serriger Serengeti" und ihre behuften Bewohner sind auch in den sozialen Medien beliebt, meint Köbler. Aber ihm ist wichtig, dass die Besucher verstehen, dass es sich hier um Wildtiere handelt. Deshalb sollte man ihnen auch mit entsprechendem Respekt und Vorsicht begegnen.

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