Seniorenhaus Berghof in Neuerburg: Wohnen im Alter mit Garten und vielen Tieren. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

Besonderes Konzept in Neuerburg in der Eifel

Seniorenhaus Berghof: Wohnen im Alter mit Garten und vielen Tieren

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Die geliebten Haustiere auch im Seniorenheim dabei zu haben und sich im Garten zu betätigen - das geht im Berghof in Neuerburg. Beteiligung und Nachhaltigkeit stehen im Vordergrund des besonderen Wohnprojekts.

"Hätte ich meine Tiere nicht mitbringen dürfen, dann wäre ich nicht hierher gekommen", sagt Heinrich Gatzen. Er hat einen Papagei auf seinem Zimmer im Seniorenhaus Berghof.

Zwei seiner Schafe stehen im Außengehege und sein Hund läuft durch das ganze Haus und lässt sich von allen Bewohnerinnen und Bewohnern streicheln und füttern.

Die Hunde laufen frei im Seniorenhaus Berghof herum und sorgen überall für gute Stimmung. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Die Hunde laufen frei im Seniorenhaus Berghof herum und sorgen überall für gute Stimmung. Anna-Carina Blessmann

Wo bei anderen Seniorenheimen eigens Tiere zum Streicheln gebracht werden müssen, können die Bewohnerinnen und Bewohner im Seniorenhaus Berghof jeden Tag nach Lust und Laune Kontakt zu Hunden oder Katzen haben.

Besonderes Konzept seit Jahrzehnten

Angefangen hat dieses besondere Konzept schon in den 1990er Jahren, als der Familienhund der Betreiberfamilie Heck regelmäßig mit ins Heim kam. Einer der Welpen des jetzigen Familienhunds ist heute der Haushund des Berghofs, Balou.

Haushund Balou ist immer dabei. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Haushund Balou ist immer dabei. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Auch Katze Minka freut sich immer über Streicheleinheiten. Christine Heck Bild in Detailansicht öffnen
Die Schafe haben teilweise vorher bei heutigen Bewohnern gelebt. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Die Hühner leben zusammen mit den Kaninchen in einem artgerechten Gehege. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Die Kaninchen gehörten vorher teilweise den Bewohnern oder wurden an das Seniorenhaus abgegeben. Christine Heck Bild in Detailansicht öffnen
Die Fische im Aquarium wirken beruhigend auf die Bewohnerinnen und Bewohner. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Vor Corona haben Senioren und Kinder auch gemeinsam die Geburt eines Lämmchens bestaunt. Christine Heck Bild in Detailansicht öffnen
Die Vögel in der Voliere geben jeden Tag ein kleines Konzert. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Dem Seniorenhaus Berghof geht es um Nachhaltigkeit und Beteiligung. Deshalb schält eine Bewohnerin regelmäßig die Kartoffeln aus regionalem Anbau. Die Schalen bekommen die Schafe. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Auf dem 13.000 Quadratmeter großen Außengelände können die Bewohnerinnen und Bewohner sich auch im Garten betätigen. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Schaukeln laden vor allem im Sommer zum Verweilen ein. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Im eigenen Hofmuseum mit alten Küchenutensilien und landwirtschaftlichen Geräten können die Bewohnerinnen und Bewohner in Erinnerungen schwelgen. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen

Nach Absprache dürfen die älteren Leute ihre eigenen Haus- und Nutztiere mitbringen, wenn sie in den Berghof ziehen. Ein Stück gewohntes Leben für die Menschen, die auf dem Land häufig schon mit Tieren aufgewachsen sind.

Tiere bringen viel Freude

Dass Hunde und die Katze Minka frei im Haus herumlaufen, sorgt für gute Stimmung im Haus. "Die Tiere sind auf jeden Fall immer ein Gesprächsthema bei den Leuten", sagt Einrichtungsleiterin Christine Heck.

"Die Tiere sind sehr schön für das Heim! Sehr lieb und zahm, man kann die Hunde immer streicheln. Da freuen sich alle."

Auch Menschen, die man sonst nur schwer an die frische Luft bekommt, könne man so gut motivieren. Wenn es darum ginge, mal nach den Schafen zu schauen, seien alle immer gerne dabei.

Die Schafe gab es schon, als der Berghof noch ein Hotel war. Auf den 13.000 Quadratmeter großen Außengelände gibt es außerdem Kaninchen, Hühner, Bienen und eine Vogelvoliere.

Aus einem ehemaligen Hotel wurde durch Anbauten das heutige Seniorenhaus Berghof. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Aus einem ehemaligen Hotel wurde durch Anbauten das heutige Seniorenhaus Berghof. Anna-Carina Blessmann

Beteiligung im Garten und im Hofmuseum

Die Senioren können sich auch im naturbelassenen Garten betätigen. Das ist Betreiberfamilie Heck sehr wichtig. Die Bewohnerinnen und Bewohner helfen in der Küche.

Dort werden regionale Produkte verarbeitet und zum Heizen sei schon sehr früh eine Hackschnitzelanlage installiert worden. Auch ein Hofmuseum gehört zum Konzept des Berghofs.

Dort sind alte Küchenutensilien oder Landmaschinen ausgestellt. Statt einem großen Ausflug ins nächste Museum, können die Bewohner hierher kommen, in Erinnerungen schwelgen und Geschichten von früher erzählen.

Konzept aus Überzeugung

Die Tiere seien über die Haftpflichtversicherung des Hauses mitversichert. Die Hundesteuer und das Futter übernimmt auch das Seniorenhaus. Die Heimplätze seien dadurch nicht teurer als andere.

"Wirtschaftlich ist dieses Konzept nicht. Aber so denken wir auch nicht", sagt Christine Hecks Lebensgefährte Thomas, der im Heim als Hausmeister arbeitet. Das Konzept sei aus Überzeugung entstanden.

Ein Zuhause für die Bewohner

Auch, dass der Hof wegen der Schafe als landwirtschaftlicher Betrieb gilt, bringt bürokratische Hürden mit sich. Zum Beispiel müssen die Tiere regelmäßig gezählt und untersucht werden. Aber auch das nimmt Familie Heck gerne in Kauf.

"Wenn man die Tiere haben will und den Nutzgarten, dann sollte man nicht so viel an die Bürokratie denken, sondern es einfach machen. Hier ist ein Zuhause für die Bewohner und das ist das wichtigste."

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