Für viele funktionale Analphabeten fliegen Buchstaben und Wörter durcheinander. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke)

Lesen und Schreiben lernen

Selbst·hilfe·gruppe "Wort·salat" hilft funktionalen An·alphabeten aus Trier

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Beim Arzt, beim Lesen vom Bus·fahrplan oder im Internet:
An·alphabeten haben es oft schwer.
In Deutschland gibt es sechs Millionen An·alphabeten.

Manchmal muss man beim Arzt ein Formular ausfüllen.
Für viele Menschen ist das leicht.
Die müssen nicht lange darüber nach·denken.
Aber für Menschen wie Yvonne B. kann das ein Problem sein.

"Ich fühle mich dann wie ein Erst·klässler…
ich werde rot und bekomme Angst, wenn ich das allein machen muss."

Yvonne B. hat seit ihrer Geburt eine Lern·behinderung.
Sie hatte früher viele Probleme beim Lesen und Schreiben.
Heute kann sie das viel besser.
Yvonne besucht nämlich Deutsch·kurse und eine Selbst·hilfe·gruppe.
In der Wissen·schaft nennt man Menschen wie Yvonne "funktionale An·alphabeten".

Selbst·hilfe·gruppe "Wort·salat" in Trier

Susanne Barth leitet die Selbst·hilfe·gruppe "Wort·salat" in Trier.
Sie erzählt in dem Video, warum die Gruppe so heißt.

Manche Menschen in der Gruppe können einzelne Wörter nicht gut erkennen.
Andere haben Probleme bei langen Texten.
In ihren Köpfen fliegen die Worte durcheinander.

Muss man lesen können, um Teil der Gesellschaft zu sein?

Dieses Jahr gab es ein wichtiges Thema in der Gruppe:
Die Landtags·wahl in Rheinland-Pfalz.
Yvonne B. ist 30 Jahre alt.
Dieses Jahr hat sie zum ersten Mal gewählt.
Vorher hatte sie sich nicht getraut.

"Ich hatte Angst, nach Hilfe zu fragen.
Ich glaube, die hätte man da bekommen.
Aber ich habe mich nie getraut."

So wie Yvonne damals geht es auch anderen An·alphabeten.
Vielen ist es peinlich, nicht so gut lesen oder schreiben zu können.
Manche Menschen verstecken deshalb ihre Schwäche.

Rat an Betroffene: mutig sein

Auch Kerstin H. ist in der Selbst·hilfe·gruppe.
Sie sagt, dass Betroffene keine Angst haben müssen.
Sie können immer andere um Hilfe bitten.

"Man soll immer nett zu den Leuten sein.
Ich habe keine Probleme, jemandem zu helfen.
Also sollen andere auch kein Problem haben, mir zu helfen.
Dann wäre die Welt auch viel freundlicher und bunter."

Yvonne B. und Kerstin H. waren beide mutig.
Sie haben sich Hilfe gesucht.
Heute können sie viel besser lesen.
Yvonne B. liest ganze Bücher.
Am liebsten mag sie "Harry Potter".
Und sie schreibt gerade ein eigenes Buch.
Darauf ist sie stolz.
Es heißt: "Abenteuer in England".

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