Angeklagter beim Prozess zur Amokfahrt Trier (Foto: SWR)

Prozess am Landgericht Trier

Nach Amokfahrt: 14-Jährige kämpfte sich zurück ins Leben

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Eine damals 14-Jährige wurde im Dezember 2020 in Trier vom Tatfahrzeug frontal getroffen. In den Monaten danach kämpfte sie sich ins Leben zurück. Am Dienstag sagte sie vor Gericht als Zeugin aus.

Die heute 15-Jährige und ihr Freund kamen gerade aus einem Geschäft in der Brotstraße. Weihnachtsshopping hatten sie gemacht und sortierten gerade die Einkäufe. Danach vergingen nur noch Sekunden bis zu dem Moment, der ihr Leben verändern sollte.

"Zielgerichtet und in Tötungsabsicht" sei der Angeklagte mit dem Geländewagen auf die beiden zugefahren - so steht es in der Anklage. Der 14-jährige Junge habe sich durch einen Sprung retten können, sei aber vom Kotflügel des Autos am Fuß erfasst worden.

Das Mädchen sah den Amokwagen nicht kommen

Seine Freundin habe mit dem Rücken zur Fahrtrichtung des Tatfahrzeugs gestanden, sagte der Junge heute vor Gericht aus. Er habe den Geländewagen im letzten Moment kommen gesehen. Deshalb habe er reagieren können, sie nicht.

Ihm selbst gehe es heute wieder relativ gut. Allerdings bereite es ihm Probleme, wenn sich ihm ein Auto von hinten nähert. So wie es damals seiner Freundin erging.

Nachdem er zur Seite gesprungen sei, sei für ihn alles schwarz gewesen, so der Junge am Dienstag vor Gericht. Als er zur Besinnung kam, sei er zu seiner Freundin gelaufen, die 20 Meter weiter auf dem Boden lag und versuchte, ihr irgendwie zu helfen.

Vor einem Drogeriemarkt in der Grabenstraße lag das Mädchen da auf dem Boden. Der Amokfahrer hatte es von hinten getroffen, auf die Motorhaube geladen und weggeschleudert.

Laut Anklageschrift wurde ihr Schädel verletzt, die Lungen, die Leber und die Nieren. Das Becken gebrochen. Erst lag sie auf der Intensivstation, dann auf Station. Am Ende dann Reha. Schritt für Schritt kämpfte sie sich ins Leben zurück.

Am Dienstag sagte die heute 15-Jährige auch selbst vor Gericht aus, wenige Meter von dem Mann entfernt, der ihr das alles angetan haben soll. Körperlich wirkte sie völlig wiederhergestellt. An die Amokfahrt selbst kann sie sich jedoch nicht erinnern.

Jugendliche klagt heute noch über Defizite

Einige Erinnerungsfragmente jenes Tages sind ihr erhalten geblieben. In der Schule hätten sie an jenem Tag Weihnachtslieder gehört. Danach ist praktisch alles weg, sagte sie. Vom Aufprall, dem Auto weiß sie selbst nichts mehr.

Gewisse Defizite habe sie noch heute. Konzentrationsschwierigkeiten. Gewisse Worte fielen ihr nicht mehr so leicht ein, sagte sie. Sie sei nicht mehr so schnell wie früher. Ihre Leistungen in der Schule hätten aber nicht nachgelassen.

Jugendliche wünscht sich Normalität

Wie es ihr sonst so gehe, fragte die Vorsitzende Richterin und bekam eine Antwort, die zunächst etwas überraschte. Die vielen Nachfragen nach der Amokfahrt und wie es ihr gehe, seien ihr etwas lästig. Es war nicht abweisend gemeint. Nur die Worte einer Jugendlichen, die sich so etwas wie Normalität zurückwünscht.

Bei der Amokfahrt durch die Trierer Innenstadt starben am 1. Dezember 2020 fünf Menschen. Ein weiteres Opfer der Amokfahrt starb fast ein Jahr später - ob an den Folgen seiner Verletzungen wird noch untersucht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fünffachen Mord vor.

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