Schwanger in Corona-Zeiten: Eine Hebamme aus Trier berichtet (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Mit Maske im Kreißsaal

Schwanger in Corona-Zeiten: Was das für Hebammen und Mütter bedeutet

STAND
AUTOR/IN
Tjada Huchtkötter
Lena Bathge

Wie läuft eine Geburt unter Corona-Bedingungen ab? Zwei Hebammen aus Trier berichten, wie sie die Corona-Zeit im Kreißsaal erleben und was sich für sie und ihr Team verändert hat.

Seit über 25 Jahren ist Marion Wühr Hebamme im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Hier kamen im vergangenen Jahr etwa 2.400 Kinder auf die Welt. Besondere Geburten unter Corona-Bedingungen. Auf der Entbindungsstation sind FFP2-Maske, regelmäßiges Händedesinfizieren und Abstand halten inzwischen zur Routine geworden.

Ein anderes Arbeiten kennt Sarah Weber nicht. Sie ist seit Oktober als Hebamme auf der Geburtsstation tätig. Nähe und Geborgenheit für die Mutter sind ihr besonders wichtig, erzählt Weber.

"Wir versuchen trotz der ganzen Situation eine schöne Geburt zu ermöglichen oder die Schwangeren so schön zu betreuen, dass sie gar nicht merken, dass wir Corona auf der Welt haben."

Bild Hebamme Weber (Foto: SWR)
Hebamme Sarah Weber ist 23 Jahre alt und betreut neben der Arbeit im Krankenhaus auch noch Mütter bei der Vor- und Nachsorge.

Strenge Regeln bei der Entbindung Corona-positiver Mütter

Doch eine "schöne Geburt" ist nicht immer einfach - insbesondere dann, wenn eine werdende Mutter positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Dann greifen besondere Schutzmaßnahmen. Die Geburt muss beispielsweise in einem extra abgeschotteten Kreißsaal stattfinden, der vom Rest der Station isoliert ist.

"Die Schwangere wird von ihrer Hebamme mit Schutzkleidung besucht", so Hebamme Marion Wühr. "Also Kittel, Brille, Häubchen, Mundschutz, FFP2-Maske und Handschuhe. Die Schwangere bekommt ihre eigene Toilette, denn sie darf auch nicht im Kreißsaal zur Toilette gehen."

Immerhin darf der Partner, sofern er negativ getestet ist, mit in den Kreißsaal - allerdings auch nur unter Einhaltung sämtlicher Schutzmaßnahmen.

Nähe und Emotionen gehen verloren

Die Schutzmaßnahmen machen es enorm schwer, der werdenden Mutter emotional beizustehen, so Hebamme Wühr. Durch die Sicherheitskleidung der Hebammen fehle oft der persönliche Kontakt zur Mutter.

"Wir sind verkleidet im Kreißsaal. Das ist ganz anders, als wenn man normal vor einer Frau steht. Wir müssen mehr mit den Augen reden, weil einfach der Rest des Gesichtes fehlt."

Auch für die junge Hebamme Sarah Weber gehen viele Emotionen verloren: "Die Schwangeren wissen gar nicht, welche Hebamme sie gerade betreut oder die haben gar keine Gesichter dazu."

Keine Schutzkleidung während der Geburt

Wenn die Geburt losgeht, braucht die werdende Mutter diese Schutzmaßnahmen aber nicht einzuhalten. Eine Maske werde zwar empfohlen, aber das sei in der Realität oft nicht machbar, meint Hebamme Wühr. "Da wird auch niemand von uns dann sagen: Um Gottes willen, ziehen Sie sofort die Maske wieder an."

"Eine Frau, die gerade ihr Kind bekommt, läuft Marathon und leistet Schwerstarbeit. Die wird die Maske mit Sicherheit von sich aus runterziehen."

Angst, dass sie sich selbst mit dem Coronavirus anstecken, scheinen die Hebammen nicht zu haben. Viel wichtiger sei für sie, dass die Geburt gut verläuft und dass es Mutter und Kind gut gehe, meint Sarah Weber: "Wir tragen ja durchgehend unsere Maske und halten alle Schutzmaßnahmen ein." So schützen sie eben nicht nur die Mütter, sondern auch sich selbst so gut es eben ginge.

Kreißsaal Mutterhaus Trier (Foto: SWR)
Ein Blick in den "Corona-Kreißsaal" im Mutterhaus: Hier bekommen Corona-positive Mütter ihre Kinder.

Isolation nach der Geburt

Ist das Kind auf der Welt, geht es für die Corona-positive Mutter mit Neugeborenem auf die Station in Isolation. Oft kommen dann weitere Sorgen der Mütter auf: Darf ich mein Kind trotzdem stillen? Muss ich Abstand zu meinem Kind halten? Ist mein Kind potenziell gefährdet? Diese Sorgen versuchen die Hebammen im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier den Müttern schnell zu nehmen.

Sie empfehlen Corona-positiven Müttern, Maske zu tragen, wenn sie dem Neugeborenen nahe sind und so wenig Übertragungsmöglichkeiten zwischen sich und dem Kind zu schaffen wie möglich. "Also weniger küssen, festhalten und schmusen, sondern so was eher dem gesunden Papa überlassen", so Marion Wühr.

Gynäkologie Schwanger während der Corona-Pandemie

Frauen, die in diesen Tagen schwanger sind, machen sich natürlich Sorgen: Wie gefährlich ist das Coronavirus für mich und mein ungeborenes Kind? Was sagt die Wissenschaft dazu?  mehr...

Unverständnis der Angehörigen war belastend

Solange die Mutter in Isolation auf der Station liegt, durfte sie gerade zu Beginn der Corona-Pandemie keinen Besuch empfangen. Für die Mütter sei dies oft gar nicht so schlimm gewesen, da sie so ausreichend Ruhe bekamen - eher seien es die Familienangehörigen gewesen, bei denen Unverständnis über den Besucherstopp herrschte, welche noch zu Beginn der Pandemie im Krankenhaus galt, erinnern sich die Hebammen.

Trotz der besonderen Umstände in der Corona-Zeit können sich die Hebammen Marion Wühr und Sarah Weber keinen besseren Job vorstellen. Denn der seelische Beistand sei gerade jetzt wichtiger denn je. Darum machen die beiden Hebammen weiter - komme, was da wolle.

Region Trier

Hygienemaßnahmen, Regeln und Co. Corona in der Schwangerschaft: Das sollten Sie wissen

Ein positiver Schwangerschaftstest ist für die meisten Frauen ein Grund zur Freude. Ist die Frau dann aber Corona-positiv, gibt es viele Sorgen und Fragen.  mehr...

Pandemie Italienische Studie zeigt: Kein Baby-Boom durch Corona

Wenn man das Zuhause wegen Covid-19 nur noch selten verlässt und kaum andere Kontakte hat als zum eigenen Partner... Führt das zu mehr Babys? Dieser Frage sind Forscher auf den Grund gegangen.  mehr...

Erste Studien mRNA-Impfung für stillende Frauen wohl unproblematisch

Es sind noch ganz kleine Studien, doch sie machen Hoffnung: Corona-Impfungen mit mRNA-Vakzinen sind für stillende Mütter und Kinder wohl unproblematisch. Wahrscheinlich nützen sie beiden sogar.  mehr...

Medizin Corona-Ansteckung im Mutterleib – Infektion über Plazenta möglich

Schwangere und Babys gelten zur Zeit nicht als besondere Risikogruppen für Covid-19. Allerdings konnten französische Forscher erstmals eine Infektion über die Plazenta nachweisen.  mehr...

Virologie Corona-Impfung für Schwangere: Das weiß man über Nutzen und Risiken

Obwohl die StiKo eine Corona-Impfung für Schwangere bereits seit September 2021 empfiehlt, entscheiden sich noch immer viele Betroffene dagegen. Selbst einige Gynäkolog*innen raten schwangeren Patientinnen gegen die allgemeine Empfehlung von einer Impfung ab.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Medizin Corona-Studie: Pandemie-Babys sind entwicklungsverzögert

Im ersten Lebenshalbjahr schneiden laut einer US-Studie Babys, die in der Pandemie geboren wurden, in Fein-, Grobmotorik und sozialen Fähigkeiten schlechter ab, als vor Corona geborene Babys. Schuld könnte der Corona-Stress der Mütter sein.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Krankenhausseelsorge: Vor allem in Corona-Zeiten wichtig

Genauso wie die Geburt eines Kindes gehört der Tod zum Alltag in einem Krankenhaus. Vor allem in Corona-Zeiten, in denen viele Menschen mit dem Tod ringen, ist deshalb die seelsorgerische Betreuung der Betroffenen und deren Angehöriger sehr wichtig. Christian Mario Hess ist
Krankenhaus-Seelsorger in der Thorax-Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Er sagte im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex, dass Tod und Sterben von vielen Menschen bisher eher "an den Rand geschoben" worden sei. In der Pandemie sei das aber mehr in den Fokus gerückt, da "alles etwas unsicherer" geworden sei. Wie Menschen, die im Sterben liegen und deren Angehörige mit dem Tod umgehen, das berichtet Hess ebenfalls in dem SWR Aktuell-Gespräch.  mehr...

Esslingen

Alarm auf Geburtsstationen Auch wegen Corona: Schwangere vor verschlossenen Türen

Gebärende müssen derzeit viele Kliniken anfahren, bis sie im Kreißsaal aufgenommen werden. Wegen Schwangeren mit Corona und Hebammenmangel werden sie sogar verlegt.  mehr...

Schwäbisch Hall

"Babywatch" in Zeiten von Corona Haller Diak plant Kameras auf Frühchen-Intensivstationen

Durch die Corona-Pandemie ist der Kontakt zwischen Frühgeborenen und deren Eltern oft eingeschränkt: im Diakoneo Diak Klinikum Schwäbisch Hall sollen Eltern künftig ihr Frühchen auch durch eine Live-Übertragung sehen können.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
Tjada Huchtkötter
Lena Bathge