Das Gymnasium Traben-Trarbach startet am Montag wieder in den Präsenzunterricht- zur Freude von Schülern, Lehrern und Eltern. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Philipp von Ditfurth)

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Gymnasium Traben-Trarbach zurück im Präsenzunterricht

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Es sind die sozialen Kontakte, die Schülern im Wechselunterricht gefehlt haben. Am Gymnasium in Traben-Trarbach sieht man den Start des Präsenzunterrichts daher vor allem positiv.

In Rheinland-Pfalz kehren am Montag alle Schüler wieder zum Präsenzunterricht in die Schule zurück. Erstmals seit Dezember.

Für Rudolf Müller-Keßeler, Schulleiter am Gymnasium in Traben-Trarbach, ist klar: Persönlicher Unterricht vor Ort in der Schule lässt sich nicht ersetzen. Ähnlich sehen es auch Elternsprecher und Lehrer.

Grundsätzlich sollen die Kinder zuhause zwar den gleichen Stoff lernen, wie die Kinder in der Schule, aber manchen Schülern fiele es schwerer als anderen, sich die Arbeit zuhause selbst zu strukturieren, so Müller-Keßeler. Für viele Schüler gibt es aber auch noch ein anderes Problem, denn während des Wechselunterrichts konnten sie ihre Freunde nur noch sehr selten sehen.

"Meine Freunde wurden alle in eine andere Gruppe für den Wechselunterricht eingeteilt, die gemeinsamen Mittagspausen haben mir schon gefehlt."

Das bereitet auch dem Schulleiter Sorgen. "Die sozialen Kontakte sind für das Erwachsenwerden einfach unglaublich wichtig. Ich denke, die Defizite in der sozialen Entwicklung der Kinder sollten viel mehr in den Fokus genommen werden. Das ist für meine Begriffe zu wenig auf dem Schirm der politisch Verantwortlichen, da sollte eigentlich deutlich mehr passieren", beklagt der Schulleiter.

Auch die Schule in Traben- Trarbach startet wieder in den Präsenzunterricht. (Foto: SWR, Lena Bathge)
Felix Warmuth, Deutsch- und Erdkundelehrer: "Ich habe ein sehr positives Gefühl. Ich freue mich auch darauf, endlich wieder vor der ganzen Klasse zu stehen. Auch für die Schüler ist es gut, die anderen endlich wieder zu sehen. Es wird eine Herausforderung sein, diese beiden Gruppen wieder zu einen, denn die haben sich nach dieser langen Zeit auch ein bisschen auseinandergelebt. Wir merken jetzt auch, wie wichtig es eigentlich ist, dass Schüler miteinander agieren und kommunizieren." Lena Bathge Bild in Detailansicht öffnen
Mia Reinhardt (14) aus der 9. Klasse: "Ich freue mich darauf, meine Freunde aus der anderen Gruppe wiederzusehen. Die gemeinsamen Mittagspausen haben schon gefehlt. Aber wenn alle wieder da sind, wird es auch wieder lauter und chaotischer. Durch die kleineren Gruppen, in die wir eingeteilt waren, habe ich auch wieder mehr verstanden, weil die Lehrer besser auf die einzelnen Schüler eingehen konnten." Lena Bathge Bild in Detailansicht öffnen
Schulleiter Rudolf Müller-Keßeler: "Ich denke, die sozialen Kontakte sind schmerzlicher vermisst worden als die schulischen Lerninhalte. In der Sommerschule kann man Mathe oder Englisch aufarbeiten, aber das Soziale lässt sich nicht einfach nachholen. Manche Schüler sind ruhiger geworden, introvertierter, diese offensichtliche Lebensfreude ist nicht mehr so zu greifen wie sonst. Das ist auch zu wenig auf dem Schirm der politisch Verantwortlichen, da sollte eigentlich deutlich mehr passieren." Lena Bathge Bild in Detailansicht öffnen
Justin Steffens (13) aus der 7. Klasse: "Ich komme eigentlich gut damit zurecht, mir selbst etwas beizubringen, aber man hat schon gemerkt, dass manche Mitschüler die Themen ein bisschen besser konnten als andere. Man kann sich halt im Wechselunterricht nicht so gut gegenseitig helfen, wie wenn alle zusammen im Unterricht sind." Lena Bathge Bild in Detailansicht öffnen
Rudolf Jüngling, Elternsprecher: "Ich glaube, die meisten Eltern sind froh, dass es wieder regulären Unterricht gibt, weil dann auch der Alltag zuhause wieder besser strukturiert ist. Die Schutzmaßnahmen, die jetzt ja schon über ein Jahr bestehen, haben sich ja schon so eingespielt, dass sich jeder sicher sein kann, dass da keine größeren Infektionsgeschichten auftreten werden. Ich denke, es wird ein oder zwei Tage dauern, aber dann sind die Kinder wieder im gewohnten Rhythmus drin." Lena Bathge Bild in Detailansicht öffnen

Schulleiter fordert: Klassen verkleinern

Darüber hinaus sieht Rudolf Müller-Keßeler aber auf politischer Ebene weiteren Handlungsbedarf. Es habe sich im Wechselunterricht gezeigt, dass die kleineren Lerngruppen deutlich effizienter arbeiten können.

"Für die Politik wäre das die Gelegenheit, die Klassengrößen so zu senken, dass auch Raum besteht, auf jeden Einzelnen einzugehen. Das sind Effekte, die sich jetzt gezeigt haben, und es wäre wünschenswert, wenn man daraus jetzt auch lernen würde."

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