SCHMIT-Z Trier boykottiert WM in Katar (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Wegen Menschenrechtsverletzungen und Homophobie

Queeres Zentrum SCHMIT-Z Trier boykottiert WM in Katar

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Das Queere Zentrum Trier, SCHMIT-Z, boykottiert die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Wegen Homophobie und Menschenrechtsverletzungen in dem Land wird auf eine Übertragung der Spiele verzichtet.

Begeisterte Fußballfans im Deutschlandtrikot, die auf eine Leinwand schauen und beim Tor jubelnd aufspringen. So war das beispielsweise bei der Weltmeisterschaft 2018. Bei der anstehenden Fußball Weltmeisterschaft in Katar wird es das zumindest im Queeren Zentrum SCHMIT-Z in Trier nicht geben. Denn hier wird die WM boykottiert.

Dass die WM in ein Land wie Katar vergeben wurde, in dem Menschenrechte keine große Rolle spielen und queere Menschen nicht akzeptiert werden, war für Vincent Maron und Alex Rollinger vom Queeren Zentrum SCHMIT-Z ein Schock und vollkommen unverständlich.

SCHMIT-Z Trier boykottiert die WM in Katar (Foto: Queeres Zentrum SCHMIT-Z Trier)
Das Queere Zentrum SCHMIT-Z in Trier boykottiert die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Schon bei ihrem Fußballturnier "Kick of Colours" haben sie darauf aufmerksam gemacht. Queeres Zentrum SCHMIT-Z Trier

"Für uns als queere Community ist das eine große Verletzung und ein Schlag ins Gesicht , dass die WM in Katar stattfindet."

Dass der WM-Botschafter in Katar nun gesagt hat, dass Schwule einen "geistigen Schaden" haben, bekräftigt Maron und Rollinger in ihrem Boykott. Das mache wütend. Schließlich habe der FIFA-Präsident Gianni Infantino noch behauptet, dass sich "jeder bei der WM in Katar sicher fühlen" kann. Maron hält das für Unsinn.

"Das ist nicht zu tolerieren und da muss man was dagegen tun und klar sagen, dass die WM so nicht in Ordnung ist."

Rollinger glaubt auch nicht, dass die WM bewirken wird, dass sich an der Situation in Katar etwas ändern wird. Er befürchtet viel eher, dass es sogar noch schlimmer werde.

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Andere, wie beispielsweise das SCHMIT-Z oder das Astarix in Trier verzichten darauf, die WM zu zeigen. Das Astarix begründet das auf seiner Facebook-Seite unter anderem mit den Menschenrechtsverletzungen, den fehlenden Rechten für Frauen, der umstrittenen Vergabe der WM und der Situation der Gastarbeiter.

"All das ist uns Grund genug, uns nicht an diesem Irrsinn zu beteiligen. Und in der Hoffnung auf Euer Verständnis bleibt unser TV diesmal aus."

Maron und Rollinger können zwar verstehen, dass viele die WM aus wirtschaftlichen Gründen zeigen, hätten sich aber dennoch mehr Solidarität gewünscht.

"Ich finde es schade, weil ich immer das Gefühl hatte, dass Trier eine Stadt ist, in der dieses Thema auch mitgedacht wird. Aber man kann es ihnen natürlich nicht verbieten."

Menschen sollen Fußball aus einer anderen Perspektive betrachten

Maron ist es wichtig, dass die Menschen darüber aufgeklärt werden, warum es problematisch ist, diese WM zu unterstützen. Im vergangenen Sommer veranstaltete das SCHMIT-Z gemeinsam mit dem Fanprojekt von Eintracht Trier und dem Treffpunkt am Weidengraben das Fußballturnier "Kick for Colours." Das Turnier findet schon seit mehreren Jahren statt. In diesem Jahr wurde es aber dazu genutzt, konkret auf die Missstände bei der WM in Katar aufmerksam zu machen.

Cick for Colours (Foto: Queeres Zentrum SCHMIT-Z Trier)
Das Fußballturnier "Kick for Colours" wird vom SCHMIT-Z gemeinsam mit dem Fanprojekt, dem Mergener Hof und dem Treffpunkt am Weidengraben organisiert. Im Juni nahmen zehn Mannschaften daran teil. Das Turnier findet jedes Jahr statt und ist ein Zeichen für Vielfalt. Queeres Zentrum SCHMIT-Z Trier

"Bei Fußball geht es um Fairness und Respekt. Warum muss eine WM dann in einem Land stattfinden, in dem Menschenrechte, Persönlichkeit und Identität mit Füßen getreten werden?"

Durch den Boykott und verschiedene Aktionen in den Sozialen Netzwerken will das SCHMIT-Z erreichen, dass sich die Menschen kritischer mit Fußball auseinandersetzen. Es sei wichtig, dass über das Thema gesprochen werde.

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