Schäfer Markus Dietz aus Landscheid hat Angst um seine Schafe. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

Gerissene Schafe in der Eifel

Schäfer aus Landscheid sperrt den Wolf aus

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Jetzt ist es bestätigt: Die Schafsrisse Ende Februar in Hasborn gehen auf das Konto eines Wolfes. Das versetzt Schäfer und andere Tierhalter in Angst. Sind Förderungen für Schutzzäune eine Lösung?

Schon im Sommer 2020 ging in der Eifel die Angst um: Wolf "Billy" hatte nachweislich 18 Schafe und zwei Kälber gerissen und war dann für einige Zeit spurlos verschwunden.

Mit seiner Erschießung in Frankreich ist die Gefahr aber noch nicht gebannt: Ein Wolf hat im Februar im Kreis Ahrweiler Schafe gerissen. Und jetzt wurde bekannt: Auch für den Riss an drei Schafen in Hasborn bei Wittlich ist ein Wolf verantwortlich.

Ob beides Mal derselbe Wolf am Werk war, muss noch untersucht werden. Da Wölfe täglich 60 bis 80 Kilometer zurücklegen können, ist es zumindest nicht unwahrscheinlich, dass solch ein Tier demnächst auch in den umliegenden Kreisen auftauchen könnte.

Schäfer hat Angst vor dem Wolf

Deshalb hat auch Schäfer Markus Dietz aus Landscheid (Landkreis Bernkastel-Wittlich) Angst um seine rund 700 Schafe und Lämmer. Mit ihnen bleibt er nicht an einem festen Ort, sondern wandert im Winter durch das Land auf der Suche nach genügend Futter.

Im Moment grasen die Tiere bei Kyllburg in der Eifel. Tagsüber hütet Dietz die Schafe selbst mit seinen beiden Hunden. Aber jede Nacht muss er die Tiere einzäunen. Das kann Dietz sich neuerdings vom Land fördern lassen, seit die westliche Eifel "Wolfspräventionsgebiet" ist.

Höhere Zäune gegen den Wolf

Als Wanderschäfer braucht Markus Dietz Zäune, die er schnell auf- und abbauen und unter Strom setzen kann. Eine Förderung hat er für Weidenetze erhalten, die er auf ein Quad laden und dann im Vorbeifahren einstecken kann. Sie sind 15 Zentimeter höher als seine bisherigen Zäune. Das mache schon enorm viel aus. Der Wolf habe inzwischen gelernt, über den Zaun zu springen. Die zusätzlichen Zentimeter machten es ihm schwerer.

"Sinn und Zweck des neuen Zauns ist, dass der Wolf einen kleinen Stromschlag bekommt und sich denkt: Aua! Das Futter ist zwar lecker, tut aber weh. Das lass ich lieber."

Markus Dietz meint, dass es mehr Angriffe auf Schafe gebe, wenn sie nur mit herkömmlichen Zäunen geschützt werden. An einem Zaun mit mindestens 2.500 Volt Strom führe daher kein Weg vorbei. Der Wolf könne nicht nur über den Zaun springen, sondern sich auch darunter hindurch graben. Umso wichtiger ist es, dass Dietz den Zaun auf jeder neuen Weide sorgfältig aufstellt und spannt.

Zäune werden immer aufwändiger

Außerdem müsste der eingezäunte Bereich immer größer werden. Dietz braucht genügend Netze, um einen Hektar umspannen zu können. Denn wenn seine 700 Tiere auf einem kleineren Bereich dicht gedrängt stünden und der Wolf käme vorbei - dann hätten die Tiere keine Fluchtmöglichkeit mehr und würden ausbrechen. Und dann hätte das Raubtier noch leichteres Spiel.

Den Mehraufwand von 30 Minuten zusätzlich, den er Abend für Abend für das Aufstellen des Zauns hat. Diesen Mehraufwand zahle ihm aber niemand, sagt Dietz. Das Umweltministerium bestätigt, dass nur der Aufwand für das Aufstellen oder Erweitern fester Zäune aus Landes- und Bundesmitteln gezahlt wird.

"Früher haben wir Zäune aufgestellt, um unser Vieh drin zu halten. Heute müssen wir sie aufstellen, um andere Tiere draußen zu halten."

Auch Hobby-Schäfer sollen Förderung in Anspruch nehmen

Trotz des Mehraufwands und der Kosten würde Markus Dietz sich wünschen, dass auch Hobby-Schäfer mit wenigen Tieren die Förderungen in Anspruch nehmen und sich Elektrozäune anschaffen. Es gebe zwar Wölfe, die eingezäunte Herden links liegen lassen. Es gebe aber auch solche "triebstarken" Tiere wie damals "Billy", die mehr beißen, als sie fressen könnten.

Emotionale Bindung zu den Tieren

Auch wenn seine Schafe Nutztiere sind, die irgendwann zum Schlachter kommen: Bis zu diesem Zeitpunkt - was zehn Jahre dauern kann - hat er eine emotionale Beziehung zu den Tieren und möchte keines davon gerissen auf der Weide vorfinden. Deshalb sollten seiner Meinung nach auch zumindest Wölfe wie "Billy" in Rheinland-Pfalz abgeschossen werden dürfen.

Schäfer und andere Tierhalter aus der Eifel haben Angst vor dem Wolf. (Foto: SWR)
Schäfer und andere Tierhalter haben Angst vor dem Wolf.

Wolf steht unter Artenschutz

Tatsächlich sieht der Wolfsmanagementplan von Rheinland-Pfalz vor, dass Wölfe bei bestimmtem Verhalten als äußerstes Mittel erschossen werden dürfen: Wenn sie immer wieder den Schutz eingezäunter Tiere überwinden, wenn sie die Scheu gegenüber Menschen verlieren oder diese sogar angreifen.

Bisher war das aber noch nicht der Fall und der Wolf steht unter Artenschutz. Nach Angaben des Umweltministeriums gibt es auch nur ein sesshaftes Rudel in Rheinland-Pfalz: das Leuscheider Rudel im Westerwald. Für Markus Dietz zeigen aber schon die Schafsrisse von diesem Jahr, dass der Wolf präsent ist und auch erst mal nicht verschwinden wird.

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