Der Trierer Dom (Foto: SWR)

Nach "Spiegel"-Recherche

Trierer Missbrauchs-Opfer fordern Rücktritte von drei Bischöfen

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Ludger Peters

Ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sorgt für großen Wirbel im Bistum Trier. Darin werfen Missbrauchsopfer der Kirche Verschleppung bei der Aufarbeitung ihrer Fälle vor.

"Unser Religionslehrer hat mich und andere in der Pause im Klassenraum am ganzen Körper befingert. Das war so widerlich und widerwärtig. Während der ganzen Pause lang. Und da gab es kein Entkommen."

Der Fall von Martina Oehms ist einer von vielen, den das Rechercheteam des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" schildert. Ein Priester hat die jungen Schüler nach ihrer Aussage über Jahre missbraucht. Bei Martina Oehms und ihren Mitschülern ging das bereits in der ersten Klasse los. Das war Ende der 1960er Jahre.

Opfer warten auf konkrete Antwort des Bistums

Bis heute bekommt Martina Oehms auf ihre vielen Fragen ans Bistum wenig Antworten. Sie möchte Akteneinsicht und fordert Aufklärung darüber, wie es sein konnte, dass der betroffene Pfarrer trotz ihrer Aussagen nur in eine andere Pfarrei versetzt wurde.

Kirchenrechtler wirft Bischof Verrat am Evangelium vor

Ein Kirchenrechtler aus Münster wirft dem Bistum Trier systematisches Vertuschen vor. Im "Spiegel" sagt er, "das Bistum Trier ist eines der schlimmsten Beispiele mangelhafter Aufarbeitung. Dort sind schwerwiegende Fehler passiert."

Er ist sich sicher, dass der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sein Vorgänger Reinhard Marx und der heutige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nur ihr eigenes Amt schützen wollten.

"Wenn Marx fällt, fallen wahrscheinlich Ackermann und auch Bätzing."

Bischof Ackermann nimmt Stellung zu Bericht

Bischof Ackermann teilte am Freitag schriftlich mit, der detaillierte Bericht zeige einmal mehr, wie bedeutend die Aufarbeitung sei. "Mir ist es wichtig, dass dies intern, aber vor allem auch durch unabhängige Instanzen geschieht." Die Reportage zeige an mehreren Stellen auf, dass Verantwortliche im Bistum nicht angemessen gehandelt und Fehler gemacht hätten, so Ackermann.

Opfer-Initiative fordert Rücktritte von Bischöfen

Die Opferorganisation Missbit fordert unter anderem den Rücktritt von Bischof Ackermann. Ackermann verstecke sich hinter der Missbrauchs-Aufarbeitungskommission des Bistums und trage selbst wenig zur Aufklärung bei. Die Kommission sei mit ihrem Auftrag allerdings völlig überfordert.

Unabhängiges Gutachten zum Missbrauch gefordert

Die Kommission des Bistums Trier zur Aufklärung des Missbrauchs sei nicht unabhängig, wirft Missbit dem Bistum vor. Die Opferinitiative fordert ein Gutachten von einer unabhängigen Stelle.

Trier

Missbrauchs-Skandal im Bistum Trier MissBit: Bischof nimmt es mit zügiger Aufarbeitung nicht ernst

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission will zunächst eine Studie in Auftrag geben, die alle Missbrauchsfälle erfasst. Eine Opferinitiative befürchtet langwieriges Verfahren.

Am Mittag SWR4 Rheinland-Pfalz

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