Blick auf einen Solarpark, im Hintergrund sind Windräder zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, Daniel Bockwoldt)

Abhängigkeit von Russlands Gas und Kohle

Wie die Region Trier nach alternativen Energien sucht

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Der Ukraine-Krieg, die damit einhergehenden Sanktionen und steigende Energiepreise verstärken die Forderungen nach Alternativen zu Putins Gas. In der Region Trier gestaltet sich die Suche und die Nachfrage danach unterschiedlich.

Steigende Energiepreise belasten aktuell die Region Trier und auch ganz Rheinland-Pfalz. Die deutschen Energiereserven sollen zwar zumindest bis zum Sommer gesichert sein. Dennoch werden spätestens seit Russlands Drohung mit einem Gas-Lieferstopp die Rufe nach mehr Unabhängigkeit lauter.

In der Region Trier steigt die Nachfrage nach Alternativen wie Solarenergie oder Biogas zumindest teilweise. Gegner mancher erneuerbarer Energien rücken aber nicht von ihrer Position ab.

Biogas
Solarenergie
Windkraft
Gasheizungen

Biogas

Seit August 2020 gibt es in Bitburg eine Biogas-Aufbereitungsanlage. Nach Angaben des Betreibers wird dort das Biogas von sieben landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region aufbereitet und kann zur Wärme-und Stromversorgung genutzt werden.

"Aus Gülle wird so letztlich Gas zum Heizen", erklärt Betreiber Wolfgang Francois. Die Nachfrage nach dem regionalen Biogas sei wegen des Ukraine-Krieges und der steigenden Preise in den vergangenen Wochen gestiegen.

Wolfgang Francois (rechts, daneben Mitarbeiter Tobias Kessler) betreibt in Bitburg eine Aufbereitungsanlage für Biogas.  (Foto: SWR, Christian Altmayer)
Wolfgang Francois (rechts, daneben Mitarbeiter Tobias Kessler) betreibt in Bitburg eine Aufbereitungsanlage für Biogas. Christian Altmayer

Derzeit versorge die Anlage rund 2.000 Haushalte. In den nächsten Jahren wollen die Stadtwerke Trier nach eigenen Angaben aber zehn Prozent ihrer Kunden mit regionalem Biogas versorgen. Die Aufbereitungsanlage in Bitburg werde dafür zwar bei Weitem nicht reichen, sagt der Betreiber. Allerdings sei es langfristig geplant, weitere Aufbereitungsanlagen zu errichten und mehr Landwirte einzubinden.

Solarenergie

Dass die Nachfrage nach Solardächern steigt, merkt die Eifel Energiegenossenschaft (eegon) nicht erst seit dem Ukraine-Krieg. Die Genossenschaft pachtet Dächer in der Eifel, um dort Photovoltaikanlagen zu betreiben.

Immer mehr Menschen in der Eifel lassen sich laut Eifel Energiegenossenschaft Solaranlagen auf ihre Dächer montieren. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Klaus-Dietmar Gabbert (Symbolbild))
Immer mehr Menschen in der Eifel lassen sich laut Eifel Energiegenossenschaft Solaranlagen auf ihre Dächer montieren. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Klaus-Dietmar Gabbert (Symbolbild)

Schon im vergangenen halben Jahr hätten Privatpersonen vermehrt Interesse daran gezeigt. Eegon führt das auf ein steigendes Bewusstsein für Umwelt und Klima und auch die Juli-Flut in der Eifel zurück. Man wolle regionalen Strom beziehen und sehe wahrscheinlich durch die neue Bundesregierung mehr Möglichkeiten für erneuerbare Energien.

Die WI Energy GmbH aus Trier baut bundesweit Photovoltaikanlagen für Gemeinden. Hier merkt man nach eigener Aussage ganz klar eine größere Nachfrage durch den Ukraine-Krieg. Die Gemeinden hätten diesen Anlagen lange eher negativ gegenüber gestanden. Jetzt merkten sie aber, dass sie beim Strom unabhängiger werden wollen.

Bei WES Green in Föhren hingegen bemerkt man nicht, dass Kommunen direkt wegen des Ukraine-Kriegs die Solarparks stärker nachfragen. Sicher sei aber, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden, um eine unabhängigere Energieversorgung sicherzustellen.

Windkraft

Eine alternative Möglichkeit der Stromerzeugung könnte auch die Windkraft sein. Jahrelange Gegner der Windräder ändern ihre Position dazu aber auch angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht.

Uwe Anhäuser aus Bundenbach, Vorsitzender des "Bündnis Energiewende", sagt, die Stromversorgung aus Windenergie sei zu großen Schwankungen unterlegen und könne deshalb keine Alternative sein.

Mehr Windräder sind für Windkraftgegner keine Lösung, um unabhängig von russischer Energie zu werden. (Foto: dpa Bildfunk, Christophe Gateau)
Mehr Windräder sind für Windkraftgegner keine Lösung, um unabhängig von russischer Energie zu werden. Christophe Gateau

Martin Kleppe, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Sturm im Wald" in der Vulkaneifel, sieht das genauso: "Wenn der Wind nicht geht, wird auch kein Strom erzeugt. Da macht es keinen Unterschied, ob da ein oder hundert Windräder stehen."

Außerdem gebe es in Deutschland keine Stromspeicher für mögliche Überschüsse aus der Windkraft. Der Bau eines Windrades verbrauche Ressourcen und ein Windrad nehme dem nächsten Rad den Wind weg. Kleppe sieht außerdem Tiere gefährdet, wenn Windräder in der Natur aufgestellt werden.

Gasheizungen

Ein Heizungsbauunternehmer aus der Region Trier berichtet dem SWR, dass die Kunden sich jetzt vermehrt erkundigen, womit man alternativ zum Gas heizen kann. Kollegen von ihm hätten berichtet, Kunden hätten Aufträge zum Einbau neuer Gasthermen storniert.

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Außerdem seien Firmen, die Erdbohrungen machen, mitunter lange im Voraus schon ausgebucht. Was Alternativen wie Erdwärme kosten, welche Baumaßnahmen nötig seien und wie lange das dauert, hängt aber vom Einzelfall ab, so der Heizungsbauer.

Baden-Württemberg

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SWR