Klaus Hepp hat viele Jahre das Wintersportzentrum am Erbeskopf geleitet. (Foto: dpa Bildfunk, Klaus Kimmling)

Nach Wintersport-Unfall

Ehemaliger Betriebsleiter Erbeskopf: "Reifen sind super gefährlich"

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Wer mit einem Autoreifen einen Abhang hinunter rodelt, bringt sich und andere in Gefahr. Das sagt Klaus Hepp, ehemaliger Betriebsleiter am Erbeskopf, nach dem Unfall an der Piste.

"Ich habe mal jemandem so einen Reifen zerstochen, weil er weiter auf der Piste damit fahren wollte. Das gab Ärger. Aber ich sah da Gefahr im Verzug."

"Die Leute sind mit den unmöglichsten Geräten den Ski-Hang heruntergefahren", erinnert sich Klaus Hepp. Sogenannte "Rodelreifen" seien aber für den Hang am Erbeskopf nicht geeignet. Es gebe dort keine vernünftige Bahn für solche Reifen. "Die Dinger sind nicht kontrollierbar". Zweimal habe er daher solche Reifen mit einem Messer zerschnitten.

Mit einer Anzeige sei ihm damals sogar gedroht worden, erinnert sich der mittlerweile 73-jährige Hepp. Das sei ihm aber egal gewesen.

Klaus Hepp steht auf der schneelosen Piste am Erbeskopf (Foto: SWR)
"Solche Reifen sind für die Piste am Erbeskopf nicht geeignet. Sie sind nicht kontrollierbar und lassen sich auch nicht bremsen", sagt der ehemalige Betriebsleiter des Erbeskopf, Klaus Hepp.

Keine Kritik an Verantwortlichen

Allerdings ließen sich solche Unfälle wie am Wochenende auf dem Erbeskopf nicht vermeiden, glaubt Hepp. Auch wenn die Betreiber, wie jetzt geplant, noch mehr auf die Gefahren mit Warnschildern und im Internet hinweisen wollten. Man könne auch nicht ständig die Piste von oben bis unten überwachen.

"Selbst wenn sie Warnhinweise machen, haben sie Schwierigkeiten, den einen oder anderen abzuhalten. Wenn der Schnee kommt, schalten einige zum Teil ab."

Sicherheits-Checks vor dem Rodeln

Ein paar Regeln sollte man vor dem Rodeln zur eigenen Sicherheit beachten, rät Klaus Hepp. Egal, ob man auf der Wiese am Ortsrand rodelt oder im Wintersportzentrum Erbeskopf.

Womit kann ich überhaupt eine Piste herunterfahren?
Wie verhalte ich mich auf dem Rodelhang?
Bei welchen Pistenbedingungen sollte ich nicht fahren?

Womit kann ich überhaupt eine Piste herunterfahren?

Alles, was man steuern kann, kann auch zum Rodeln benutzt werden, sagt Hepp. Schlitten, Bobschlitten, Rutschschalen, Skier, Gleitschuhe oder auch ein Snowboard seien in Ordnung. Oberste Priorität sei bei der Auswahl, dass man das Gerät selber steuern und anhalten könne. Das sei die erste Voraussetzung dafür, dass man sich und vor allem andere nicht gefährde.

Reifen oder Schläuche seien hingegen nicht beherrschbar und daher zu gefährlich.

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Wie verhalte ich mich auf dem Rodelhang?

Hier empfiehlt Klaus Hepp, sich so zu verhalten wie im Straßenverkehr. Jeder sollte so rodeln, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder belästigt werde. Auch beim Rodeln empfiehlt Hepp, vorausschauend zu fahren. Also nicht in die Richtung von Menschengruppen zu fahren und möglichst genug Abstand von anderen Rodlern zu halten.

Der Deutsche Alpenverein rät ungeübten Rodlern auch dazu, erstmal langsam anzufangen: "Die Geschwindigkeit kontrollieren und das Fahrgerät - das ist mal das Wichtigste", sagt der Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins, Thomas Bucher, dem SWR.

Bei welchen Pistenbedingungen sollte ich nicht fahren?

Bevor man den Hang hinunterfährt, sollte man sich die Beschaffenheit der Piste genauer anschauen. Gerade wenn der kalte Wind lange über die Schneedecke hinwegstürme, könne es gefährlich werden. Dann sei der Schnee "verharscht", sagt Hepp. Ein knackiger, fester Deckel lege sich dann über die Schneeschicht.

Dabei könne es an solchen Stellen sehr rutschig werden. Der Rodel sei dann schwer zu steuern. Wenn es nachts genieselt habe, bestehe die Gefahr, dass ein schneebedeckter Hang komplett vereist. Dann solle man auf keinen Fall rodeln.

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