Parlamentswahlen in Italien (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Oliver Weiken)

Parlamentswahlen in Italien

Trierer Verein blickt mit Sorge auf Rechtsruck in Italien

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Trier verbindet mit der Stadt Ascoli Piceno in Italien eine jahrelange Freundschaft. Doch der rechte Bürgermeister der italienischen Gemeinde hat den Kontakt abgebrochen. Dabei feiert die Städtepartnerschaft nächstes Jahr ein Jubiläum.

Seit 1958 gibt es den Verein Ascoli Piceno - Trier Gesellschaft e.V.. Seit Juni ist Paquita Morbach Präsidentin des Vereins. Dass die Parlamentswahl in Italien zu einem Rechtsruck in Italien geführt hat, kam für die gebürtige Italienerin nicht überraschend. Es habe sich in den letzten Jahren abgezeichnet, dass die rechten Kräfte immer mehr Zulauf haben.

"Ich erlebe, dass in Italien die Schere zwischen der gut situierten Gesellschaft und den armen Menschen immer weiter auseinander geht."

Dass nun eine extrem rechte Partei an die Macht kommt, macht Morbach wütend. Die steigende Armut und die schlechte finanzielle Lage des Landes habe dazu geführt, dass die Menschen dort das Gefühl haben: "Da kann uns nur jemand helfen, der klare Grenzen setzt."

Stadt Ascoli hat den Kontakt zur Partnerstadt Trier auf Eis gelegt

Der Bürgermeister von Ascoli Piceno - Marco Fioravanti und Mitglied der rechten Partei Fratelli d'Italia - hat die Beziehung zu Trier offenbar auf Eis gelegt. Morbach sagt, sie habe schon mehrfach versucht, den Bürgermeister zu erreichen. Bisher vergeblich.

"Es ist schade, denn die Beziehungen schlafen so ein."

Sie habe die Erfahrung gemacht, dass rechte Parteien keinen Wert auf Diplomatie legen. Das habe viel mit der "Arroganz, die man aus rechtspopulistischen Gesinnungen kennt" zu tun, sagt Morbach. Der Bürgermeister sei sehr populistisch und er habe seine Prioritäten verlegt. Für ihn seien jetzt Themen, die erstmal nichts mit Italien zu tun haben, unwichtig.

Städtepartnerschaft feiert kommendes Jahr Jubiläum

Im kommenden Jahr würde die Städtepartnerschaft zwischen Trier und Ascoli Piceno 65-jähriges Jubiläum feiern. Morbach sagt, sie würde gerne einen Festakt gemeinsam mit der Partnerstadt planen. Doch derzeit funktioniere das aufgrund der fehlenden Kommunikation nicht.

"Ich habe die Befürchtung, dass wir große Mühe haben werden, da wieder anzuknüpfen."

Vor Corona und der Wahl des rechten Bürgermeisters sei das anders gewesen. Noch bis 2019 habe es einen regen Austausch zwischen den beiden Städten gegeben, sagt die Vorsitzende.

Italiens Stand in Europa gefährdet

Für Italien bedeute die Wahl einen Stillstand, ist Morbach überzeugt. Es werde sich nichts weiterentwickeln, bis auf kleine kurzfristige Erfolge, die sie bei den Bürgern erreichen. Sie hofft, dass sich die anderen EU-Staaten von einem rechts geführten Italien distanzieren.

"Für Italien ist das keine gute Prognose."

Wechsel schon bei der nächsten Parlamentswahl in Italien?

Die Menschen würden aber aus solchen Erfahrungen lernen, so Morbach. Sobald die Erfolge der neuen Regierung ausblieben, würden die Italiener sicherlich wieder eine andere Partei wählen.

Die Italiener seien ungeduldige Menschen, sagt Morbach. Veränderungen, die schon mal drei oder vier Jahre dauern könnten, könnten nur schwer abgewartet werden. Denn die Mehrheit der Bevölkerung möchte am Ende, dass es ihnen besser geht.

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