Symbolbild: Ein Mann aus Trier ist bei einer illegalen Haartransplantation vor Schmerzen bewusstlos geworden (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Lino Mirgeler (Symbolbild))

Zwei Schwestern verurteilt

Prozess um illegale Haartransplantation: Mann aus Trier vor Schmerzen bewusstlos

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Ein Mann aus Trier erlitt bei einer illegalen Haartransplantation schwere Verletzungen. Das Amtsgericht Düsseldorf verurteilte zwei Schwestern nun zu Haftstrafen auf Bewährung.

Der 30-jährige Doktorand aus Trier sagte am Montag vor dem Amtsgericht, sein Friseur in Trier habe ihm die Klinik in Düsseldorf für eine Haartransplantation empfohlen. Er habe sich dann deren Webseite angeschaut: "Der Preis ist normalerweise viel teurer, das muss ich zugeben. Aber eine illegale Klinik mitten in Düsseldorf? Das konnte ich mir nicht vorstellen."

Schwestern zu Haft auf Bewährung verurteilt

Die zwei angeklagten 29 und 36 Jahre alte Schwestern wurden noch am selben Tag zu je einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sprach sie wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrugs und Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz schuldig.

Diese zwei Schwestern mussten sich in Düsseldorf vor Gericht wegen illegaler und schmerzhafter Haartransplantationen verantworten. Eines ihrer Opfer kam aus Trier (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Christiansen)
Diese zwei Schwestern mussten sich in Düsseldorf vor Gericht wegen illegaler und schmerzhafter Haartransplantationen verantworten. Eines ihrer Opfer kam aus Trier. picture alliance/dpa | Frank Christiansen

Die Schwestern hatten in der illegalen Klink als angebliche Ärztin und Assistentin die Operationen vorgenommen, obwohl ihnen die Qualifikation dazu fehlte. Auf der Anklagebank schwiegen sie. Ihr Opfer aus Trier schilderte dagegen ausführlich, was ihm in Düsseldorf widerfuhr.

Kein Klinikschild am Haus

Er sei an einem Freitag im vergangenen April zur Behandlung nach Düsseldorf gereist. An der angegebenen Adresse habe er kein Klinikschild gefunden und anrufen müssen. Daraufhin sei er vor dem Haus abgeholt und hineingebracht worden.

Die angebliche Ärztin habe im Vorgespräch auf Englisch gesagt, dass sie aus Istanbul komme. Auf seine Frage, wo sie denn in Istanbul studiert habe, habe er keine Antwort erhalten. Ein Aufklärungsgespräch über Risiken habe es auch nicht gegeben.

Zeuge aus Trier: "Die letzten zwei Stunden waren pure Folter"

Die Operation habe fünf bis sechs Stunden gedauert. "Die letzten zwei Stunden waren pure Folter. Die Schmerzen waren extrem." Er sei schließlich bewusstlos geworden.

"Mit einer Infusion im Arm bin ich wieder aufgewacht", sagte der 30-Jährige weiter aus. Er habe starke Kopfschmerzen und schlimmste Magenschmerzen gehabt und sich ständig erbrechen müssen. Als er am nächsten Tag erneut in die Klinik musste, sei er dort wieder bewusstlos geworden. Sein Freund, der ihn begleitet habe, habe schließlich den Notarzt gerufen.

Räume hätten nicht als Praxis oder Klinik genutzt werden dürfen

Ein 54-jähriger Kaufmann aus Essen sagte vor Gericht aus, sein Unternehmen habe mehrere Räume an die Klinik untervermietet. "Das lief über Istanbul. Es gab leider keinen schriftlichen Mietvertrag. Wegen Corona konnten die nicht hierher kommen."

Die Räume hätten gar nicht als Arztpraxis oder Klinik genutzt werden dürfen: "Dort sollten nur die Vorgespräche stattfinden. Die Kunden sollten dann in die Klinik in die Türkei geschickt werden."

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