Die Aral-Tankstelle in der Hauptstraße in Idar-Oberstein. Hier wurde der 20-jährige Alex W. im September 2021 erschossen, weil er als Verkäufer einen Kunden auf die geltende Maskenpflicht hingewiesen hatte.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Foto Hosser | Christian Schulz)

Prozess in Bad Kreuznach

Das wissen wir über den mutmaßlichen Tankstellenmord in Idar-Oberstein

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Alex W. wurde in Idar-Oberstein in einer Tankstelle erschossen, weil er einen Mann auf die geltende Maskenpflicht hingewiesen haben soll. Das ist über den "Tankstellenmord" bekannt.

In Idar-Oberstein wurde am 18. September 2021 ein junger Tankstellenmitarbeiter bei seiner Arbeit erschossen. Die Tat löste bundesweit Bestürzung aus, da der Grund für die Tat eine Diskussion um die in den Corona-Regeln vorgegebene Maskenpflicht gewesen sein soll. Das wissen wir zu Tat, Täter, Opfer und Prozess:

Das ist laut Staatsanwaltschaft zum Tathergang bekannt

Am 18.9.2021 wollte der Angeklagte um 19:48 Uhr Bier in der Aral-Tankstelle in der Hauptstraße in Idar-Oberstein kaufen. Dabei soll er im Verkaufsraum keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen haben, obwohl diese aufgrund der Corona-Regeln vorgeschrieben war. An der Kasse soll der 20 Jahre alte Tankstellenmitarbeiter Alex W. den damals 49-Jährigen auf die Maskenpflicht hingewiesen haben. Nach einer kurzen Diskussion soll der Mitarbeiter den Verkauf des Bieres an den Angeklagten verweigert haben, woraufhin der Angeklagte die Tankstelle verlassen haben soll.

Der Mann soll sich danach zu Hause so über die Situation geärgert haben, dass er zu dem Schluss gekommen sei, dass er diese nicht auf sich beruhen lasse könne. Weil der Angeklagte sich seit langem durch die Corona-Beschränkungen belastet gefühlt haben soll, wollte er Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann zufolge ein Zeichen setzen. Den Tankstellenmitarbeiter soll er als mitverantwortlich für die Gesamtsituation angesehen haben, weil dieser die Corona-Regelungen durchsetzen wollte.

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Der Angeklagte fuhr laut Staatsanwaltschaft mit einem geladenen Revolver zurück zur Aral-Tankstelle. Um 21:19 Uhr soll der Angeklagte erneut den Verkaufsraum betreten haben und mit einem Sixpack Bier zur Kasse gegangen sein. Als er an der Reihe gewesen sei, soll er die bis zu diesem Zeitpunkt von ihm noch getragene Maske herunter gezogen haben, um eine Reaktion des 20-jährigen Tankstellenmitarbeiters zu provozieren.

Der Tankstellenmitarbeiter soll den Angeklagten aufgefordert haben, die Maske hochzuziehen. Der Angeklagte soll daraufhin den Revolver aus seiner Hosentasche gezogen, diesen auf den 20-jährigen Tankstellenmitarbeiter gerichtet ihm aus kurzer Distanz mit dem Revolver in Tötungsabsicht in das Gesicht geschossen haben. Der 20-Jährige soll infolge des Kopfschusses zu Boden gefallen und vor Ort sofort gestorben sein.

Prozess: Das wissen wir über den mutmaßlichen Täter

Angeklagt ist der 50-jährige Mario N. Der Softwareentwickler ist nicht vorbestraft und sitzt derzeit in der JVA Rohrbach (Landkreis Alzey-Worms) in Untersuchungshaft. Der Mann soll sich seit langem durch die Corona-Beschränkungen belastet gefühlt haben. Laut Staatsanwaltschaft besaß er unerlaubt zwei Schusswaffen.

Nach gemeinsamen Recherchen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und des auf Verschwörungsmythen spezialisierten Thinktanks CeMAS hatte der mutmaßliche Schütze bereits vor zwei Jahren auf einem Twitter-Profil nebulöse Gewaltfantasien geäußert.

Das ist zur Tatwaffe bekannt

Der Angeklagte soll im Zeitraum von 2014 bis zum Tattag im September 2021 in seinem Haus in Idar-Oberstein zwei Waffen besessen haben. Dafür hatte er laut Staatsanwaltschaft nicht die hierfür erforderliche waffenrechtliche Erlaubnis. Bei den Waffen handelt es sich um einen Revolver der Firma Smith & Wesson (Modell 686, Kaliber 357 Magnum) sowie eine Pistole Ceska 1945 (Kaliber 6,35 mm Browning).

Bei der Tatwaffe handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um den Revolver. Sie war mit mehreren Patronen geladen, der Angeklagte soll einen Schuss abgegeben haben. Die Waffen könnten aus dem Nachlass seines verstorbenen Vaters stammen.

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Was wir über das Opfer Alex W. wissen

Bei dem Opfer handelte es sich um den 20-Jährigen Alex W. Der Schüler hatte in Idar-Oberstein in einer Tankstelle gearbeitet.

Bei einer bewegenden Trauerfeier hatten Anfang Oktober rund 400 Menschen in Idar-Oberstein Abschied von Alex W. genommen. Dort sagte seine Mutter: "Alex war ein lebenslustiger, hilfsbereiter, intelligenter, charmanter, charismatischer sowie chaotisch und verrückter, aber vor allem ein liebevoller und lustiger junger Mann." Sie bat darum, ihn so in Erinnerung zu behalten und "nicht als den Jungen, der an der Tankstelle erschossen worden ist".


So läuft der Prozess zum mutmaßlichen Tankstellenmord in Idar-Oberstein

Der Prozess zum sogenannten Tankstellenmord beginnt am 21. März 2022 um 9 Uhr morgens am Landgericht Bad-Kreuznach - also 184 Tage nach der Tat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 50-jährigen Angeklagten Mord vor, weil "die Tötung heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen erfolgte". Dazu kommen waffenrechtliche Vergehen, da der Mann unerlaubt Waffen besessen und geführt haben soll. Es sind zunächst 13 Verhandlungstage bis zum 13. Mai angesetzt.

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