Angeklagter im Raserprozess setzt sich auf Anklagebank im Landgericht Trier. (Foto: SWR)

Landgericht Trier

Schwerer Unfall durch Raser: Hauptangeklagter entschuldigt sich

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Bei einem vermutlich illegalen Autorennen in Trier wurde ein Fußgänger schwer verletzt. Im Prozess hat sich der Hauptangeklagte jetzt zur Tat geäußert.

Der 21-Jährige Angeklagte hat über seinen Anwalt ein Statement verlesen lassen. Nach Angaben des Verteidigers hat der Angeklagte die Erklärung selber verfasst.

Darin spricht er von einem schrecklichen Unfall, und dass ihm alles unfassbar leid tue. Er habe viele Fehler gemacht. Er habe dem Opfer sogar später 3.000 Euro an Schmerzensgeld angeboten. Er wisse, dass er den Unfall nicht rückgängig machen könne, aber er bereue die Tat.

Staatsanwalt wirft Angeklagten Rücksichtslosigkeit vor

Der erste Verhandlungstag vergangene Woche war nach nur zehn Minuten zuende. Es wurde lediglich die Anklage verlesen. Der 22-Jährige habe mit seinem "rücksichtslosen Streben nach höchstmöglicher Geschwindigkeit zumindest billigend in Kauf genommen, bei einer Kollision mit einem Menschen diesen tödlich zu verletzen", sagte Oberstaatsanwalt Eric Samel.

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Oberstaatsanwalt: Angeklagter habe sich "angestachelt gefühlt"

Der junge Mann habe sich von einem befreundeten Fahrer in einem anderen Auto "angestachelt gefühlt", als dieser beim Ampelstart und der Durchfahrt einer Unterführung mehrere kurze Beschleunigungs- und Bremsmanöver mit aufheulendem Motor gemacht habe. Er habe den Freund überholt und dann Gas gegeben, sodass er an einer Stelle eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 115 Stundenkilometer erreichte, sagte Samel.

Im Zuschauerraum des größten Trierer Gerichtssaals füllte die Verwandtschaft der beiden Angeklagten alle Zuschauerplätze. Die Familie des Hauptangeklagten war aus Polen angereist. Der Anwalt des Mitangeklagten sagte, er habe Interesse daran, mit der Richterin ein Gespräch über eine sogenannte "Verständigung" zu führen.

Opfer wurde lebensgefährlich verletzt

Am Abend des 31. Juli 2021 gegen 21.15 Uhr soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft der 21-jährige Hauptangeklagte mit seinem Auto in der Trierer Ostallee mit zu hoher Geschwindigkeit einen Fußgänger erfasst haben, als dieser die Straße überquerte. Der Mann kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus.

Tatvorwurf: Versuchter Totschlag und illegales Autorennen

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Anklage den Tatvorwurf des versuchten Totschlags erhoben. Zudem wirft sie dem Angeklagten vor, bei einem "verbotenen Kraftfahrzeug-Rennen" mitgemacht zu haben. Auch den Tatbestand der Unfallflucht sieht die Anklage als erwiesen an.

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Helfer des Tatverdächtigen mitangeklagt

Einem 22-Jährigen wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dem Hauptangeklagten nach dem Unfall geholfen zu haben, das Tatfahrzeug zu verstecken. Der Mann wurde von der Trierer Staatsanwaltschaft wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt.

Nach dem Unfall hätten beide Angeklagten den Unfallort verlassen, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Das Tatfahrzeug wurde einen Tag nach dem Unfall von der Polizei in dem Versteck in Trier gefunden.

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Der Fahrer des Tatautos war vermutlich aus Angst vor Strafverfolgung untergetaucht. Er wurde fast zwei Monate nach dem Unfall in Berlin festgenommen. Zuvor war nach dem Mann international gefahndet worden. Den mutmaßlichen zweiten Fahrer und Komplizen hatte die Staatsanwaltschaft Trier zuvor ermittelt.

Anwalt hält Tat-Vorwürfe für überzogen

Der Verteidiger des 21-jährigen Hauptangeklagten, Otmar Schaffarczyk, hält den Vorwurf des versuchten Totschlags für nicht angebracht. Das sagte er dem SWR. Er sehe in dem Fall den Tatbestand einer gefährlichen Körperverletzung erfüllt. Seiner Ansicht nach gibt es entgegen der Anklage auch keinen Hinweis darauf, dass sich der 21-jährige Unfallverursacher und der 22-jährige Mitangeklagte ein Rennen durch die Stadt geliefert hätten.

Der Prozess am Landgericht Trier soll bis Ende Juni andauern. Der Hauptangeklagte sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

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