Drei Männer von der Mosel müssen sich bald vor dem Landgericht Koblenz verantworten. Sie sollen eine kriminelle Vereinigung gegründet haben.

Koblenzer Gericht eröffnet Verfahren

Mit Waffen gegen die Corona-Regeln: Drei Männer von der Mosel bald vor Gericht

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

Sie sollen eine bewaffnete Gruppe gebildet haben, um Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen zu leisten. Deswegen stehen drei Männer von der Mosel bald vor dem Landgericht Koblenz.

Das Landgericht Koblenz hat die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft gegen drei Männer aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich zugelassen. Der Prozess gegen die Gruppe, die sich selbst "Paladine" nannte, soll im Juni vor der Staatsschutzkammer beginnen.

Die Vorwürfe gegen die Männer sind schon seit vergangenem Jahr bekannt. Die Gegner der Corona-Maßnahmen sollen sich unerlaubt Waffen beschafft haben, um Widerstand gegen den Staat zu leisten. Die Ankläger sprechen von einer kriminellen Vereinigung.

Angeklagte sollen sich während Pandemie radikalisiert haben

Als mutmaßlicher Rädelsführer der Gruppe gilt ein 39-jähriger Physiotherapeut von der Mosel. Er soll seinen Job verloren haben, weil er keinen Mundschutz tragen wollte. Laut Anklage soll er sich dann im Zuge der Pandemie weiter radikalisiert haben.

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So erzählt T. es auch in einem Interview mit dem ARD-Investigativformat STRG_F. Angesichts der Maskenpflicht und der Impfungen habe er sich um die Grundrechte in Deutschland gesorgt. Er habe Angst gehabt, dass die Regierung das Virus nutzt, um die Republik in eine Diktatur zu verwandeln.

Verurteilt wegen Waffen aus dem 3D-Drucker

Laut Generalstaatsanwaltschaft wähnten er und seine beiden Mitstreiter - zwei Männer im Alter von 57 und 63 Jahren - sich dagegen im Widerstand. T. stellte unter anderem in einem 3D-Drucker Schusswaffen her, wofür das Schöffengericht Wittlich ihn bereits 2022 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hat.

Eine Kunststoff-Pistole aus einem 3D-Drucker. Ein Mann aus Wittlich hat ebenfalls ähnliche Waffen selbst hergestellt und eine Waffe aus den gedruckten Teilen zusammengebaut.
Eine Kunststoff-Pistole aus einem 3D-Drucker. Ein Mann von der Mosel hat ähnliche Waffen selbst hergestellt.

Die aktuelle Anklage vor der Staatsschutzkammer wiegt schwerer. Die Bildung einer bewaffneten Gruppe und einer kriminellen Vereinigung können mit mehrjähriger Haft bestraft werden.

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Hauptangeklagter setzte sich nach Portugal ab

Die Ermittlungen hatten unmittelbar nach dem Wittlicher Urteil begonnen. Allerdings setzte sich der Hauptangeklagte nach Portugal ab, wo er erst im November vergangenen Jahres von der dortigen Polizei verhaftet wurde. Inzwischen sitzt er in Deutschland in Untersuchungshaft, die beiden anderen Männer sind auf freiem Fuß.

Für das Verfahren sind 17 Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil könnte demnach im November gefällt werden.

Zusammenhang mit anderem Verfahren?

Schon ein paar Monate früher könnte ein anderes Verfahren in Koblenz zu Ende gehen, das einen ganz ähnlichen Hintergrund hat.

Ebenfalls vor der Staatsschutzkammer wird derzeit gegen einen weiteren 52-Jährigen aus der Region Trier wegen der Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung verhandelt. Der Mann aus dem Hochwald wollte nach eigenen Angaben auch gegen die Corona-Maßnahmen vorgehen. So sei er online in Kontakt mit einer mutmaßlichen Terrorgruppe, den "Vereinten Patrioten", geraten. Ob die Fälle in Zusammenhang stehen, ist nicht bekannt.

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