Der Angeklagte beim Prozess zur Amokfahrt am Landgericht Trier (Foto: SWR)

Amokprozess in Trier

Chef der Mordkommission: "Täter hat geplant gehandelt"

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Im Prozess um die tödliche Amokfahrt in der Trierer Fußgängerzone sagte am Morgen der Leiter Mordkommision als Zeuge aus. Er hatte den Angeklagten nach der Tat über mehrere Stunden vernommen.

Christian Soulier ist der Leiter des Kommissariats für Kapitaldelikte bei der Kripo Trier. Der Kriminalbeamte war auch Chef der 50-köpfigen Sonderkommission "Fußgängerzone", die nach der Amokfahrt eingerichtet wurde.

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Soulier hatte den Angeklagten am 8. Dezember vernommen. Die Vernehmung hätte mehr als drei Stunden gedauert, so der Kriminalist. Sie sei schwierig gewesen, da der Angeklagte in seinen Ausführungen sprunghaft gewesen sei.

Amokfahrt durch Trier wurde vom Angeklagten geplant

Soulier zeigte sich in seiner Aussage davon überzeugt, dass der mutmaßliche Täter nicht im Affekt, sondern geplant gehandelt hat. So habe der Angeklagte zum Beispiel vor der Tat bei seinem Arbeitgeber gekündigt und die Arbeitskleidung zurückgegeben. Völlig überraschend für den Arbeitgeber, so Soulier.

Vor Gericht bezeichnete der Kriminalbeamte den Angeklagten als Egoisten. So habe er, als ihm Fotos von den Opfern und Bilder aus den Überwachungskameras vorgelegt wurden, kein Bedauern gezeigt.

"Null Reaktion, null Empathie, keine Entschuldigung. Nicht ansatzweise Mitgefühl."

In den vergangenen Sitzungen hatten bereits mehrere Polizisten zur Festnahme und der Vernehmung des mutmaßlichen Täters ausgesagt.

Angeklagter ist nicht vorbestraft

Dabei ging es unter anderem um die Person des Angeklagten. So sagten unter anderem Polizeibeamte aus, die damit beauftragt waren, mehr über die Person und das Leben des Angeklagten herauszufinden.

Amokfahrt-Prozess in Trier: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor, (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor, Picture Alliance

Den Aussagen zufolge war er bis vor der Tat strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Vermerke über ihn seien nur im Fall eines vermeintlichen Falschparkens sowie in einem Fall von Beleidigung aufgetaucht.

Fast 21.000 Euro Schulden bei Krankenkassen

Seine letzte Wohnanschrift sei das Benedict-Labre Haus in Trier gewesen. Dort sei ihm aber bereits 2015 wegen Streitigkeiten Hausverbot erteilt worden, sagte einer der Polizeibeamten.

Bei zwei Krankenkassen habe er zudem Beitragsrückstände von fast 21.000 Euro gehabt. Bis Mitte April 2020 sei er in einer Elektrofirma in Igel angestellt gewesen. Das Arbeitsverhältnis sei aber auf Wunsch des Angeklagten aufgelöst worden.

Polizist: "Angeklagter fühlte sich gedemütigt"

Ein anderer Polizist sagte über die Vernehmung des mutmaßlichen Amokfahrers aus. Der Angeklagte sagte demnach bei den ersten Verhören, er habe als Kind an einer "Versuchsreihe mit radioaktiven Spritzen" teilgenommen.

Das ihm dafür zustehende Geld von 350.000 bis 500.000 Euro sei ihm unterschlagen worden. Von einem Trierer Notar habe er das Geld eingefordert und sei abgewimmelt worden. Auch die Polizei habe ihm nicht helfen wollen. Das habe ihn wütend gemacht. Er habe sich gedemütigt gefühlt.

Zum Tattag und zur Tat sagte der mutmaßliche Amokfahrer der Polizei zufolge, er sei in die Stadt gefahren, um etwas zu erledigen und um zu versuchen, an sein Geld zu kommen. Er bestritt die Aussagen von Bekannten, dass er die Tat angekündigt habe.

Angeblicher "Filmriss" zur Tatzeit

Was die Amokfahrt selbst anging, machte er bei ersten Verhören einen "totalen Filmriss" geltend, so der Polizist. Und zwar von dem Moment an, als er in die Fußgängerzone eingebogen war bis zu seiner Festnahme. Er habe allerdings immer wieder "von dumpfen Aufschlägen, die er wahrgenommen hat", gesprochen.

Anschließend stellte er die Amokfahrt wie eine Verkettung von Unfällen dar, die durch eine Panikreaktion ausgelöst worden sei. Er habe gesagt: "Ich hasse mich für den Scheiß, den ich gemacht habe."

Aussagen später widerrufen

In der JVA habe sich sein Verhalten dann geändert, so der Polizist. Er habe alle Aussagen widerrufen. "Er war sehr guter Dinge und zum Scherzen aufgelegt und meinte, er sage nichts mehr und wolle erstmal gucken, was man ihm beweisen kann." Es gebe ja gar keine Fotos oder Videos, die beweisen, dass er der Amokfahrer sei, so der Polizist.

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Polizeibeamter: Angeklagter hat gegrinst

Zur Festnahme des mutmaßlichen Amokfahrers hatten sich bereits am zweiten Verhandlungstag Anfang September Polizisten geäußert. Einer der Polizisten, die am Tag der Amokfahrt bei der Festnahme vor Ort waren, sagte vor Gericht, er habe den Eindruck gehabt, dass ihn der Angeklagte damals stoisch und leicht grinsend anschaute.

Ein zweiter Polizist erklärte, das gelassene Verhalten des Angeklagten habe ihn damals stutzig gemacht.

Mann leistete bei Festnahme keinen Widerstand

Beamte sagten außerdem aus, der Angeklagte habe auf die wiederholte Anweisung der Polizisten, die Hände hoch zu heben und sich auf den Boden zu legen, nicht reagiert.

Mit einer bestimmten Polizeitechnik - dem sogenannten Armstreckhebel - habe man ihn zu Boden gebracht. Gewehrt habe er sich nicht. Bei dieser ganzen Prozedur habe er allerdings gesagt, dass man ihm weh getan habe.

Zeuge identifizierte den Angeklagten

Ein Zeuge berichtete vor Gericht davon, dass der Mann, der aus dem Auto gestiegen sei, sehr gelassen am Heck des Autos geraucht habe, und als ein schwarzer Kombi der Zivilstreife erst vorbeigefahren sei, habe der Mann dem Wagen genauso gelassen, lediglich mit einem Stirnrunzeln, hinterher geschaut.

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"Der stand da, als habe er mehr oder weniger auf seine Verhaftung gewartet."Einen anderen Zeugen soll der Angeklagte aufgefordert haben, "ruhig mal ein Video zu machen." Dieser Zeuge sagte aus, er habe Blut, Haare und eine Handtasche an dem Auto des Angeklagten gesehen.

Ein Zeuge identifizierte den Angeklagten am vierten Verhandlungstag. "Der Mann ist ja heute auch hier", sagte der junge Mann bei seiner Aussage und zeigte auf Nachfrage des Gerichts auf den Angeklagten.

26 Verhandlungstage angesetzt

Oberstaatsanwalt Eric Samel geht davon aus, dass der Prozess mindestens die ursprünglich angesetzten Verhandlungstage dauern wird. Das liege vor allem an den zahlreichen Zeugen und dem vielen Beweismaterial. Dem Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor.

Der Angeklagte - ein 52jähriger Mann aus dem Trierer Stadtteil Zewen - soll am 1. Dezember vergangenen Jahres mit einem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein. Dabei soll er das Auto gezielt als Waffe eingesetzt haben, um so viele Menschen wie möglich zu töten oder zu verletzen, so die Staatsanwaltschaft.

Sechs Menschen ums Leben gekommen

Ein neun Wochen altes Mädchen, sein 45-jähriger Vater, eine 25-jährige Studentin, eine 52-jährige Lehrerin und eine 73-jährige Rentnerin kamen bei der Amokfahrt ums Leben.

Nachdem im Oktober dieses Jahres, rund elf Monate nach der Amokfahrt, einer der Nebenkläger, ein 77-Jähriger Mann, verstorben war, hat das Gericht dessen Tochter als Nebenklägerin zugelassen. Der Mann hatte bei der Amokfahrt seine Frau verloren und selbst zunächst schwer verletzt überlebt.

Obduktion soll Todesursache eines Opfers klären

Eine Obduktion der Leiche des 77-Jährigen hat laut Staatsanwaltschaft vorläufig ergeben, dass der Tod auf eine innere Ursache zurückzuführen ist. Genaueres könne erst mitgeteilt werden, wenn das endgültige Obduktionsgutachten vorliege.

Zur Klärung der Frage, ob ein Ursachenzusammenhang mit den bei der Amokfahrt erlittenen schweren Verletzungen besteht, ist ein ergänzendes rechtsmedizinisches Gutachten erforderlich, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Über die Einholung eines solchen Gutachtens entscheide das Gericht im laufenden Prozess.

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