Der mutmaßliche Amokfahrer von Trier war am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen fast einen Kilometer durch die Fußgängerzone gerast. (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Weitere Zeugen sagen im Prozess aus

Opfer der Trierer Amokfahrt: "Es ging alles so furchtbar schnell"

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Im Prozess um die Trierer Amokfahrt vor gut einem Jahr haben heute weitere Opfer und Augenzeugen über das Erlebte und die Folgen berichtet.

Sie schilderten, wie das Auto mit hohem Tempo direkt auf sie zufuhr. "Der kam einfach auf mich zu. Es ging alles so furchtbar schnell", sagte eine 70-jährige Zeugin vor dem Landgericht Trier. Sie habe versucht, sich in Richtung Häuserfassade zu retten - da habe er ihr Bein erfasst.

"Ich habe geschrien, aber er fuhr einfach weiter. Alles was kam, flog durch die Luft. Ich kam mir vor wie bei einer Treibjagd."

Augenzeugen leiden unter psychischen Folgen

Der mutmaßliche Amokfahrer steuerte die Frau als eine der ersten gezielt an. Auch wenn sie körperlich weitgehend geheilt sei, leide sie stark unter psychischen Folgen. "Ich war bis heute gar nicht mehr in der Innenstadt", berichtete sie.

Sie habe Angst vor schnell fahrenden Autos, wache oft nachts schreiend auf. "Ich sehe immer wieder, wie sich die Reifen auf mich zu bewegen." Die Frage nach dem Warum lasse sie nicht los. "Warum sagen Sie denn nichts?", sagte sie zu dem Angeklagten im Gerichtssaal.

Manche Zeugen haben keine Erinnerungen mehr an die Amokfahrt

Eine 64-Jährige, die vom Wagen des Amokfahrers erfasst wurde, sagte, sie bekomme heute noch Herzrasen, wenn an ihr als Fußgängerin ein Auto vorbeifahre. Sie haben Monate danach kein Auto fahren können, weil sie Panikattacken bekommen habe, wenn ihr Autos entgegenkamen.

Die Frau war bei der Tat schwerst verletzt worden. An das schreckliche Ereignis könne sie sich nicht mehr erinnern. "Da ist eine Lücke." Der Amokfahrer sei mit hoher Geschwindigkeit in die Fußgängerzone eingebogen, berichtete ein 67-Jähriger.

Er habe gesehen, wie eine Frau von dem Wagen erfasst und durch die Luft geschleudert worden sei. Dann sei das Fahrzeug in einem Meter Abstand an ihm vorbei gerauscht.

"Dann habe ich nur noch gehört 'plopp', 'plopp', 'plopp', als Personen oder Gegenstände erfasst wurden."

Angeklagter schweigt bislang vor Gericht

Seit dem 19. August steht der 52-jährige mutmaßliche Amokfahrer vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Bislang hat sich der Angeklage im Prozess nicht geäußert. Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Angeklagte an einer Psychose.

Der mutmaßliche Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen fast einen Kilometer durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Bei der Tat starben fünf Menschen, zahlreiche weitere wurden verletzt.

Im Oktober war zudem ein 77-Jähriger gestorben, der bei der Tat schwer verletzt worden war. Ob die erlittenen Verletzungen todesursächlich waren, muss noch abschließend geklärt werden.

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