Der Hauptmarkt in Trier am Tag der Amokfahrt (Foto: SWR)

Polizisten sagen im Prozess vor dem Landgericht Trier aus

Wie neue Kriminaltechnik bei der Spurensuche zur Trierer Amokfahrt hilft

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Im Prozess um die Trierer Amokfahrt haben am Dienstag Ermittler und Kriminaltechniker ausgesagt. Bei der Spurensicherung haben sie neue digitale Methoden eingesetzt.

Nach der Amokfahrt wurde die ganze Trierer Innenstadt als Tatort abgesperrt. Für die Ermittler war es eine Herkulesaufgabe, alle Spuren zu sichern. 10.000 Quadratmeter Fläche, eine Länge von 850 Metern von der Konstantinstraße bis zur Porta Nigra.

Ein Ermittler, der vor Gericht als Zeuge aussagt, berichtet, welche neuen Methoden genutzt wurden. Der ganze Hauptmarkt wurde in Zonen zur Spurensicherung eingeteilt.

Mit Drohnen wurden aus der Luft Aufnahmen gemacht - es ging darum, wo Menschen angefahren wurden, wo sie danach am Boden lagen, welche Gegenstände und Autoteile sichergestellt wurden. Gleichzeitig machte die Kriminalpolizei am Boden hunderte Fotos.

Landkarte eines Verbrechens

Einer der Ermittler hat einen etwa zwei Meter mal ein Meter großen Papierausdruck mitgebracht, den die Richterin vor sich ausbreitet. Es ist eine Art Landkarte der Trierer Innenstadt, auf der die Ermittler jedes Detail der Spurensuche markiert haben.

Einer der Kriminaltechniker, der als Zeuge im Gericht aussagt, hat diese Landkarte erstellt, zusammen mit Fotos und Luftaufnahmen vom Tatort Trierer Innenstadt. Er schildert vor Gericht, was er unmittelbar nach der Amokfahrt gesehen hat und wie jedes Detail der Spurensicherung aufgenommen wurde.

Rot markiert sind die Stellen, an denen Menschen von dem Geländewagen angefahren wurden und die Stellen, an denen sie danach am Boden lagen. Teilweise liegen bis zu 40 Meter dazwischen.

Digitalisierung der Spurensicherung

Den Ermittlern geht es darum, möglichst genau den Ablauf der Amokfahrt zu rekonstruieren. Mit einem speziellen neuen System der digitalen Datenverarbeitung des Landeskriminalamtes wurden alle Luftbilder von Drohnen, dazu hunderte Fotos, ergänzt von Videos der Überwachungskameras von Geschäften und Handyvideos von Augenzeugen in diesem Programm zusammengebracht.

Es entsteht dann ein dreidimensionales und ein zweidimensionales Modell der Trierer Innenstadt, mit dem man sekundengenau den Verlauf der Amokfahrt darstellen kann, sagte einer der Ermittler vor Gericht.

Teilweise sei auf den Videos der Überwachungskameras von Geschäften zu sehen, mit welchem Tempo und wann genau der Geländewagen vorbeiraste. Vor Ort wurden neben Gegenständen, die den Opfern gehörten, auch Teile des Fahrzeugs sichergestellt.

Spurensicherung am Tatfahrzeug

Überall in der Innenstadt hat der Geländewagen Teile verloren. Wie Ermittler vor Gericht aussagten, waren es unter anderem Teile der Seitenspiegel und Scheinwerfer, ein Kennzeichen.

Das Fahrzeug mit dem der Täter durch die Fußgängerzone in Trier gefahren ist (Foto: SWR)
Das Fahrzeug des mutmaßlichen Täters, mit dem er durch die Innenstadt gerast ist.

Nach der Amokfahrt wurde das Tatfahrzeug zunächst direkt in der Christophstraße untersucht. An einem Loch im Scheinwerfer hätten Haarbüschel von Opfern der Amokfahrt geklebt, die Handtasche mit Papieren eines der Todesopfer habe noch an einem Seitenspiegel gehangen.

Da man befürchtete, im Auto könne Sprengstoff deponiert sein, wurde es auch vom Entschärfungsdienst des Landeskriminalamtes mit einem Sprengstoffspürhund untersucht. Sprengstoff sei nicht gefunden worden, aber in einer Plastiktüte eine Pappschachtel mit 38 Schuss Munition. Es sei Übungsmunition der Bundeswehr gewesen, in der Originalverpackung, sagte der Ermittler.

Das Auto sei wie eine Müllhalde vollgestopft gewesen mit Kleidern und Pappkartons. Am Boden des Beifahrersitzes hätten Verpackungen einer Fastfoodkette gelegen, zusammen mit einer Quittung. Um 13:22 Uhr hätte der Angeklagte sich in den Moselauen noch einen Hamburger gekauft.

Mehr als 40 Spuren am Tatfahrzeug

Das Bundeskriminalamt untersuchte den Geländewagen mit einer speziellen Bedampfungsmethode. So kamen neben den mit bloßem Auge sichtbaren Spuren noch viele weitere zutage, allein 41 Haar- und Faserspuren wurden festgestellt.

Im Gericht wird ein Foto des Wagens mit den rot markierten Stellen der Spurensuche auf Großbildleinwand gezeigt. Auch die Technik des Wagens wurde von Spezialisten ausgewertet, brachte jedoch keine Erkenntnisse zum Tatablauf oder dem gefahrenen Tempo für die Ermittler.

Der Fahrersitz sei für eine sehr große Person von mehr als 1 Meter 85 eingestellt gewesen, sagte einer der Polizeibeamten vor Gericht. Teile der Ermittlungsergebnisse, vor allem die digitale Analyse der gesicherten Spuren in der Innenstadt sollen möglicherweise an einem der kommenden Verhandlungstage per Videostream im Gericht präsentiert werden. Am Mittwoch sollen weitere Polizisten als Zeugen vor dem Landgericht Trier aussagen.

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