An einer Idar-Obersteiner Schule soll es zu Cybermobbing gekommen sein. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Lehrer sollen beleidigt und bedroht worden sein

Wegen Hassnachrichten im Netz: Polizei ermittelt gegen Schüler aus Idar-Oberstein

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Maximilian Storr

Auf einer Schule in Idar-Oberstein sollen zwei Schüler ihre Lehrer im Internet beleidigt und bedroht haben. Dem SWR liegen Auszüge dieser Tweets vor. Die Polizei ermittelt.

Es gibt wohl kaum einen Schüler, der noch nie über seine Lehrerin oder seinen Lehrer geflucht oder geschimpft hat. Was Schüler einer Idar-Obersteiner Schule aber zu Beginn dieses Jahres auf dem Sozialen Netzwerk "Twitter" gepostet haben sollen, hat eine ganz andere Qualität.

Dem SWR liegen Auszüge der Twitter-Nachrichten vor. Die Schüler haben offenbar Fotos einiger Lehrer auf der Plattform veröffentlicht. Außerdem sollen sie die Lehrer wüst beschimpft und bedroht haben.

Rassistische und sexistische Inhalte, abscheuliche Fantasien

"Ich f**** dich du dummer B**tard", ist dabei noch eine harmlosere Variante. Die SWR-Redaktion hat sich dagegen entschieden, weitere Inhalte zu veröffentlichen, da wir es im Sinne der Leserinnen, Leser und Opfer für nicht zumutbar halten.

Doch so viel sei gesagt: Die Nachrichten enthalten unter anderem rassistische, homophobe und sexistische Inhalte sowie teilweise abscheuliche Fantasien.

Die Polizeiinspektion in Idar-Oberstein ermittelt gegen zwei Schüler, die im Internet beleidigt und bedroht haben sollen. (Foto: SWR)
Die Polizeiinspektion in Idar-Oberstein ermittelt gegen zwei Schüler, die im Internet beleidigt und bedroht haben sollen.

Polizei ermittelt gegen Schüler

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Trier bestätigt auf SWR-Anfrage, dass die Polizei Idar-Oberstein gegen zwei Schüler einer weiterführenden Schule wegen Beleidigung, Bedrohung und Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz (Recht am eigenen Bild) im Internet ermittelt.

Die Vorfälle hätten sich im Februar und März 2022 ereignet. Bekannt geworden seien sie Mitte August.

Insgesamt sieben Geschädigte

Die Schüler sind nach Angaben der Polizei Jugendliche, nach SWR-Informationen besuchen Sie die Oberstufe.

Von den Beleidigungen oder Bedrohungen sind nach Polizeiangaben insgesamt sieben Personen betroffen. Ob neben Lehrern auch Schüler oder andere Personen zu den Geschädigten zählen, ist unklar.

Keine Statistik zu Cybermobbing gegen Lehrer

Unklar ist auch, wie häufig solche Taten an Schulen in der Region Trier vorkommen. Cybermobbing wird im Polizeipräsidium Trier nach eigenen Angaben nicht als gesonderte Straftat erfasst. Wie häufig Lehrerinnen und Lehrer oder auch Schüler Opfer von Hassnachrichten werden, lässt sich also nur vermuten.

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Schulleitung will sich nicht äußern

Das Land Rheinland-Pfalz kann zu solchen Fällen ebenfalls keine konkreten Angaben machen. Nach Angaben der für die Schulaufsicht zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) wisse man nicht, ob Cybermobbing zunimmt.

"In der Regel werden diese Art von Konfliktfällen bereits schulintern zu einer Lösung geführt."

Auch der Schulleiter sagte dem SWR, dass es sich um eine "schulinterne" Angelegenheit handele und er an die Schweigepflicht gebunden sei. Eine Stellungnahme wollte er nicht abgeben.

Konsequenzen auch für unbeteiligte Schüler

Nach SWR-Informationen soll ein Schüler die Schule mittlerweile verlassen haben. Doch auch für die übrigen Schülerinnen und Schüler hat die Tat offenbar Konsequenzen.

Das Polizeipräsidium Trier bestätigt: "Durch die Schule wurden bereits entsprechende Ordnungsmaßnahmen getroffen." So soll die Regelung zur Handy-Nutzung nach SWR-Informationen strenger kontrolliert werden. Außerdem sollen die Schüler ihre Tablets im Unterricht teilweise nur noch so nutzen dürfen, dass es nicht möglich ist, mit der Tablet-Kamera Fotos von Lehrkräften zu machen.

Keine verpflichtenden Maßnahmen des Landes

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) verweist darauf, dass von Seiten des Landes vielfältige Angebote zur Prävention von Mobbing zur Verfügung stünden. Verpflichtende Maßnahmen gebe es allerdings keine, "da jeder Mobbingvorfall individueller Beratung bedarf und Schulen unterschiedliche Fortbildungsbedarfe im Kontext Gewaltprävention haben."

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