Wird die Air Base Spangdahlem von den 500 Millionen Dollar Investitionen in die US-Stützpunkte profitieren?  (Foto: SWR)

Interview mit dem Direktor der Atlantischen Akademie

US-Militär: Was die Investitionen für Spangdahlem und Baumholder bedeuten

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Christian Altmayer

500 Millionen Dollar wollen die USA in Rheinland-Pfalz investieren. David Sirakov von der Atlantischen Akademie erklärt, was die Amerikaner für Spangdahlem und Baumholder planen.

SWR Aktuell: Vor zwei Jahren hat der damalige US-Präsident Donald Trump einen Abzug der Truppen aus Deutschland angekündigt. Nun sieht es eher danach aus, dass wieder mehr Soldaten in Rheinland-Pfalz stationiert werden. Wie ist diese Kehrtwende in der US-Außenpolitik zu erklären?

David Sirakov: Mit Blick auf die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik war der Wahlsieg von Joe Biden gerade vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wichtig. Denn für die Partner war das auch eine Rückversicherung, dass die USA definitiv keinen Angriff auf einen Nato-Staat dulden und ihrer Beistandspflicht nachkommen. Da gab es seit Kriegsbeginn sicherlich deutliche, nicht nur rhetorische, Veränderungen hin zu Bidens Vorgänger Donald Trump.

Haben die Investitionen von 500 Millionen Dollar in die rheinland-pfälzischen US-Stützpunkte mit dem Ukraine-Krieg zu tun?

Es ist natürlich auch die aktuelle sicherheitspolitische Situation in Europa, die die USA dazu bewegt, strategisch mit Blick nochmal nachzujustieren und Truppen nach Rheinland-Pfalz zu verlegen. Die Motivation ist, die Sicherheit innerhalb der Nato als Bündnis kollektiver Verteidigung sicherzustellen. Partner wie Polen, Rumänien oder auch die Länder im Baltikum fühlen sich von Russland bedroht und das zieht dann eben auch ein stärkeres Engagement der Vereinigten Staaten hier in Europa nach sich.

200 Millionen Dollar sollen allein in den Stützpunkt Baumholder fließen. Was ist dort konkret geplant?

Es gibt dort zum einen die Pläne, eine Trainingseinrichtung zur Ausbildung von Spezialeinheiten zu errichten. Und das zweite ist, dass dort eine Housing, das heißt ein Wohnkomplex für Soldaten und ihre Angehörigen, entstehen soll. Das bedeutet, dass offensichtlich geplant ist, die Präsenz in Baumholder zu erhöhen, also auch Personal aufzustocken. Zudem gibt es in Baumholder ein großes Problem mit Lärm durch die Schießstände. Daher will man dort neue Hallen bauen, und diese Shooting Ranges nach innen verlegen.

Baumholder

Verbandsbürgermeister Alsfasser "Investitionen der USA wären wichtig für Standort Baumholder"

Innenminister Roger Lewentz ist in den USA, um über die Stützpunkte in Rheinland-Pfalz zu sprechen. Es soll auch um den US-Standort in Baumholder gehen. In den sollen rund 200 Millionen US-Dollar investiert werden. Für Verbandsbürgermeister Alsfasser eine wichtige Investion.

Was könnten das für Spezialeinheiten sein, und für welche Missionen werden sie künftig in Baumholder trainiert?

Es gibt Hinweise darauf, dass eine Einheit der Navy Seals in Baumholder stationiert werden könnte. Das sind meist kleine Elite-Truppen, die für Spezialoperationen ausgebildet werden, zum Beispiel für sogenannte Search-and-Rescue-Einsätze. Dabei geht es darum, Menschen zu suchen und zu retten, beispielsweise bei Geiselnahmen. Die Navy Seals haben aber auch Einsätze, bei denen es darum geht, gesuchte Personen zu finden und zu verhaften oder zu töten. Das könnten etwa Terroristen sein. Sehr viel ist aber über diese Einheiten nicht bekannt und das ist auch Absicht.

Und die würden dann vor allem in Europa zum Einsatz kommen?

Nein, davon würde ich jetzt nicht unbedingt ausgehen. Navy Seals-Einheiten wie auch andere Spezialeinheiten der US-Streitkräfte werden weltweit eingesetzt, und es geht vielmehr darum, sie schneller an bestimmte Orte zu bringen. Und dadurch, dass wir die Ramstein Air-Base hier als Drehkreuz haben, gibt es hier eben die Möglichkeit, Einheiten schnell zum Beispiel nach Afrika, aber eben auch in den Nahen und Mittleren Osten zu bringen.

Auch der Flugplatz Spangdahlem ist ein wichtiger Stützpunkt für die USA. In den vergangenen Wochen sind dorthin F-35-Jets und auch Flugzeuge zur elektronischen Kampfführung verlegt worden. Sollen auch dauerhaft neue Fliegerstaffeln in der Eifel stationiert werden?

Wenn man den Verlautbarungen des Pentagon Glauben schenken möchte, dann sind das erstmal temporäre Verlagerungen. Ich würde jetzt nicht davon ausgehen, dass auf längere Sicht geplant ist, beispielsweise nach Spangdahlem, andere Fliegerstaffeln zu verlegen. Das kann sich ändern, wenn es im Nachgang eines Krieges in der Ukraine zu einem dauerhaft angespannten Verhältnis zwischen der Nato und Russland kommt. Der Grund dafür, dass Spangdahlem derzeit so eine zentrale Rolle übernommen hat, ist vor allem der russische Angriffskrieg in der Ukraine.

Wenn die 500 Millionen Dollar also möglicherweise nicht nach Spangdahlem fließen - welche anderen Stützpunkte des US-Militär könnten von diesen angekündigten Investitionen profitieren?

Ich gehe davon aus, dass neben den Investitionen in Baumholder von diesem Geld auch einiges in den Bau des Militärhospitals in Weilerbach fließen wird. Denn das Projekt ist sehr kostspielig. Es wird sicherlich auch Investitionen in andere Liegenschaften geben, wahrscheinlich auch Spangdahlem. Die Frage ist nur, wofür dort dann das Geld ausgegeben wird. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass unter Donald Trump doch einige finanzielle Mittel aus dem US-Verteidigungshaushalt, die beispielsweise auch für Liegenschaften hier in Deutschland reserviert waren, zweckentfremdet wurden. Ich denke da beispielsweise an den berühmten Bau der Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Von diesen Millionen sollten beispielsweise Schulen auf den Bases gebaut oder renoviert werden. Da gibt es also wahrscheinlich einen Investitionsstau, für den ja auch Geld gebraucht wird. Das könnte dann die 500 Millionen erklären.

Was bedeuten diese Investitionen für die Eifel und den Westrich?

Also mit Blick auf die bislang bestehenden Liegenschaften können wir in Rheinland-Pfalz davon ausgehen, dass die einen wirtschaftlichen Effekt von etwa drei bis dreieinhalb Milliarden US-Dollar jährlich haben. Wenn wir jetzt solche Investitionen sehen, die natürlich auch die Verlegung neuer Truppen und Familien mit sich bringen, dann hat das natürlich auch eine wirtschaftliche Auswirkung. Für Baumholder ist das sicherlich auch ein sehr interessanter Punkt. Zudem kommen Investitionen in die Instandsetzung von Gebäuden in der Regel auch den regionalen Bauunternehmern und damit auch der regionalen Wirtschaft zugute.

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