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Pünktlich am Osterwochenende sollten an Saar und Mosel eigentlich die Fahrgastschiffe mit ihren Touren starten. Doch der traditionelle Saisonauftakt für die Personenschifffahrt fällt erneut ins Wasser.

Die Fahrgastschiffe "Saarstern" und "Saarblick" stehen derzeit im Saarburger Hafen und werden fit gemacht für die kommende Saison. Der Motor wird erneuert, der Boden neu lackiert.

Mit dem Besen in der Hand steht Cornelia Hauck, Geschäftsführerin der Saar-Personenschifffahrt, auf dem Außendeck der "Saarstern". Deck schrubben ist angesagt. "Nach einem langen Winterschlaf muss das Schiff sauber gemacht werden. Das ist immer viel Arbeit, bis es losgeht", sagt Hauck.

Doch wann die Schiffe wieder über die Saar fahren können, ist völlig unklar. Fahrgastschiffe dürfen laut aktueller Corona-Verordnung der rheinland-pfälzischen Landesregierung nicht fahren.

Damit fällt auch das Ostergeschäft aus - traditionell der Auftakt der Saison. Cornelia Hauck ist enttäuscht: "Es ist total schade, weil sich alle Menschen danach sehnen, wieder rauszugehen. Wir freuen uns auch aufs Arbeiten". Ein zweites Jahr in Folge wieder an Ostern nicht öffnen zu können, sei schon schwierig für ihre Firma, so Hauck.

50 Prozent weniger Einnahmen

Im vergangenen Jahr hat die Saar-Personenschifffahrt wegen der Corona-Pandemie bis zu 50 Prozent weniger eingenommen als im Vorjahr. Damit die diesjährige Saison zumindest etwas erfolgreicher wird, sollten spätestens ab 1. Mai wieder Schiffstouren auf der Saar möglich sein, wünscht sich die Unternehmerin. Immerhin bedeute dies ein wenig Planungssicherheit, wenn auch sonst schon vieles nicht mehr planbar ist in diesem Jahr.

"Es fragen keine Leute mehr an. Die stornieren jetzt einfach."

Cornelia Hauck, Geschäftsführerin Saar-Personenschifffahrt, Saarburg

Keine Gruppen- und Vereinsfahrten

Die Gäste, die im vergangenen Jahr ihre Buchung verschoben haben, stornierten jetzt ihre Tickets. Die Zurückhaltung bei den Menschen sei massiv. "Keiner will mehr planen und die Leute sind es einfach leid, ständig Termine zu verschieben. Dann lassen sie es einfach", so das ernüchternde Fazit von Cornelia Hauck.

Außerdem seien viele Vereins- und Gruppenfahrten für dieses Jahr bereits abgesagt worden. "Kein Verein plant dieses Jahr einen Vereinsausflug. Wir wissen nicht, wie es weitergeht."

Fahrgastschiffe an Saar und Mosel fahren an Ostern nicht (Foto: SWR)
Die Schiffe "Saargold" und "Saarstern" liegen im Hafen in Saarburg. Bild in Detailansicht öffnen
... hier sitzen normalerweise die Passagiere bei Kaffee und Kuchen und genießen die Aussicht. Bild in Detailansicht öffnen
An Bord gibt es für Cornelia Hauck immer etwas zu tun. Bild in Detailansicht öffnen
Das Außendeck der "Saarstern" muss geschrubbt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Spender mit Desinfektonsmittel gibt es an Bord der Schiffe. Bild in Detailansicht öffnen
Sie habe noch nie so einen lang anhaltenden Schock wie Corona erlebt, sagt Unternehmerin Cornelia Hauck. Bild in Detailansicht öffnen

Mitarbeiter derzeit arbeitslos

Ihre acht fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit arbeitslos gemeldet. Mitte April will Cornelia Hauck sie wieder einstellen. "Wir müssen die Leute jetzt auch wieder beschäftigen, bevor sie sich etwas anderes suchen. Gerade in der Schifffahrt ist es schwierig, gute und motivierte Leute zu bekommen. Wir sind sehr froh, unsere Stammcrew zu halten."

Ostergeschäft ist symbolträchtig für Personenschifffahrt

Beim Personenschifffahrtsunternehmen Gebrüder Kolb in Briedern an der Mittelmosel sind nach eigenen Angaben die Schiffe fahrbereit. Auch dort hofft die Geschäftsführung, bald starten zu können. Dass es an Ostern nicht klappt, könne man noch verkraften. Das Ostergeschäft sei eher symbolträchtig, aber nicht umsatzstark, so Geschäftsführer Martin Kolb.

Die Firma Kolb betreibt nach eigenen Angaben 28 Schiffe auf der Mosel. Von den insgesamt 150 Mitarbeitern sei mehr als die Hälfte derzeit arbeitslos.

Das Fahrgastschiff "Bernkastel" auf der Mosel bei Burg (Foto: SWR)
Das Fahrgastschiff "Bernkastel" auf der Mosel bei Burg.

"Wir brauchen endlich Planungssicherheit."

Martin Kolb, Personenschifffahrtsunternehmen Gebrüder Kolb, Briedern

Betreiber sehen kein Ansteckungsrisiko auf den Fahrgastschiffen

Die Personenschiffer an Saar und Mosel sehnen sich danach, endlich wieder Passagiere auf ihren Schiffen begrüßen zu können. Die Corona-Regeln an Bord könnten dabei ähnlich aussehen wie in der Außengastronomie: Nur Passagiere mit einem negativen Corona-Test dürften das Schiff betreten.

Auf den Passagierschiffen sei auch genügend Platz, sodass die Abstandsregeln eingehalten werden, so Cornelia Hauck von der Saar-Personenschifffahrt. "Unsere beiden Schiffe sind jeweils 40 Meter lang und sechs Meter breit. Wir haben drei Decks. Da sehe ich kein Infektionsrisiko. Wir brauchen endlich eine Perspektive, wann wir loslegen dürfen."

Saarland steigt nach Ostern aus Lockdown aus

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für Unternehmerin Hauck aus Saarburg: Das Saarland hat angekündigt, den Corona-Lockdown vorzeitig zu beenden. "Das könnte bedeuten, dass wir unsere Saarschleifen-Tour bald wieder anbieten können, weil sie komplett im Saarland liegt", so Hauck.

Bislang habe sie aber noch keine Informationen aus dem Saarland bekommen, ob die angekündigten Lockerungen auch für die Personenschifffahrt gelten.

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