Kita Gerolstein (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

Erzieherinnen an der Belastungsgrenze

Kitas schlagen Alarm: Zu wenig Personal in der Region Trier

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AUTOR/IN
Christian Altmayer

Die Kitas in der Region Trier haben zunehmend Probleme, Mitarbeiter zu finden. Mehrere Hundert Stellen sind derzeit nicht besetzt. Das belastet Erzieher, Eltern und Kinder.

Wenn Andrea Schumann morgens auf der Arbeit ankommt, weiß sie oft nicht, wie ihr Tag wird. Ob die Leiterin der Kindertagesstätte Neumagen-Dhron heute im Büro arbeitet oder in einer der Gruppe anpackt, ob sie Gespräche mit Eltern führt oder Kinder betreut.

Denn wie fast überall in der Region Trier herrscht in der Kita im Moselort Personalmangel. Da springt schon mal die Chefin ein, wenn es eng wird: "Heute Mittag muss ich bei einer Veranstaltung mithelfen und gestern hab ich die Kinder betreut, während eine Kollegin gewickelt hat."

Andrea Schumann arbeitet als Springerin für die Kita Ggmbh Trier. Wann immer irgendwo eine Leitungsstelle frei ist - wie derzeit in Neumagen-Dhron - springt Schumann ein. (Foto: SWR)
Andrea Schumann arbeitet als Springerin für die Kita Ggmbh Trier. Wann immer irgendwo eine Leitungsstelle frei ist - wie derzeit in Neumagen-Dhron - springt Schumann ein.

Ideal ist das nicht. Doch längst sind auch in Neumagen-Dhron größere Einschränkungen nötig, um die fehlenden Kräfte zu kompensieren.

Kürzere Öffnungszeiten sind an der Tagesordnung

Mehrfach hat Schumann die Öffnungszeiten verkürzen müssen, weil nicht mehr genügend Erzieherinnen da waren, um die Kinder zu betreuen. "Einmal war ich mit einer Kollegin ganz alleine hier, da mussten wir den ganzen Tag schließen", sagt die Leiterin.

Das kommt öfter vor in der Region Trier. "Es vergeht kaum eine Woche, in der uns keine Meldung über die Einschränkung der Betreuungszeiten erreicht", heißt es etwa von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg.

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Eine Pressesprecherin der katholischen Kita gGmbh Trier, die rund 151 Einrichtungen betreibt, schreibt: "Das ist in jeder unserer Einrichtungen schon mindestens einmal notwendig gewesen."

Mehr als 200 Stellen in der Region Trier unbesetzt

Es ist ein Symptom des Fachkräftemangels, der sich längst nicht nur in Neumagen-Dhron bemerkbar macht. Allein bei der katholischen Kita gGmbh Trier sind rund 200 Stellen unbesetzt, bei kommunalen Trägern kommen mehrere Hundert weitere Stellen hinzu.

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Ob in Birkenfeld im Hunsrück, in Dudeldorf in der Eifel oder in Leiwen an der Mosel - überall werden Erzieherinnen gesucht. Laut Ausschreibungsportalen sind in manchen Kitas bis zu sechs Stellen frei.

"Wir nehmen in allen Kitas Anspannungen bis Überforderungen wahr. Besonders Kitas, in denen es offene Stellen gibt, geraten schnell unter Druck, wenn noch akute Krankheitsausfälle hinzukommen."

Fachkräftemangel ist auch für Eltern eine Herausforderung

"Die Situation treibt viele an die Belastungsgrenze", sagt Andrea Schumann. Die Mitarbeitenden müssen mehr Kinder betreuen und gleichzeitig versuchen, ein hochwertiges Bildungsangebot zu gewährleisten.

Berufstätige Väter und Mütter müssen hingegen den Spagat zwischen Job und Kinderbetreuung hinbekommen. Und auch das werde zunehmend schwieriger, wie Nadine Wagner, Kreiselternsprecherin im Kreis Trier-Saarburg, sagt.

Keine Betreuung mehr, kein Job mehr

"Das kann ganz spontan geschehen, dass Sie montags erfahren, am gleichen Tag macht die Kita drei Stunden früher zu." Und wer soll die Tochter oder den Sohn dann abholen, wenn Papa und Mama noch auf der Arbeit sind?

Kreiselternsprecherin Nadine Wagner arbeitet selbst als Sozialarbeiterin und weiß daher um die Probleme, Personal in dieser Branche zu finden.  (Foto: SWR)
Kreiselternsprecherin Nadine Wagner arbeitet selbst als Sozialarbeiterin und weiß daher um die Probleme, Personal in dieser Branche zu finden.

"Uns sind durchaus Fälle bekannt, wo die Arbeitsstelle dann verloren ging, weil Eltern das nicht unter einen Hut bekommen haben."  

Corona verschärft das Personalproblem

Was Nadine Wagner ärgert, ist, dass das Fachkräfteproblem lange bekannt sei. Dass es angesichts der Überalterung der Gesellschaft irgendwann auch bei den Erzieherinnen eng werden würde, sei abzusehen gewesen.

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Die Corona-Pandemie verschärft die Lage allerdings. Und das nicht nur wegen der Infektionen. Sondern auch, weil die vergangenen Jahre den Mitarbeitern so viel abverlangt hätten, wie Kita-Leitung Andrea Schumann sagt.

Personalnot setzt Teufelskreis in Gang

Die Kitas waren fast durchgehend geöffnet, trotz des hohen Infektionsrisikos und der strengen Beschränkungen. In der Folge seien manche Erzieher krank geworden oder hätten den Job gewechselt.

"Die Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren viel Kraft gelassen. Die Pandemie ist nicht spurlos an ihnen vorübergegangen."

Doch wenn immer weniger Personal da ist, hat die übrige Belegschaft mehr zu tun und wird weiter belastet. Ein Teufelskreis, heißt es auch bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Erzieherinnen fordern bessere Arbeitsbedingungen

Doch wie kann es gelingen, wieder mehr Menschen für den Beruf zu begeistern? Eine bessere Bezahlung würde nach Ansicht vieler Erzieherinnen und auch der Träger helfen. Ebenso: eine Vergütung während der fünf Jahre langen Ausbildung.

Zudem fordern die Träger, es zu erleichtern, mehr Quereinsteiger einzustellen. "Eine gute Qualifizierung ist unabdingbar, es würde aber unserer Ansicht nach helfen, wenn Qualifizierungsmaßnahmen über einen längeren Zeitraum erfolgen könnten und profilergänzende Kräfte besser vergütet werden könnten", schreibt etwa eine Sprecherin der katholischen Kita Ggmbh Trier.

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Christian Altmayer