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Der Trierer Stadtrat hat am Mittwochabend über eine mögliche Bereitstellung von Menstruationsprodukten auf den Toiletten der Schulen beraten. Der Sozialausschuss will nun prüfen, ob Bedarf besteht.

In einem Gespräch am Dienstagabend hätten die Schulleitungen berichtet, dass ihre Toiletten bereits mit Werbeartikeln von entsprechenden Herstellern ausgestattet seien, erklärte Sozialdezernentin Elvira Garbes im Rat. Trotzdem werde eine Überprüfung der Bedarfslage durch den Sozialausschuss erfolgen.

Dieser hatte einem Antrag der CDU schon im Vorfeld der Ratssitzung zugestimmt. Die CDU zog ihren Antrag daraufhin zurück. Damit wurde allerdings auch eine ergänzende Anfrage der Grünen-Fraktion hinfällig. Sie hatten gefordert, in allen öffentlichen Gebäuden der Stadt kostenlose Hygieneprodukte zur Verfügung zu stellen.

Nicht alle Schülerinnen können sich Tampons und Binden leisten

Die Periode nehme keine Rücksicht auf den Zeitpunkt und ließe sich nicht beeinflussen oder regulieren, hatte die CDU im Vorfeld erklärt. "Schülerinnen kommen immer wieder in die Situation, dass sie während des Unterrichts plötzlich Tampons oder Binden brauchen", so Elisabeth Tressel, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion.

Hinzu komme, dass sich viele Mädchen Tampons und Binden aus finanzieller Not nicht selbst kaufen könnten. "Aus Scham werden sie erfinderisch und nutzen Ersatzgegenstände wie Zeitungspapier, Socken oder T-Shirts. Das ist nicht nur unhygienisch, sondern nachweislich auch gesundheitsgefährdend."

Diesem hohen Infektionsrisiko und dem Schamgefühl könne man entgegenwirken, indem man die entsprechenden Hygieneartikel ganz selbstverständlich auf den Toiletten der Schulen frei zur Verfügung stellt.

Grüne wollten Antrag der CDU ausweiten

Studien zeigen, dass besonders häufig Frauen und Mädchen aus sozial benachteiligten Schichten betroffen sind. Die Periode kostet Geld: Tampons, Binden, Schmerzmittel. Davon seien aber nicht nur Schülerinnen betroffen, sondern alle Frauen, finden die Grünen.

Die Grünen machten sich deshalb im Stadtrat für eine Ausweitung des CDU-Antrags stark: Die Stadtverwaltung solle demnach überprüfen, ob eine Bereitstellung von Tampons und Binden nicht auch in allen anderen öffentlichen Gebäuden möglich sei. Dies käme besonders wohnungs- und obdachlosen Frauen zugute.

Hygieneartikel wie Binden oder Tampons werden noch immer viel zu häufig als Luxusangebot betrachtet, obwohl Frauen und Mädchen diese jeden Monat dringend benötigten, meint Caroline Würtz von den Grünen.

"Man diskutiert ja auch nicht darüber, ob es Klopapier und Seife auf den Toiletten gibt, weil es selbstverständlich ist."

Dass Binden und Tampons nicht als essenziell im Leben einer Frau angesehen werden, merke man auch daran, dass es keine extra Sozialleistungen dafür gebe. "Jede Frau muss monatlich fünf bis zehn Euro für ihre Menstruation ausgeben. Trotz dieser höheren finanziellen Belastung erhält sie denselben Betrag an Sozialhilfe für Hygieneartikel wie Männer", so Caroline Würtz von den Grünen.

Von der Periode aus dem öffentlichen Leben gedrängt

Für Frauen und Mädchen in finanziell schwierigen Situationen sei das eine doppelte Belastung, denn sollte sich doch einmal ein Blutfleck auf der Hose zeigen, so müssten sie zusätzlich noch ein gesellschaftliches Stigma schultern, mahnt Würtz. Das führe dazu, dass diese Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben herausgedrängt werden.

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