STAND

Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx abgelehnt. Für die Initiative der Missbrauchsopfer im Bistum Trier ist das ein "Freibrief für alle Bischöfe".

Video herunterladen (5,6 MB | MP4)

Papst Franziskus hat den Rücktritt des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, abgelehnt. Das machte er in einem Brief an Kardinal Marx deutlich, den der Heilige Stuhl jetzt veröffentlichte.

"Und genau das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising."

Marx hatte am 4. Juni ein Schreiben veröffentlicht, in dem er von einem "toten Punkt" in der katholischen Kirche sprach.

"Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist."

Marx war von 2002 bis 2008 Bischof in Trier. Der 67-Jährige hatte am 21. Mai in einem Brief an Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten. Franziskus sollte demnach über "seine weitere Verwendung" entscheiden. Das Ersuchen Marx' hatte in der katholischen Kirche für großes Aufsehen gesorgt. Marx ist vielen Menschen bekannt.

Mit seinem Amt hatte er wohl schon länger gehadert. Mit dem Verzicht könne vielleicht ein persönliches Zeichen gesetzt werden für neue Anfänge, für einen neuen Aufbruch der Kirche, so Marx.

"Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten."

Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre zeigten für ihn durchgängig, dass es "viel persönliches Versagen und administrative Fehler" gegeben habe, aber "eben auch institutionelles oder systemisches Versagen". Immer wieder aber haben ihm aber auch Vertreter der Opferinitiative MissBiT im Bistum Trier persönliches Versagen beim Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen. Die Vorfälle fielen in die Zeit, in der Marx Bischof von Trier war.

Video herunterladen (2 MB | MP4)

Marx: Nicht zur Tagesordnung übergehen

Marx betonte in einer ersten Reaktion: "Es bleibt bei dem, was ich auch in meiner Erklärung unterstrichen habe: dass ich persönlich Verantwortung tragen muss und auch eine 'institutionelle Verantwortung' habe, gerade angesichts der Betroffenen, deren Perspektive noch stärker einbezogen werden muss."

"Ich empfinde diese Entscheidung des Papstes als große Herausforderung. Danach einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, kann nicht der Weg für mich und auch nicht für das Erzbistum sein"

Die Initiative der Missbrauchsopfer im Bistum Trier, MissBit, reagierte empört auf die Entscheidung des Papstes, dass Marx im Amt bleiben soll.

Die Opferinitiative MissBit im Bistum Trier kritisiert, dass der Papst den Rücktritt von Kardinal Marx abgelehnt hat. Hier demonstrierte MIssBit 2019 vor dem Trierer Priesterseminar. (Foto: SWR)
Die Opferinitiative MissBit im Bistum Trier kritisiert, dass der Papst den Rücktritt von Kardinal Marx abgelehnt hat. Marx war von 2002 bis 2008 Bischof in Trier.

"Das ist ein Freibrief für alle Bischöfe"

Es sei nicht klar, was der Papst mit dieser Entscheidung wolle, sagte der Sprecher der Opferinitiative MissBit, Hermann Schell. Jetzt sei es an Kardinal Marx, der von 2002 bis 2008 Bischof in Trier war, die Dinge offen auf den Tisch zu legen.

"Marx muss jetzt liefern, um selbst glaubwürdig zu sein"

Marx sei jetzt im Zugzwang. Kardinal Marx hatte in seinem Rücktrittsgesuch von viel persönlichem Versagen und administrativen Fehlern gesprochen, aber nicht gesagt, was er genau getan hatte. In seiner Zeit als Bischof von Trier wurden mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester bekannt, die Marx nach Vorwürfen von MissBit mit viel Nachsicht für die Täter behandelt haben soll. Zu diesen ihm vorgeworfenen Fällen habe sich Marx nicht geäußert, so MissBit-Sprecher Schell.

Trier

Betroffene werfen Marx persönliches Fehlverhalten vor Persönlicher Brief aus Trier könnte Marx Rücktritt beeinflusst haben

Knapp eine Woche nach dem überraschenden Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx wird weiter über Motive spekuliert. Möglicherweise spielt seine Zeit in Trier eine Rolle.  mehr...

Trier

Missbrauch in der katholischen Kirche Kardinal Marx bietet Rücktritt an - Trierer Bischof Ackermann will bleiben

Der Erzbischof von München und Freising und frühere Trierer Bischof, Reinhard Marx, hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten - der Trierer Bischof Stephan Ackermann will weitermachen.  mehr...

Speyer

Generalvikar Andreas Sturm nimmt Stellung Bistum Speyer: "Großen Respekt vor Kardinal Marx"

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten - wegen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Das Bistum Speyer hat am Freitag dazu klar Stellung genommen.  mehr...

Trier

Missbrauchsopfer gegen Ehrung Nach Kritik aus Trier - Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz

Kardinal Reinhard Marx verzichtet auf das Bundesverdienstkreuz. Zuvor hatten Missbrauchsopfer die geplante Verleihung an den früheren Bischof von Trier kritisiert.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Trier

Sexueller Missbrauch und Machtmissbrauch Missbrauchsopfer wirft Trierer Bischof Täterschutz vor

Eine Betroffene von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch durch einen Priester wirft den Bischöfen Marx und Ackermann unzureichende Aufarbeitung und Täterschutz vor.  mehr...

Trier

Transparenz bei Aufarbeitung von Missbrauch Katholikenrat im Bistum Trier: Wollen klare Worte hören

"Das Ansehen der katholischen Kirche sinkt rapide", sagt der kommissarische Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum Trier, Manfred Thesing, im Interview mit SWR Aktuell.  mehr...

STAND
AUTOR/IN