Wie die 2G-Plus-Regel das Dorfleben zerstört: Lorscheid im Kreis Trier-Saarburg. (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Keine Dorfgmeinschaft mehr

Wie die 2G-Plus-Regel das Leben auf dem Dorf lahmlegt

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

2G-Plus in der Dorfkneipe, die Gymnastikgruppen fallen aus und der Chor probt nicht mehr. Das Dorfleben in Lorscheid (Landkreis Trier-Saarburg) ist durch die schärferen Corona-Regelungen zum Erliegen gekommen.

Lorscheid in der Verbandsgemeinde Ruwer ist ein Dorf mit einer aktiven Dorfgemeinschaft. In dem 630-Einwohner-Dorf gibt es eine Gaststätte, einen Kindergarten und viele Ortsvereine. Durch Corona und insbesondere durch die schärferen Corona-Maßnahmen, die seit Anfang Dezember gelten, ist das Dorfleben nahezu außer Gefecht gesetzt worden.

Dorfrestaurant leidet unter neuen Corona-Regeln

Das kleine Dorfrestaurant "Wirtsgarten" an der Hauptstraße in Lorscheid leidet besonders unter den strengeren Corona-Regeln. Heike und Martin Becker betreiben das Restaurant seit 1991 - und das in zweiter Generation.

Normalerweise treffen sich hier die Senioren zum Feierabendbier oder die Kegelfrauen kommen abends zum Essen. Doch der Treffpunkt des Dorfes werde durch die 2G-Plus-Regelung nahezu lahmgelegt, sagt Martin Becker.

"Es geht schon einiges verloren. Die spontanen Besuche, die Frauentreffs oder die Vereine, die sich mal treffen. Das findet aktuell nicht statt und fehlt einfach im Dorfleben."

Weihnachtsfeiern wurden abgesagt

Normalerweise sind die Tische in dem Gasthaus an Sonntagen komplett belegt. Seitdem nun auch Geimpfte und Genesene einen Corona-Test brauchen, wenn sie noch nicht geboostert sind, seien die Reservierungen für das Wochenende deutlich zurückgegangen. Am ersten Wochenende seien samstags und sonntags jeweils nur drei Tische belegt gewesen. Geburtstage und Weihnachtsfeiern seien abgesagt worden, so Becker.

Test-Aufwand für spontane Besuche zu groß

Vielen sei der Aufwand für spontane Besuche im Restaurant zu groß, sagt Heike Becker. Wer abends nur ein Feierabendbier trinken will und noch nicht geboostert ist, muss sich nun testen lassen. Die nächsten Teststationen sind jedoch mindestens 15 Minuten Autofahrt entfernt.

Auch vor Ort zu testen sei ein riesiger Aufwand. Denn die Besucherinnen und Besucher müssten vor der Tür getestet werden und dann eine Viertelstunde warten. Wenn dann am Wochenende 30 Leute auf einmal kämen, sei das logistisch nicht stemmbar.

Heike und Martin Becker betreiben das Restaurant Wirtsgarten seit 1991. (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Heike und Martin Becker betreiben das Restaurant Wirtsgarten seit 1991 - in zweiter Generation. Andrea Meisberger

"Es ist eigentlich ein Lockdown. Die Leute könnten kommen, machen es aber nicht. Denn sie sagen: Das mit dem Test ist eine Nummer zu viel."

Vorschlag: 2G-Regel wie in Baden-Württemberg

Heike und Martin Becker können verstehen, dass der Bund und das Land alles versuchen, um die Corona-Infektionszahlen zu senken. Doch eine generelle 2G-Plus-Regelung, außer für Geboosterte, ist ihrer Ansicht nach der falsche Weg. Eine Regelung, wie sie beispielsweise in Baden-Württemberg gilt, sei dagegen angemessen.

In Baden-Württemberg brauchen auch Personen, deren "letzte erforderliche Einzelimpfung" nicht länger als sechs Monate zurückliegt, keinen zusätzlichen Test. Das Gleiche gilt für Genesene, deren Infektion nachweislich höchstens ein halbes Jahr her ist.

2G-Plus lässt Dorfleben auch sonst einschlafen

Der Chor in Lorscheid und auch die Gymnastikgruppe treffen sich aktuell in Lorscheid nicht. Der Hauptgrund: 2G-Plus. Der Aufwand sei einfach zu hoch, sagt Claudia Klemens, die die Gymnastikgruppe leitet. Denn es müsse sich jeder, der noch nicht geboostert ist, testen lassen und diese Tests müssten dann kontrolliert werden.

Der Lorscheider Chor wird sich erst wieder im Januar zu Proben treffen, wenn es die Infektions-Zahlen zulassen, sagt die Ortsbürgermeisterin Jutta Gard-Becker. Sie befürchtet, dass sich die Menschen auch nach Corona vollkommen zurückziehen werden, weil aktuell nichts stattfindet.

"Wenn Leute so lange zu Hause sind, finden sie vielleicht Gefallen daran und haben unter Umständen nach Corona keine Lust mehr in die Vereine zu gehen."

Lorscheid (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
In Lorscheid leben etwa 630 Menschen. Zahlreiche Ortsvereine wie die Freiwillige Feuerwehr, der Chor, die Gymnastikgruppe oder der Heimat- und Verkehrsverein tragen zum Dorfleben bei. Andrea Meisberger

Auch nach Corona keine Feste mehr?

Die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Ruwer, Stephanie Nickels (CDU), sieht diese Problematik ähnlich. Ehrenamtliche könnten sich zurückziehen. Dann könnten auch nach Corona keine Feste wie Kappensitzungen oder Sportveranstaltungen mehr stattfinden, weil die Aktiven fehlten.

"Außerdem besteht die Gefahr, dass Menschen, insbesondere ältere Menschen, sich zurückziehen und vereinsamen."

Dorfsaal Lorscheid (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Der Dorfsaal in Lorscheid wird normalerweise für Geburtstage oder Hochzeiten vermietet. Doch während der Corona-Pandemie wurden dort keine Feste gefeiert. Doch die Unterhaltungskosten seien geblieben. Gleiches gilt für die örtliche Grillhütte. Andrea Meisberger

Corona reißt tiefe Löcher in Dorfkasse

Veranstaltungen in Lorscheid gibt es laut Ortsbürgermeisterin Gard-Becker während der gesamten Corona-Pandemie kaum. Der örtliche Dorfsaal, der normalerweise für Geburtstage oder Hochzeiten vermietet werde, sei während Corona kein einziges Mal vermietet worden. Ebenso die Grillhütte. Das seien alles Einnahmen, die fehlten, so Gard-Becker. Die laufenden Kosten blieben jedoch.

Für den Sommer sind nach Angaben der Ortsbürgermeisterin wieder Veranstaltungen wie die Kirmes oder das örtliche Sommerfest in Planung. Aber das sei alles noch mit einem dicken Fragezeichen versehen.

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