Seit Sommer 2021 gibt es im Krankenhaus Prüm eine augenärztliche Praxis. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

Arztmangel auf dem Land

Wie Prüms neuer Augenarzt die Eifel behandelt

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Noch vor einem Jahr wurde rund um Prüm händeringend nach einem Augenarzt gesucht. Jetzt gibt es am Krankenhaus eine neue Praxis. Ist damit die ärztliche Versorgung gesichert?

Elvira Ott aus der Nähe von Prüm muss als Diabetikerin regelmäßig zum Augenarzt. Vor einem Jahr wurde sie dafür noch nach Cochem oder Trier geschickt. In Prüm und Umgebung hatten schlicht alle augenärztlichen Praxen aus Mangel an Nachfolgern geschlossen. Das war für viele in der Region ein Problem.

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Lange Fahrten mit dem Taxi nach Cochem oder Trier gehen aber ins Geld, denn selbst kann man nach einer Untersuchung an den Augen nicht mehr fahren. Zwischenzeitlich musste Elvira Ott notfallmäßig von einem Arzt in Bitburg behandelt werden. Sie hofft dennoch, bald wieder in Prüm einen Termin zu bekommen.

Neue Augenarztpraxis mit zwei Ärzten

Denn im dortigen St. Joseph-Krankenhaus hat im Sommer 2021 eine eigene Augenarztpraxis für ambulante und stationäre Behandlungen eröffnet. Augenarzt Prof. Dr. med. Kai Januschowski bietet dort donnerstags und freitags eine Sprechstunde und OP-Termine an.

Seit wenigen Tagen ist noch ein zweiter Arzt dabei. Statt derzeit 150 Patienten im Monat sollen dann zukünftig 300 behandelt werden. Aber die Warteliste ist jetzt schon lang. Auch Elvira Ott hat telefonisch noch keinen Termin bekommen, sie landet ständig in der Warteschleife.

Januschowski gibt zu: "Die Warteliste ist eine mittlere Katastrophe. Termine haben wir schon bis Mai und Juni vergeben.". Grund ist, dass sich die Abteilung immer noch im Aufbau befinde.

Praxis wird nach und nach aufgebaut

Organisation und Abläufe müssten noch verbessert werden. Zudem sind in den nächsten Jahren auch Umbauten erforderlich. Derzeit befindet sich die Praxis in einem zuvor leeren Teil des Krankenhauses.

Die Praxis ist in einem vormals leeren Trakt des Krankenhauses untergebracht und befindet sich noch im Aufbau - deshalb sieht manches noch provisorisch aus. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Die Praxis ist in einem vormals leeren Trakt des Krankenhauses untergebracht und befindet sich noch im Aufbau - deshalb sieht manches noch provisorisch aus. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Neben Operationen werden in Prüm auch Vorsorgeuntersuchungen angeboten. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
In drei ehemaligen Patientenzimmern werden Untersuchungen und Voruntersuchungen durchgeführt. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen

Die Räume für die Untersuchungen sind also in ehemaligen Patientenzimmern untergebracht. "Die sind bisher noch nicht ganz bezugsfertig. Dafür sind wir, glaube ich, die augenärztliche Praxiseinheit in Deutschland mit den meisten WCs, weil in jedem Zimmer eines ist", lacht Januschowski.

In der Region herrsche immer noch eine Mangelversorgung, die auch die neue Praxis mit zwei Augenärzten noch nicht ganz auffangen könne. Dennoch wolle man weiterhin auch neue Patienten aufnehmen.

Eifeler vor Erblindung bewahren

Denn der Bedarf sei vor allem in der Eifel mit ihrer tendenziell immer älteren Bevölkerung groß, sagt Januschowski: "Je älter man wird, desto wichtiger werden die Augen. Wenn man 80 Jahre alt ist, braucht man nicht mehr Fußball spielen – man sollte aber in der Lage sein, die Sportschau zu gucken."

Wer etwa an grauem Star leide, könne nicht mehr die Zeitung lesen oder Einkaufen gehen. Solche Menschen würden eher depressiv oder gar dement, weil das Gehirn nicht mehr gefordert werde.

Neben ambulanten Vorsorgeuntersuchungen und regelmäßigen Kontrollen bei Chronikern werden daher in Prüm auch Operationen zum Beispiel am grauen Star, an der Netzhaut oder der Hornhaut durchgeführt.

Pläne für die Zukunft

Das kurzfristige Ziel der Praxis ist es also, die Grundversorgung in der Eifel wiederherzustellen. "Wir haben aber auch eine Vision, wie es weitergehen soll", sagt Januschowski.

Ab April oder Mai soll die Praxis auch mittwochs geöffnet sein. Bis 2024 sollen sogar vier Augenärzte in Prüm praktizieren. Januschowski ist zuversichtlich, dass das klappt. Es gebe schon jetzt Anfragen.

Denn, sagt er: "Wir sind doch recht modern ausgestattet, für so eine Eifelpraxis." Prüm habe einen der modernsten Säle für Augen-OPs in Europa. Die Praxis sei das zweitgrößte Hornhauttransplantationszentrum in Rheinland-Pfalz. Das wecke Interesse bei den Kollegen.

Eifeler sind erleichtert

In erster Linie sind aber die Menschen in der Region erleichtert, sagt Patientin Elvira Ott. Sie habe Menschen im Freundeskreis, die schon einen Termin in Prüm bekommen hätten. Und auch operiert worden seien.

"Die waren ganz begeistert. Ich rechne auch damit, dass die Praxis in Prüm weiter ausgebaut wird, ich einen Termin bekomme und dann nicht mehr bis nach Bitburg fahren muss", sagt Ott.

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