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Am Grüneberg in Trier-Kürenz haben am Mittwoch die Bauarbeiten für 17 Wohneinheiten, die für die bisherigen Bewohner der Riveris-Siedlung vorgesehen sind, begonnen. Dort wohnten bisher überwiegend Sinti-Familien.

Vor der ehemaligen Kürenzer Turnhalle rollen die ersten Bagger. Auf einer großen Fläche graben sie in der Erde, häufen riesige Erdhügel an. Hier soll bis 2022 das sogenannte Bauprojekt "Domi" entstehen. Dort sollen dann die Bewohner der Riveris-Siedlung ein neues Zuhause finden.

Brachfläche in Trier-Kürenz (Foto: SWR, Natalie Meyer)
An dieser Stelle sollen die neuen Wohnungen entstehen. Natalie Meyer

3 Millionen Euro Förderung

Das Projekt wird von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) mit drei Millionen Euro gefördert. Ministerpräsidentin Malu Dreyer und ein Vertreter der ISB haben Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe heute einen entsprechenden Förderbescheid überreicht.

Die Riveris-Siedlung war in den 1960er Jahren entstanden. Dort zogen Sinti-Familien ein, die nach der Verfolgung im Zweiten Weltkrieg nach Trier gekommen waren. Doch mittlerweile sind die meisten der Häuser baufällig, eine Sanierung ist zwecklos.

Die Stadt Trier hat gemeinsam mit den Bewohnern der maroden Riveris-Siedlung in Trier-Nord nach einer neuen Bleibe gesucht.

Wunsch der Familien wurde berücksichtigt

Nach Angaben der Sozialdezernetin der Stadt Trier, Elvira Garbes, war es der ausdrückliche Wunsch der Familien in der Nähe der jetzigen Wohnungen bleiben zu können. Mit dem Neubau der Wohnungen in Trier-Kürenz sei das gelungen.

Dennoch ist ein Umzug für die Familien ein großer Schritt, sagt Siedlungssprecher Jacques Kling im SWR-Interview.

Natürlich haben wir eine große Melancholie, wenn wir unser Zuhause aufgeben müssen. Und wir tun das nur schweren Herzens. Aber wir freuen uns auch auf den Neuanfang, den man hier starten kann und sind sehr erwartungsvoll.

Jacques Kling, Siedlungssprecher Riveris-Siedlung
Riveris Siedlung Trier (Foto: SWR, Judith Seitz)
In der Riveris-Siedlung wohnen bis heute noch Menschen. Judith Seitz Bild in Detailansicht öffnen
Viele der Häuser sind aber schon seit Jahren unbewohnt und baufällig. Judith Seitz Bild in Detailansicht öffnen
Ende 2017 begann der Abriss der bereits leerstehenden Häuser. Judith Seitz Bild in Detailansicht öffnen
In der Siedlung wohnten überwiegend Sinti-Familien. Judith Seitz Bild in Detailansicht öffnen
Die neuen Pläne wurden im Februar 2020 vorgestellt. Bild in Detailansicht öffnen

Die Fenster der noch stehenden Häuser der Riveris-Siedlung sind zum Teil kaputt. Die Häuserfassaden sind völlig verkommen und beschmiert, überall wuchert das Unkraut.

Bereits Ende der 90er Jahre hatte der Stadtrat beschlossen, die maroden Häuser abzureißen, der Beschluss wurde aber nie umgesetzt und schließlich aufgehoben. Seitdem wurden nur die notwendigsten Reparaturen gemacht.

Abriss der Riveris-Siedlung lange geplant

Ein Kapitel der Stadtgeschichte, auf das der jetzige Oberbürgermeister der Stadt Trier, Wolfram Leibe, nicht stolz ist: "Man muss sich historisch klarmachen: Die Sinti-Familien wurden an der Kläranlage angesiedelt. Eine sozialpolitische Entscheidung, die wir heute nicht mehr nachvollziehen können. Deshalb war es wichtig, diese Personen zurückzuholen in die Stadt".

Egal ob Menschen Sinti oder Nicht-Sinti sind, sie haben ein Recht auf adäquate Wohnverhältnisse.

Wolfram Leibe, Oberbürgermeister der Stadt Trier

Für die Neubauten in Trier-Kürenz hat die Stadt die Wünsche der zukünftigen Bewohner berücksichtig. So wurde unter anderem ein Gemeinschaftsraum eingeplant. Außerdem soll das Viertel besser an die Stadt angebunden werden.

Siedlungssprecher Jacques Kling ist zufrieden. "Also die Stadt ist sehr auf unsere Wünsche eingegangen. Das was passiert ist, ist viele Jahre her. Das war wirklich ein bisschen beschämend für die Stadt damals gewesen. Aber mittlerweile sind andere Leute da und deshalb kann ich keinem heute einen Vorwurf machen."

Gelände wird weiter genutzt

Die Baufläche der ehemaligen Riveris-Siedlung will die Stadt nach eigenen Angaben für den geplanten Energie- und Technikpark von Stadt und Stadtwerken nutzen.

Eine brache Fläche im Hintergrund die alte Riveris-Siedlung (Foto: SWR, Natalie Meyer)
Auf dieser Fläche soll der geplante Energie- und Technikpark von Stadt und Stadtwerken entstehen. Natalie Meyer
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