Vom Sangweiher ist nicht viel mehr übrig als ein schlammiger Tümpel.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )

Folgen der Dürre

Nach wochenlanger Trockenheit - Massensterben in Eifeler Weiher

STAND
AUTOR/IN
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Nach Wochen ohne Regen ist kein Wasser mehr im Sangweiher. Viele Fische, Vögel und Insekten sind verendet. Eine weitere ökologische Katastrophe soll verhindert werden.

Ein schlammiger Tümpel - mehr ist nicht übrig geblieben vom einst so idyllischen und artenreichen Sangweiher. Das Natur- und Vogelschutzgebiet in Schalkenmehren (Landkreis Vulkaneifel) ist ausgetrocknet.

Dort, wo früher das Wasser stand, erstreckt sich jetzt ein Meer aus Schlick. Fischkadaver vermodern in der Hitze. Ein fauliger Geruch liegt in der Luft.

Ausgetrockneter Weiher schockiert Umweltschützer

"Es ist eine Katastrophe, was hier passiert ist", sagt Josef Wagner vom Naturschutzbund (NABU) in Daun. So trocken hat der Naturschützer aus Ellscheid den Weiher in 40 Jahren nur einmal zuvor erlebt.

Vom Sangweiher ist nicht viel mehr übrig als ein schlammiger Tümpel.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )
Gerd Ostermann (links) und Josef Wagner (rechts) kümmern sich um den Sangweiher in Schalkenmehren. Christian Altmayer

2012 lief der Weiher schon einmal komplett leer. Allerdings war damals eine undichte Stelle im Damm der Grund.

Wochenlange Dürre trocknet die Gewässer der Eifel aus

Dieses Jahr hat die wochenlange Dürre eines der bedeutendsten Vogelschutzgebiete der Eifel zu einer Pfütze zusammen schrumpfen lassen. Kein Einzelfall. Auch viele andere Flüsse und Weiher in der Region Trier sind ausgetrocknet.

"Diesmal gab es kein technisches Problem. Das lag allein am Klima."

Zuerst versiegten die Bäche, die in den Sangweiher fließen. Dann verschwand auch das Wasser im Weiher zusehens - mit fatalen Folgen für das Leben im Naturschutzgebiet.

Vom Sangweiher ist nicht viel mehr übrig als ein schlammiger Tümpel.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )
Vom Sangweiher ist nicht viel mehr übrig als ein schlammiger Tümpel. Christian Altmayer Bild in Detailansicht öffnen
Nur eine kleine, flache Wasserfläche ist noch zu sehen. Christian Altmayer Bild in Detailansicht öffnen
Der Schlamm ist an einigen Stellen metertief. Wer ihn betritt, droht reinzurutschen. Christian Altmayer Bild in Detailansicht öffnen
Tote Fische wie dieser Kadaver eines Karpfens liegen im Schlick. Christian Altmayer Bild in Detailansicht öffnen
Von oben ist das Ausmaß der Trockenheit noch besser zu erkennen. Christian Altmayer Bild in Detailansicht öffnen

Neun Karpfen wurden gerettet

In einer gemeinsamen Aktion haben Angler, Feuerwehrleute und Naturschützer zwar einige Karpfen und andere Fische retten und ins nahe Schalkenmehrener Maar überführen können. Ein Großteil der Körper konnte aber nur tot aus dem Schlamm geborgen werden.

Panoramabild-Eifel Maar Schalkenmehren  (Foto: © Eifel Tourismus GmbH, Dominik Ketz)
Hier im Maar in Schalkenmehren haben einige Fische aus dem Sangweiher eine neue Heimat gefunden. © Eifel Tourismus GmbH, Dominik Ketz

Auch Insekten und Amphibien sind gestorben

"Dramatisch ist die Situation auch für alle Wasserinsekten, wie zum Beispiel Libellen, aber auch für Amphibien", sagt Gerd Ostermann, Biotopbetreuer im Landkreis Vulkaneifel. Ohne ihren gewohnten Lebensraum seien fast alle Lebewesen rund um den Weiher gestorben.

Sinspelt

Sorge um Fische und Pflanzen Hitze und Dürre: Bäche in Region Trier trocknen aus

Kleine Bäche sind nur noch Rinnsale: Wegen der Hitze und Trockenheit trocknen Bäche in der Region Trier aus. Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum.  mehr...

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

"Als wir hier ankamen, um die letzten Fische zu retten, ist mir von dem Gestank des Weihers fast übel geworden."

Zu wenig Futter für die Zugvögel

Die Vögel hingegen fanden in den vergangenen Tagen erstmal einen gedeckten Tisch vor. Sie verschlangen alles, was an toten Tieren im Schlamm trieb. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass für Zugvögel wie Kraniche, Enten und Silberreiher, die im Herbst hier Rast machen, nicht mehr viel übrig bleibt, befürchten die Naturschützer.

Drei Kraniche stehen auf einem Feld (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Auch Kraniche sind jedes Jahr zu Gast am Sangweiher. Es ist fraglich, ob sie dieses Jahr noch genug zu fressen bekommen. Picture Alliance

Extremwetter wird immer häufiger

Was Ostermann und Wagner Sorgen macht: Solche Trockenjahre treten durch den Klimawandel immer häufiger auf. Und auch der Sangweiher droht dann wieder auszutrocknen - zumindest, wenn die Naturschützer nicht gegensteuern.

Daher wollen sich im Herbst alle Verantwortlichen treffen, um eine Lösung zu erarbeiten. Angler sollen beim runden Tisch dabei sein, Naturschützer und Mitarbeiter der Verwaltung.

Eine erste Idee: "Wahrscheinlich werden wir für den Sommer mehr Wasser anstauen müssen", sagt Josef Wagner vom Nabu Daun. Anders ginge es in Zeiten des Klimawandels nicht mehr.

Rheinland-Pfalz

Klimazukunft 2050 Zukunftsszenario: So verändert der Klimawandel Rheinland-Pfalz

Ein Ausblick auf das Jahr 2050. Der Klimawandel ist inzwischen überall spürbar. So wirkt er sich auf das Land und die Menschen aus.  mehr...

Leisel

Nationalparkgemeinde Leisel kritisiert Sprudelfirmen Hunsrück-Dorf fürchtet um sein Trinkwasser

Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald gibt es Ärger ums Wasser. Das steht zwar unter Schutz, doch zwei Sprudelbetriebe wollen dort neue Quellen bohren. Und das sorgt für Streit.  mehr...

Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Naturschutzgebiete und Klimawandel Trotz Dürre: Noch immer Wasser in Hunsrücker Mooren

Wie ein Wunder: Nach wochenlanger Dürre und Hitze sind die Moore im Nationalpark Hunsrück noch immer voll mit Wasser.  mehr...

Rastatt

Verlierer sind Frösche, Kröten und Muscheln Auwald am Rhein bei Rastatt in Gefahr - es ist zu heiß und viel zu trocken

Das Ökosystem im Rastatter Auwald ist in Gefahr, dem Naturschutzgebiet geht es im Sommer 2022 so richtig schlecht. Dort, wo sonst immer Wasser ist, ist alles trocken.  mehr...

SWR4 BW aus dem Studio Karlsruhe SWR4 BW aus dem Studio Karlsruhe

Kaiserslautern

ARD Umfrage zu Wassermangel Jagdhausweiher bei Kaiserslautern fast komplett ausgetrocknet

Der Jagdhausweiher bei Kaiserslautern, ein ehemals beliebter Badesee mit angrenzendem Feuchtbiotop, ist fast komplett ausgetrocknet. Bei der Ursache gehen die Meinungen auseinander.  mehr...

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Mendig

Seltene Tiere könnten aussterben Dürre-Drama: Biotope in Eifel und Westerwald trocknen aus

Der Dürresommer hat dramatische Folgen für Biotope und Feuchtwiesen in der Eifel und im Westerwald. Biologen fürchten, dass zum Beispiel seltene Schmetterlinge aussterben könnten.  mehr...

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Crowd Science #unserWasser Jetzt mitmachen und trockene Gewässer melden

Bei der Mitmach-Aktion zum ARD-Projekt #unserWasser soll erforscht werden, welche Bäche und Teiche in Deutschland langsam verschwinden. Mitmachen kann jeder und ganz einfach.  mehr...

Deutschland

Pegelstand-Karte Hitze lässt Flüsse immer weiter austrocknen

Wie der aktuelle Pegelstand in deinem Ort ist, kannst du mit unserer interaktiven Karte immer aktuell verfolgen.  mehr...