Heidrun König steht in ihrer Ferienwohnung in Birresborn. (Foto: SWR)

Flut im Juli

Nach dem Hochwasser: Rentnerin aus Birresborn ärgert sich über Versicherung

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Zuerst stand das Wasser der Kyll in der Wohnung von Heidrun König in Birresborn (Vulkaneifel). Jetzt soll die Versicherung den Schaden ersetzen. Doch die reagiert erstmal nicht.

20 Zentimeter stand im Juli das Wasser der Kyll in der Ferienwohnung von Heidrun König. Unten an den Wänden hat sich mittlerweile Schimmel gebildet, weil die Feuchtigkeit kaum weg zu bekommen ist.

Es riecht muffig. Die gesamte Einrichtung der Ferienwohnung hat die 77-Jährige in den Wintergarten gestellt. Vieles sei kaputt, sagt sie.

"Mein Haus ist sowieso schon höher gebaut. Ich habe niemals damit gerechnet, dass mir das Wasser in die Wohnung laufen könnte."

Als das Hochwasser kam, sei die Ferienwohnung noch vermietet gewesen, erzählt Heidrun König. Zu ihrem Glück seien die Gäste zu dieser Zeit bei Bekannten in der Umgebung gewesen.

Wasser im Garten von Heidrun König aus Birresborn (Foto: Heidrun König)
Von ihrem Balkon fotografierte Heidrun König die Wassermassen in ihrem Garten. Sie habe sich zwar immer ein Haus am See gewünscht, sagt sie lachend, aber keinen aus Schlamm. Heidrun König Bild in Detailansicht öffnen
In dem Teich lebten ursprünglich einmal 42 Fische. Neun konnte Heidrun König nochmal einfangen, weitere zwei fing der Nachbar ein. Alle anderen waren weg. Nun bekommt sie zwar nochmal 13 neue Fische, aber es sei unfassbar viel Arbeit gewesen, den Teich wieder herzurichten. Der Schlamm sei immer noch nicht vollständig weg. Bild in Detailansicht öffnen
Die Flut hat den Pool der Nachbarskinder in den Garten von Heidrun König gespült. Heidrun König Bild in Detailansicht öffnen
1,8 Meter hat das Wasser im Garten von Heidrun König gestanden. Mehrere Wochen hat sie jeden Tag zwischen 10 und 15 Stunden in Haus und Garten gearbeitet. Mittlerweile fühle sie sich wenigstens in ihrem Garten wohl, sagt sie. Andrea Meisberger Bild in Detailansicht öffnen
20 Zentimeter hat das Wasser in der Ferienwohnung von Heidrun König in Birresborn gestanden. Mittlerweile hat sich durch die Feuchtigkeit in der Wohnung Schimmel an den Wänden gebildert. Es riecht muffig. Bild in Detailansicht öffnen
Heidrun König steht in ihrer Ferienwohnung in Birresborn. Mittlerweile ist der Laminatboden rausgerissen worden. Aber es ist noch viel zu tun. Laut einem Gutachter muss die gesamte Ferienwohnung entkernt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Heidrun König hat nach der Flut all ihre Möbel, die noch zu retten waren, in den Wintergarten gestellt. Vieles davon sei kaputt, sagt sie. Die Türen des Wintergartens ließen sich nicht mehr öffnen - sie seien aufgequollen. Bild in Detailansicht öffnen

Hochwasser auch im Garten der Birresbornerin

Der Garten sei ein riesiger Schlammsee gewesen, erzählt die Birresbornerin. Der Teich, in dem sonst 49 Fische lebten, war nicht mehr zu sehen. Der Swimmingpool der Nachbarkinder lag in der hinteren Ecke des Gartens. 1,8 Meter stand das Wasser in ihrem Garten und sei letztendlich in die Wohnung gelaufen.

Gutachten fand per Videoschalte statt

Weil der Strom, das Internet und die Telefonleitungen ausgefallen sind, konnte Heidrun König den Schaden erst zwei Tage nach der Flutkatastrophe melden. Schließlich vermittelte ihr ihre Versicherung einen Gutachter.

Der Gutachter sei allerdings nicht persönlich vorbeigekommen, erzählt sie. Die Seniorin sollte mit ihrem Handy durch die Wohnung laufen und dem Gutachter die Schäden vorführen. Ein Unding, sagt die 77-Jährige. Zwar könne sie einigermaßen gut mit dem Handy umgehen, aber viele andere in ihrem Alter hätten damit sicher Probleme gehabt.

"Ich konnte gar nicht alle Schäden zeigen, weil ich nicht überall hin kam. Auf einem Video ist vieles einfach nicht zu erkennen."

Nach langem Hin und Her habe die Versicherung einen anderen Gutachter geschickt, der auch zu Heidrun König nach Hause in die Vulkaneifel gekommen sei. Dieser habe dann festgestellt, dass die Wohnung entkernt werden müsse.

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Versicherung meldet sich nicht mehr

Zuerst sei die Versicherung sehr kooperativ gewesen und habe sogar 2.500 Euro gezahlt, um erste Schäden zu beseitigen. Doch als es dann darum ging, eine Firma zu finden, die beispielsweise die Fußböden neu macht, sei das nur über Hürden gegangen.

Zuerst habe man sie dazu angewiesen, spezielle Firmen anzurufen, obwohl Heidrun König angeboten hatte, dass ihr Nachbar, der ebenfalls eine entsprechende Firma besitzt, das erledigen könnte. Erst als die vorgeschriebenen Firmen abgesagt hatten, habe der Nachbar den mittlerweile drei Wochen im Wasser liegenden Laminatboden entfernen dürfen.

Aber dann meldete sich die Versicherung nicht mehr. Am 18. August habe sie das letzte Mal mit ihr Kontakt gehabt, sagt die 77-Jährige.

"Ich fühle mich im Stich gelassen. Ich will endlich wissen, wie es weitergeht."

Den Schriftverkehr habe sie aufgehoben. Mehrfach habe sie der Versicherung Fotos und E-Mails geschickt.

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Versicherung beruft sich auf ein Missverständnis

Erst, nachdem die SWR-Anfrage bei der Versicherung eingegangen war, meldete sich diese bei Heidrun König. Auch eine Baufirma rief bei ihr an, um einen Termin zu vereinbaren. Es sei alles "ein Missverständnis" gewesen, teilte die Versicherung dem SWR mit.

Einnahmen fallen komplett aus

Heidrun König hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Doch ihrer Ansicht nach hätte alles viel schneller gehen können. Denn ihr ist es wichtig, die Ferienwohnung so schnell wie möglich wieder vermieten zu können.

"Ich habe nur eine kleine Rente und jetzt keine Mieteinnahmen mehr. Das hier ist mein Lebenswerk gewesen."

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