Rettungsdienste und Lieferanten haben einen Chip, der die Poller herunterfahren lässt, sodass diese hineinfahren können. (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Mehr Sicherheit für die Trierer Innenstadt

Wann kommen die neuen Poller für Trier?

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Nach der Trierer Amokfahrt soll ein Sicherheitskonzept in der Trierer Innenstadt umgesetzt werden. In zehn Zonen soll es versenkbare Poller, aber auch dauerhafte und demontierbare Blockaden geben. Wie weit ist das Projekt?

Der Trierer Stadtrat hatte im April mit großer Mehrheit das sogenannte "Urbane Sicherheitskonzept" beschlossen. Damit soll die Fußgängerzone erweitert und mit versenkbaren Pollern, festen und bei Bedarf beweglichen Barrieren gesichert werden.

Die Stadt hat die Fußgängerzone und die Zufahrtsstraßen in zehn Zonen aufgeteilt. Diese sollen laut Konzept unterschiedlich gesichert werden und deshalb auch unterschiedliche Zugangsberechtigungen haben.

Die Innenstadt wird in zehn Sicherheitszonen eingeteilt, die unterschiedlich gesichert und zu unterschiedlichen Zeiten fertiggestellt werden sollen. (Foto: Stadt Trier)
Die Innenstadt wird in zehn Sicherheitszonen eingeteilt, die unterschiedlich gesichert und zu unterschiedlichen Zeiten fertiggestellt werden sollen. Stadt Trier

Im Bereich des Doms, der Konstantinstraße und der Neustraße wird die Fußgängerzone ausgeweitet, sodass hier keine Autos mehr gefahren oder geparkt werden dürfen.

Weitere Straßen sollen zukünftig nur noch für Stellplatzinhaberinnen und -inhaber befahrbar sein. Verkehr und Lieferverkehr sollen in der Innenstadt grundsätzlich räumlich und zeitlich eingeschränkt werden.

Wie komme ich zukünftig in die Innenstadt?

Zwischen 6 und 10 Uhr werden die Poller heruntergefahren, zum Beispiel auch für den Lieferverkehr. Danach kommt man nur noch zu Fuß in die Fußgängerzone. Es sei denn, man hat eine Sonderberechtigung.

Diese stellt die Stadt auf Antrag aus, beispielsweise für Menschen, die einen Stellplatz in der Innenstadt haben. Oder Handwerker, die ausnahmsweise einfahren müssen. Ob diese Menschen mit einem Transponder, Chip, QR-Code oder Ähnlichem Zugang erhalten, werde derzeit noch geklärt.

Versenkbare und demontierbare Poller sind grün gekennzeichnet. Ausfahrten sind mit gelb markiert, während feste Straßensperren rot sind.

Auf jeden Fall, sagt die Stadt, werden Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste und Müllabfuhr dauerhaft in die Fußgängerzone einfahren können. Sie werden die Berechtigungen und eine Möglichkeit erhalten, die Poller herunterzufahren.

Wie lange dauert es, bis die Innenstadt so gesichert ist?

Der Baubeginn für die erste Zone, Zone 3 "Domfreihof", soll laut Stadt diesen Herbst sein. Derzeit laufe die Ausschreibung dafür. Die Zone soll im Frühjahr 2022 fertig werden.

Auch die Zonen 2 "Hauptmarkt" und 10 "Fußgängerzone West" sollen noch 2022 fertig sein. In der Stadtratssitzung Ende September soll der Bau beschlossen werden. Das gesamte urbane Sicherheitskonzept soll 2024 umgesetzt sein.

Wie viel kostet das Ganze?

Laut Stadt ist mit Gesamtkosten von etwa sechs Millionen Euro zu rechnen. Man rechne aber mit einer Übernahme der förderfähigen Kosten in Höhe von 90 Prozent. Es seien Bundesmittel aus dem Förderprogramm "Lebendige Zentren – Erhalt und Entwicklung der Stadt- und Ortskerne" in Aussicht gestellt worden.

In der Glockenstraße in Trier gibt es schon seit Dezember 2019 solche versenkbaren Poller. Weitere sollen als nächstes rund um den Dom hinzukommen. (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
In der Glockenstraße in Trier gibt es schon seit Dezember 2019 solche versenkbaren Poller. Weitere sollen als nächstes rund um den Dom hinzukommen. Andrea Meisberger

Was muss rechtlich beachtet werden?

Im Zuge des Sicherheitskonzepts muss teilweise das straßenrechtliche Verfahren der sogenannten "Teileinziehung" durchgeführt werden. Einige Straßen werden damit von öffentlichen Straßen zur Fußgängerzone oder zu Straßen mit eingeschränktem Nutzerbereich umgewidmet.

Die erforderliche Zustimmung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) liege vor. Der LBM sehe die Teileinziehung als begründet und das Verfahren als ordnungsgemäß an.

Gab es Einwände gegen die neuen Maßnahmen?

Nach Angaben der Stadt gab es zwei Einwendungen von Betroffenen im offiziellen Verfahren. Dabei sei es unter anderem um die Anlieferung von kühlkettenpflichtigen Medikamenten an die dortigen Apotheken gegangen.

Die Stadt habe den Apotheken zugesichert, eine Ausnahmegenehmigung für einen frei zu wählenden Großhändler zu erhalten. Damit auch innerhalb der Sperrzeiten die wichtigen Medikamente angeliefert werden können.

Außerdem solle es in Kürze Gespräche über das weitere Vorgehen mit den Unternehmerverbänden, dem Einzelhandelsverband, der Industrie-und Handelskammer, der City Initiative und dem Behindertenbeirat der Stadt Trier geben.

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