Der mutmaßliche Amokfahrer von Trier wird am zweiten Verhandlungstag in den Gerichtssaal geführt (Foto: SWR, Claudia Krell)

Beweisaufnahme am zweiten Verhandlungstag

Polizisten sagen im Amok-Prozess am Trierer Landgericht aus

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Am zweiten Tag des Amok-Prozesses am Trierer Landgericht hat die Beweisaufnahme begonnen. Als erste Zeugen sagten zunächst Polizeibeamte aus.

Einer der Polizisten, die am Tag der Amokfahrt bei der Festnahme vor Ort waren, sagte am Freitag, er habe den Eindruck gehabt, dass ihn der Angeklagte damals stoisch und leicht grinsend anschaute.

Ein zweiter Polizist erklärte, das gelassene Verhalten des Angeklagten habe ihn damals stutzig gemacht.

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Angeklagter leistete bei Festnahme keinen Widerstand

Beamte sagten am Freitag außerdem aus, der Angeklagte habe auf die wiederholte Anweisung der Polizisten, die Hände hoch zu heben und sich auf den Boden zu legen, nicht reagiert.

Mit einer bestimmten Polizeitechnik - dem sogenannten Armstreckhebel - habe man ihn zu Boden gebracht. Gewehrt habe er sich nicht. Bei dieser ganzen Prozedur habe er allerdings gesagt, dass man ihm weh getan habe.

Beweisaufnahme wird am 21. September fortgesetzt

Mit diesen Aussagen hat in dem Verfahren gegen den 51-jährigen mutmaßlichen Amokfahrer die Beweisaufnahme begonnen, die sich voraussichtlich über viele Verhandlungstage erstrecken wird.

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Dem Angeklagten wurden am Freitag die Handfesseln abgenommen, damit er sich Notizen machen konnte. Bei einigen Zeugenaussagen schrieb er mit. Aussagen machte der Angeklagte auch am zweiten Verhandlungstag nicht.

Am ersten Prozesstag waren lediglich 15 Seiten der Anklageschrift verlesen worden. Da der Angeklagte keine Angaben zu seiner Person oder den Vorwürfen machte, wurde für den folgenden Verhandlungstag der Beginn der Beweisaufnahme vorgesehen.

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Die Beweisaufnahme soll am 21. September fortgesetzt werden. Dann sollen weitere Polizeibeamte befragt werden. Außerdem sollen die ersten zivilen Zeugen zu Wort kommen, die das Ganze beobachtet haben.

Oberstaatsanwalt Eric Samel geht davon aus, dass der Prozess mindestens die ursprünglich angesetzten 26 Tage dauern wird. Das liege vor allem an den zahlreichen Zeugen und dem vielen Beweismaterial. Es wird auch am Jahrestag der Amokfahrt, dem 1. Dezember 2021, verhandelt.

Diese Fragen sind während des Prozesses noch zu klären

Der mutmaßliche Täter ist wegen fünffachen Mordes und 18-fachen versuchten Mordes vor dem Landgericht in Trier angeklagt. Für Mord sieht das Gesetz nach Angaben von Oberstaatsanwalt Eric Samel eine lebenslange Haftstrafe vor.

Jedoch seien in der Hauptverhandlung noch viele Fragen offen. Es müsse geklärt werden, ob eine eingeschränkte oder aufgehobene Schuldfähigkeit vorliege. Zudem stehe die Frage im Raum, ob es zu einer anschließenden Sicherungsverwahrung oder der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik kommen werde.

Nebenklage fordert Einblick in psychiatrisches Gutachten

Der Rechtsanwalt Otmar Schaffarczyk, der einen der Nebenkläger vertritt, erklärte, er habe beantragt, dass die Nebenklage Einsicht in das psychiatrische Gutachten bekomme. Das sei ihm bislang verweigert worden, weil in dem Gutachten auch sensible Daten stehen würden, wie beispielsweise Angaben über mögliche Krankheiten des Angeklagten. Darüber müsse nun von der Kammer entschieden werden.

Das Gutachten sei jedoch ein wichtiger Aspekt, weil daran auch die Schuldfrage gekoppelt sei. Er werde sich nicht damit zufrieden geben, dass er einen kurzen Einblick an einem der Verhandlungstage bekomme.

Mit dem Geländewagen durch die Innenstadt

Der Angeklagte soll am 1. Dezember vergangenen Jahres mit einem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein. Dabei soll er das Auto gezielt als Waffe eingesetzt haben, um so viele Menschen wie möglich zu töten oder zu verletzen, so die Staatsanwaltschaft. Ein erst neun Wochen altes Mädchen, sein 45-jähriger Vater, eine 25-jährige Studentin, eine 52-jährige Lehrerin und eine 73-jährige Rentnerin kamen ums Leben.

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