Wasserlinse im Moor Ochsenbruch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald (Foto: SWR, Lara Bousch)

Naturschutzgebiete und Klimawandel

Trotz Dürre: Noch immer Wasser in Hunsrücker Mooren

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Lara Bousch

Wie ein Wunder: Nach wochenlanger Dürre und Hitze sind die Moore im Nationalpark Hunsrück noch immer voll mit Wasser.

Viele von uns verbinden etwas Gruseliges mit Mooren. Etwa, dass darin Menschen verschwinden, dass es dort spukt oder einfach nur, dass es dort immer neblig ist. Doch eigentlich verdienen Moore einen Imagewechsel, weil sie in Zeiten des sich verändernden Klimas erstaunliches vollbringen.

Schatz im Wald

Tatsächlich sehen auch Teile des Nationalparks Hunsrück-Hochwald gerade etwas gruselig aus. An vielen Orten reihen sich kahle Gerippe aneinander, als würden sie eine Mahnwache an den Klimawandel abhalten. Ranger Hartmut Hoffmann erklärt mir, dass es tote Nadelbäume, meistens Fichten sind, die durch die Trockenheit und den Borkenkäfer dahingerafft wurden.

Tote Bäume im Nationalpark Hunsrück-Hochwald (Foto: SWR, Lara Bousch)
Die Trockenheit und der Borkenkäfer haben im Nationalpark Hunsrück Hochwald viele tote Bäume hinterlassen. Im Park wird die Natur sich größtenteils sich selber überlassen, deshalb werden die toten Bäume stehen gelassen. Lara Bousch

Doch läuft man tiefer in den Wald, eröffnet sich einem auf einmal eine saftig grüne Lichtung, wie eine Oase in der Wüste. Was aussieht, wie eine frische Wiese, ist in Wahrheit ein Moor, erklärt der Ranger. Der Ochsenbruch ist bedeckt mit vielen Sorten Moos, Farnen, Moorbirken und etlichen weiteren Arten, die sich auf dieses feuchte Gebiet spezialisiert haben.

Moor Ochsenbruch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald (Foto: SWR, Lara Bousch)
Was aussieht wie eine Lichtung ist der Ochsenbruch, ein Moor. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Diese kleinen, krumm gewachsene Bäumchen sind Moor-Birken. Auch wenn sie schmächtig aussehen, so sind diese Exemplare rund 300 Jahre alt, sagt der Ranger des Nationalparks Hartmut Hoffmann. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Der Ranger zeigt mir eine Wasserlinse. Obwohl es seit Monaten nicht nennenswert geregnet hat, ist hier Wasser. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Das Torfmoos ist eine der wichtigsten Pflanzen für das Moor. Es besitzt spezielle wasserspeichernde Zellen, die mit Löchern versehen sind und enorm viel Wasser speichern können. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Es wächst endlos nach oben weiter und stirbt an seinen Enden, wo das Wasser steht ab. Aus den abgestorbenen Teilen bildet sich Torf. Die Pflanze sorgt für ein saures Umfeld. Durch den niedrigen pH-Wert und den fehlenden Sauerstoff werden im Moor keine Pflanzenreste zersetzt. Deshalb speichern Moore so viel CO2. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Es gibt sehr viele unterschiedliche Torfmoose. Alle sind so selten, dass sie auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen und besonders geschützt werden. Außerdem wachsen sie sehr langsam, ungefähr 19 Millimeter pro Jahr. Diese Moose dürfen nicht aus dem Wald entnommen werden. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen

Das Super-Moos

Genau hier versteckt der Wald seinen kostbarsten Schatz. Das Torfmoos und der Torf halten mitten an einem Hang enorme Mengen an Wasser fest und das sogar jetzt noch nach einer wochenlangen Dürre. "Wenn man ein bisschen vom Torfmoos nimmt und es ausquetscht, ist es wie eine nie versiegende Quelle", sagt der Ranger und demonstriert es.

Behutsam legt er das vom Aussterben bedrohte Moos wieder zurück. Torfmoose sind so aufgebaut, dass sie zwischen ihren Zellen Wasser speichern können. Die unscheinbare Pflanze kann mehr als das 30-fache ihres Eigengewichts an Wasser speichern. Sie besitzt keine Wurzeln, sondern stirbt an ihrem unteren Ende immer wieder ab und wächst einfach oben nach. Aus den abgestorbenen Teilen bildet sich der Torf.

Moore helfen gegen Dürre und Sturzregen

So gesehen ist der Ochsenbruch wie ein riesengroßer Schwamm und hat so einige Eigenschaften, die sehr praktisch sind gegen die Folgen des Klimawandels.

"Durch diese Moore wird extremer Niederschlag sehr gebremst, zurückgehalten und das Wasser danach dosiert abgegeben."

In Zeiten von Dürre gibt es hier also noch immer Wasser und wenn es mal zu viel regnet, schützen Moore vor Flutereignissen. Und das war noch nicht alles. "Zehn Zentimeter Torf speichern so viel CO2 wie ein 100 Jahre alter Buchenwald", erklärt Hartmut Hoffmann. Und an manchen Stellen haben die Ranger eine Dicke von zwei Metern Torf gemessen. Auf etwa 100 Hektar im Nationalpark gibt es noch Moore.

Arbeit um Moore wieder herzustellen zeigt Erfolg

Dass es im Ochsenbruch und in den anderen Mooren jetzt Wasser gibt, ist nicht selbstverständlich. Früher wurden die Moore mit Gräben entwässert, um darauf Fichten zu pflanzen oder Landwirtschaft zu betreiben. Was man damals nicht wusste: Trocknet das Moor aus, verschwindet nicht nur dieser besondere Lebensraum für viele Arten. Es entstehen auch klimaschädliche Gase wie CO2 und Lachgas.

In mühseliger Handarbeit hat die Renaturierung der Moore 2012 begonnen. Mit einem Förderprogramm der EU, der Stiftung für Umwelt und Natur Rheinland-Pfalz und dem Verein Bergwaldprojekt wurden im Nationalpark viele Entwässerungsgräben mithilfe von Spundwänden geschlossen.

Wie sich die Moore nach noch nicht einmal zehn Jahren entwickelt haben, verblüfft sogar Ranger Hartmut Hoffmann. Sie hätten nicht gedacht, dass sich die Moore so gut entwickeln.

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