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Das Modehaus Marx in Trier geht auf Nummer sicher: Um im nächsten Lockdown als systemrelevant zu gelten, werden jetzt auch Lebensmittel und Hygieneartikel verkauft.

Im Lichthof des Modehauses Marx, wo sonst Handtaschen angeboten werden, stehen seit dieser Woche Ständer und Regale mit Wein, Olivenöl und Toilettenpapier.

Mit abgepackten Lebensmitteln und systemrelevanten Hygieneartikeln will das Modehaus in der Trierer Innenstadt eine neuerliche Schließung umgehen.

"Wir haben gelernt, dass es Sortimente gibt, wo das Virus keine Chance hat. Das ist eben der Lebensmittel- und Drogeriebereich. Da wir andauernd geschlossen werden, haben wir gesagt, nehmen wir einfach diese Produkte auf, dann ist der Kunde bei uns auch sicher."

Karin Kaltenkirchen, Geschäftsführerin Modehaus Marx

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Einzelhändler müssen schließen, Discounter bleiben auf

Wegen des ständigen Wechsels aus Lockdown, Terminshopping und normalem Betrieb blieben die Kunden aus. Gleichzeitig durften die großen Lebensmittelketten offenbleiben und viele Artikel aus dem "Non Food" Bereich verkaufen. Gegen diese Ungerechtigkeit möchte Karin Kaltenkirchen mit ihrer Sortimentserweiterung protestieren.

"Ich möchte es einfach mal darauf ankommen lassen. Wir haben einen separaten Eingang für den Lebensmittelbereich, können ihn vom Textilbereich trennen. Ich bin gespannt, ob man uns diesen Bereich dann auch schließen wird."

Karin Kaltenkirchen, Geschäftsführerin Modehaus Marx
2 bekleidete Schaufensterpuppen im Modehaus Marx - im Hintergrund steht jede Menge Klopapier (Foto: SWR, Marc Steffgen)
Neben Mode werden auch Hygienartikel verkauft. Marc Steffgen Bild in Detailansicht öffnen
Feinkost von Produzenten aus der Region Trier wird angeboten. Marc Steffgen Bild in Detailansicht öffnen
Das Modehaus verkauft zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte Lebensmittel. Marc Steffgen Bild in Detailansicht öffnen
Mode und Lebensmittel werden nebeneinander verkauft. Marc Steffgen Bild in Detailansicht öffnen
Bei den Kunden kommt das neue Sortiment gut an. Marc Steffgen Bild in Detailansicht öffnen
Das Modehaus Marx zieht den neuen Lebensmittelbereich als Concept Store. Marc Steffgen Bild in Detailansicht öffnen

Lebensmittel aus der Region werden verkauft

Die Unternehmerin sieht den neuen "Concept-Store" nicht nur als Protestaktion. In Zusammenarbeit mit einer Trierer Feinkosthändlerin verkauft Karin Kaltenkirchen seit dieser Woche Produkte aus Trier und Umgebung, die auch die Kunden ansprechen sollen.

Es gibt Kaffee einer kleinen Rösterei, Bier einer lokalen Brauerei und Suppen von einem vietnamesischen Bistro aus Trier. Die ersten Kunden signalisierten bereits, dass das erweiterte Sortiment auch nach Corona bleiben könne.

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