Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (Foto: SWR)

Münchener Missbrauchsgutachten

Trierer Bischof Ackermann fordert Reaktion von Ex-Papst Benedikt

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Der Trierer Bischof Ackermann fordert nach dem Münchener Missbrauchsgutachten eine Reaktion vom früheren Papst Benedikt.

Das Gutachten bestätige, was schon durch andere Gutachten und Untersuchungen bekannt sei, sagte Ackermann. "Es erschüttert mich einmal mehr, schwarz auf weiß zu sehen, welches Leid Menschen in unserer Kirche erfahren haben und erfahren."

"Für viele Gläubige kaum mehr zu fassen und zu ertragen."

Dass in diesem Fall auch einem ehemaligen Papst schwere Verfehlungen vorgeworfen werden, sei für viele Gläubige kaum mehr zu fassen und zu ertragen, so der Trierer Bischof weiter. "Deshalb halte ich es für sehr notwendig, dass sich nicht nur Kardinal Marx und seine noch lebenden Vorgänger zu dem Gutachten verhalten, sondern auch der emeritierte Papst."

Kardinal Marx war vor seiner Zeit in München Bischof von Trier und Amtsvorgänger von Stephan Ackermann.

Die Zeit der symbolischen Gesten sei endgültig vorbei, so Ackermann. Denn gegenwärtig und zukünftig würden solche Gesten nur eine Wirkung entfalten können, wenn sie echt, durch ehrliche und konsequente Aufarbeitungsprozesse und durch zukunftsgerichtete Maßnahmen unterlegt seien.

Trier

Münchner Studie zum Missbrauch in der Katholischen Kirche Bischöfe in Rheinland-Pfalz erschüttert von Missbrauchsskandal

Nach dem Limburger Bischof Bätzing kritisieren weitere Bischöfe Benedikt XVI. und seine Rolle im Missbrauchsskandal. Der frühere Papst hat inzwischen eine Falschaussage eingeräumt.  mehr...

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Benedikt korrigiert Äußerungen zum Gutachten

In einer Stellungnahme seines Privatsekretärs räumte Benedikt am Montag eine Falschaussage in dem Gutachten ein. Demnach war er anders als behauptet, im Jahr 1980 doch bei einer Sitzung dabei, als es um einen mehrfach wegen Kindesmissbrauchs auffälligen Priester ging, der später wieder als Seelsorger eingesetzt wurde.

Die falsche Aussage Benedikts sei nicht aus böser Absicht geschehen, sondern Folge eines "Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung seiner Stellungnahme", fügte der Sekretär hinzu. Wie es dazu kam, werde er in einer noch ausstehenden Stellungnahme erklären. "Dieser Fehler tut ihm sehr leid und er bittet, diesen Fehler zu entschuldigen."

Objektiv richtig bleibe aber die Aussage, dass in dieser Sitzung über einen seelsorgerlichen Einsatz des betreffenden Priesters nicht entschieden worden sei, betonte der Privatsekretär des früheren Papstes.

Gutachter fanden Hinweise auf 235 Täter

Die unabhängigen Gutachter der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl hatten Hinweise auf mindestens 497 Betroffene sexualisierter Gewalt und 235 Täter zwischen 1945 und 2019 im Erzbistum gefunden.

Pädophile Priester und der emeritierte Papst. Ein Kommentar Joseph Ratzinger – vom Vertuscher zum Papst

Auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat als Erzbischof von München und Freising von Missbrauchsfällen gewusst und sie vertuscht. Die Katholische Kirche verdient nicht länger ihre politische Sonderrolle, meint Martin Rupps.  mehr...

Dem emeritierten Papst Benedikt XVI. wiesen die Gutachter in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising (1977-1982) Verfehlungen in vier Fällen nach. Der 94-Jährige bestritt die Vorwürfe in einer dem Gutachten beigefügten 82-seitigen Stellungnahme.

Gespräch Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt – Weiterer Sargnagel für Katholische Kirche

Das Gutachten über Missbrauchsfälle im Erzbistum München zeige das Bild einer Kirche, die vor allem an ihrem Ruf nach außen und an der Macht klerikaler Männerbündnisse in ihrem Inneren interessiert sei, sagt Matthias Möhring-Hesse in SWR2, Professor für Theologische Ethik und Sozialethik an der Universität Tübingen. Der Inhalt des Gutachtens könne insofern nicht überraschen. Die Münchner Gutachter waren unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass allein der emeritierte Papst Benedikt XVI. als früherer Münchner Erzbischof in vier Fällen gegen Missbrauchstäter nicht vorgegangen war.
Die Folgen dieser Erkenntnisse für die Katholische Kirche ließen sich noch nicht absehen, sagt Matthias Möhring-Hesse. Aber aus dem Rückblick werde man eines Tages womöglich sagen müssen, dass das Gutachten „ein weiterer Sargnagel für die Kirche ist, für die Papst Benedikt steht, ein weiterer Schub für den Niedergang dieser Kirche.“
Das Selbstinteresse der Kirchenvertreter sei offensichtlich so groß gewesen, dass darüber Anstand und Recht verloren gegangen seien. Das Gutachten zeige sowohl die individuelle Schuld, die mit Kardinal Ratzinger, Kardinal Friedrich Wetter und Kardinal Reinhard Marx gleich drei Münchner Bischöfe auf sich geladen hätten, zugleich aber auch das langjährige systematische Versagen darin, diese Schuld anzuerkennen.
Institutionellen Druck habe zugleich verursacht, dass Ratzinger später Papst geworden sei. „Umso mehr sollte und darf man schätzen“, so Möhring-Hesse, „dass sich Kardinal Marx diesem Druck auch widersetzt und dieses Gutachten in Auftrag gegeben hat, von dem er doch wusste, dass dabei Kardinal Ratzinger eben auch schlecht aussehen würde.“  mehr...

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Missbrauchsfälle in katholischer Kirche Wie kann es nach dem neuen Gutachten weiter gehen?

Bei einem Gutachten zu Missbrauchsfällen in den katholischen Erzbistümern München und Freising i geht es unter anderem auch um die Rolle des amtierenden Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx, ehemals Bischof von Trier.  mehr...

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