Frisch gebackene Eifeler: Die Adams aus Köln vor ihrem neuen Zuhause in der Vulkaneifel. (Foto: SWR)

Von der Stadt aufs Land

Immer mehr Großstädter ziehen in die Vulkaneifel

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Lara Bousch
Lara Bousch ist Reporterin im SWR Studio Trier (Foto: SWR)

Seit Corona zieht es immer mehr Menschen aus Köln, Bonn oder dem Süden Deutschlands in die Vulkaneifel. Makler aus der Region Trier sprechen von einem Hype.

Die Adams wohnen noch in einer 40 Quadratmeter großen Wohnung in Köln, doch Anfang dieser Woche haben sie die Schlüssel ihres neuen Hauses in einem Ort nahe Gerolstein mit etwa 900 Einwohnern bekommen.

Sara Adams sagt: "Wir waren ein bisschen eingeengt. Jetzt haben wir natürlich mit über 1.000 Quadratmetern Grundstück genug Platz, um uns zu entfalten."

Immobilienmakler sprechen von einem Trend

Die Immobilienmaklerin Sabine Schwiemann erklärt sich die steigende Nachfrage nach Häusern in der Vulkaneifel seit der Corona-Pandemie vor allem durch die neuen Arbeitsmodelle. Sie erlauben es, von zu Hause aus zu arbeiten. Es sei egal, ob man dabei in der Stadt oder auf dem Land wohne.

Auch die großen Preisunterschiede der Immobilien in Städten und auf dem Land würden die Menschen aus Städten motivieren, in die Vulkaneifel zu ziehen. Hinzu komme die Aussicht auf mehr Ruhe, Platz und Natur.

Immobilien-Preise in der Eifel steigen seit zwei Jahren

Die hohe Nachfrage habe natürlich Auswirkungen auf die Preise. Vor allem, weil es in der Vulkaneifel wenig Angebote gebe, so Maklerin Schwiemann. Außerdem sei der Markt aktuell sehr agil, manche Häuser seien drei Tage, nachdem sie auf den Markt kommen, schon verkauft.

Eine SWR-Umfrage bei den Immobilienmaklern in der Region hat ergeben, dass die Preise für Immobilien in den vergangenen zwei Jahren um 30 Prozent gestiegen sind. Viele Makler berichten, sie hätten teilweise so viele Anfragen, dass sie gar nicht hinterherkommen, diese zu beantworten.

Ruhe, Natur und eine schöne Aussicht, das suchen Großstädter in der Vulkaneifel. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Ruhe, Natur und eine schöne Aussicht: Das suchen Großstädter in der Vulkaneifel. Lara Bousch

Manche Objekte sind enorm gefragt

Doch Maklerin Schwiemann mahnt: "Nicht alle Immobilien sind teurer geworden." Vor allem seien Ferienhäuser, Ein- oder Zweifamilienhäuser gefragt. Sehr gesucht seien Häuser mit besonderen Merkmalen, wie zum Beispiel historische Gebäude, die sehr gut saniert wurden oder romantische Gebäude. Bei solchen Objekten kämen auch mal Preissteigerungen von 100 Prozent vor.

Der Fachkräftemangel vereinfacht die Arbeitssuche

Die Adams aus Köln mussten nicht lange suchen, bevor sie etwas Passendes in der Vulkaneifel gefunden haben. Die beiden ersten Häuser, die sie kaufen wollten, schnappten ihnen andere vor der Nase weg. Beim dritten Anlauf hat es dann geklappt.

Die Großstädter haben sich auch neue Jobs in der Eifel gesucht. Die Suche verlief unproblematisch. Beide haben nach wenigen Bewerbungen ihren Wunsch-Job bekommen. Als Mechatroniker und Krankenpflegerin konnten sie in der Vulkaneifel vom Fachkräftemangel profitieren.

Die Kölner hatten keine Schwierigkeiten als Mechatroniker und Krankenpflegerin neue Arbeitsstellen in der Vulkaneifel zu finden. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Die Kölner hatten keine Schwierigkeiten als Mechatroniker und Krankenpflergerin neue Arbeitsstellen in der Vulkaneifel zu finden. Lara Bousch

"Man hat gemerkt, dass die Leute in der Eifel offener sind, wenn man einen Job sucht. Es ist nicht wie in den städtischen Gegenden, wo Arbeitgeber sich denken, dass sie alle fünf Minuten einen neuen Bewerber kriegen können."

Nachteile für Eifelerinnen und Eifeler

Was die Menschen aus der Stadt freut, ist für die Menschen in der Vulkaneifel nicht unbedingt erfreulich. Immobilienmaklerin Schwiemann betont zwar, dass es gut sei für die Vulkaneifel, wenn mehr Menschen dorthin ziehen, eventuell auch mit Kindern.

Doch aktuell ist es für Ortsansässige weniger interessant, ein Haus zu kaufen als vor der Pandemie. Die Preise seien stark gestiegen.

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