Redaktionskonferenz beim inklusiven Medienteam "Tacheles" der Lebenshilfe Trier.  (Foto: SWR)

Inklusion und Journalismus

Trierer Projekt "Tacheles" sorgt für mediale Vielfalt

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Menschen mit Beeinträchtigungen haben oft einen anderen Blick auf die Welt. Warum der spannend und informativ sein kann, zeigt das neue Medienprojekt "Tacheles" der Lebenshilfe Trier.

Patrick Loppnow hört aufmerksam zu. Es ist Redaktionskonferenz und es wird das nächste Interview besprochen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen soll befragt werden. Loppnow soll das Interview führen. Nicht das erste für ihn. Der 39-Jährige gehört zu den zehn Mitarbeitern mit Beeinträchtigung, die für "Tacheles" arbeiten.

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Öffentlichkeit für Themen sensibilisieren

In der Konferenz werden die Einzelheiten für das Gespräch besprochen und die Frage, was die Politik für mehr Inklusion tun kann. Lucas Blasius gibt Tipps für das Interview und welche Aspekte noch interessant sein könnten. Blasius ist Journalist und Projektleiter von "Tacheles".   

"Die Interessen von Menschen mit Beeinträchtigungen sollen öffentlich werden. Wir versuchen, was sie bewegt, in die Medien zu bringen."

Berichterstattung für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen

Erst seit vergangenem Jahr gibt es die Redaktion. Gefördert wird das Projekt durch "Die Aktion Mensch". Neben anderen Medien kooperiert auch der SWR mit dem Tacheles-Team. Vieles sei noch im Aufbau, sagt Blasius. Die Öffentlichkeit für das Leben und die Herausforderungen von Menschen mit Beeinträchtigung zu sensibilisieren, sehen sie als ihre Hauptaufgabe hier. Berichtet wird in unterschiedlichen Formen: als Video auf YouTube, Audio-Podcast oder Zeitungsartikel.

Die Themen sind vielfältig, sagt Blasius. Da gibt es zum Beispiel einen Barriere-Check im Trierer Moselstadion. Patrick Loppnow hat als Rollstuhlfahrer getestet, wie gut er sich dort von A nach B bewegen kann, mit welchen Hindernissen er als Mensch mit Beeinträchtigung konfrontiert wird. Zur Bundestagswahl wurden in der Videoreihe "Politik- inklusiv erklärt" Interviews mit verschiedenen Politikern geführt.

"Mit dem Bundeskanzler Olaf Scholz würde ich schon auch mal gerne sprechen. Wie es so ist als Bundeskanzler, aber auch über den Krieg in der Ukraine."

Denn auch Aktuelles wie der Ukraine-Krieg wird bei "Tacheles" thematisiert. So erklärt ein Politikwissenschaftler der Universität Trier im Gespräch mit Reporter Patrick Loppnow den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland.

Einfache Sprache für komplexe Inhalte finden

Viele mediale Angebote sind für Menschen mit Beeinträchtigungen nicht geeignet, sagt Lucas Blasius. Zum einen, weil sie der Berichterstattung nicht folgen können. Und zum anderen gebe es zu wenig Informationsangebote in einfacher Sprache. Viele der Betroffenen können auch nicht oder nur eingeschränkt lesen. Artikel ohne Bilder oder Videos überfordern schnell und werden nicht verstanden.

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Das will das Medienteam "Tacheles" besser machen. Dazu gehört auch, dass Interviews in einfacher Sprache geführt werden. Das heißt wenige Fachbegriffe, viele Hauptsätze, wenig Nebensätze. Das klappe ganz gut, sagt Blasius.

Bisher hätten sich alle Gesprächspartner darauf eingelassen und sich vorbereitet. Natürlich gelinge es nicht immer, komplizierte Zusammenhänge ganz einfach zu erklären. Auch da lernen alle noch dazu - die mit und ohne Beeinträchtigungen.

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