Heute beherbgergt das ehemalige Kloster Marienhöh in Langweiler ein Luxushotel.  (Foto: SWR, Christian Altmayer)

Marienschwestern setzen Ansprechperson ein

Theologin soll sich um misshandelte Kinder aus Langweiler kümmern

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Menschen, die als Kinder im Erholungsheim Marienhöhe misshandelt wurden, können sich ab jetzt einer Theologin anvertrauen. Jahrzehntelang hatten sie keinen Ansprechpartner.

Sie wurden von Nonnen zum Essen gezwungen, geschlagen und erniedrigt - so jedenfalls erinnern sich viele Frauen und Männer an ihre Ferien im ehemaligen Kloster Marienhöhe in Langweiler. Dem SWR haben inzwischen Dutzende Menschen ihre Erlebnisse aus den 1960er-Jahren erzählt. Einem Ansprechpartner beim Orden der Marienschwestern von der Unbefleckten Empfängnis konnten sie sich bislang jedoch nicht anvertrauen. Denn es gab bislang keinen.

Eine Postkarte aus der Zeit, als das Kloster Marienhöhe noch ein sogenanntes Kindererholungsheim war.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )
Eine Postkarte aus der Zeit, als das Kloster Marienhöhe noch ein sogenanntes Kindererholungsheim war.

Theologin will Erfahrungsberichte sammeln

Nun hat der Orden der Marienschwestern eine solche Anlaufstelle geschaffen. Die Theologin Barbara Kreichelt soll sich nach Angaben der Generaloberin um die Aufarbeitung der Vorfälle in Langweiler kümmern. Bislang hat sich Kreichelt nach eigenen Angaben noch kein Bild von der Lage machen können. Sie ist erst seit einer Woche im Amt.

Die Theologin habe aber vor, in den nächsten Monaten Erfahrungsberichte von früheren Erholungskindern zu sammeln. Bislang habe sie nur mit einem Mann gesprochen, der dort seine Ferien verbracht habe und die Zeit positiv erinnere. Betroffene von Misshandlungen hätten sich bislang noch nicht bei ihr gemeldet.

Kreichelt hat mit der Aufarbeitung von physischer und psychischer Gewalt in der Kirche allerdings schon Erfahrung. Beim Orden der Steyler Missionare ist sie ebenfalls Ansprechperson für Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs.

Orden: Mutmaßliche Täterinnen sind schon tot

Eineinhalb Jahre ist es her, seit der SWR erstmals über die Vorwürfe berichtet hat. Monika Kilburg aus Wintrich war die Erste, die öffentlich von ihren Erfahrungen erzählt hat. Seitdem haben sich der Wintricherin noch etliche Frauen anvertraut, denen offenbar Ähnliches widerfahren ist. Viele gaben an, noch immer unter den Erinnerungen zu leiden.

Monika Kilburg aus Wintrich war die Erste, die von den Misshandlungen in Langweiler erzählt hat. Danach hat sie mit vielen Betroffenen über deren Erlebnisse gesprochen.  (Foto: SWR, Christian Altmayer)
Monika Kilburg aus Wintrich war die Erste, die von den Misshandlungen in Langweiler erzählt hat. Danach hat sie mit vielen Betroffenen über deren Erlebnisse gesprochen.

Dem Orden der Marienschwestern von der Unbefleckten Empfängnis gehören in Deutschland 37 Schwestern an, die meisten sind über 80 Jahre alt. Die mutmaßlichen Täterinnen von Langweiler seien bereits tot, heißt es bei der Generaloberin. Dennoch sei sie in Gesprächen mit Fachleuten, wolle das Archiv öffnen und Schwestern befragen.

Betroffene können sich unter der E-Mail-Adresse ansprechperson-orden@mailbox.org an Barbara Kreichelt wenden.

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