Luchs in der Eifel gesichtet: Nahe der A1 fotografiert (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Erstmals Luchs in der Eifel fotografiert

Diese 5 Dinge sollten Sie über den Eifel-Luchs wissen

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Nach dem Wolf ist jetzt auch der Luchs wieder da: In einem Wald bei Greimerath (Kreis Bernkastel-Wittlich) ist der erste bestätigte Foto-Nachweis eines Luchses in der Eifel gelungen. Für Förster und Naturfreunde eine kleine Sensation. Schließlich gilt der Luchs seit Anfang des 17. Jahrhunderts in der Eifel als ausgestorben.

Wo genau wurde der Luchs gesichtet?

Eine kleine Wildkamera vor der Wildbrücke über die Autobahn A1 zwischen Greimerath und Willwerscheid in der Eifel hatte die spektakulären Fotos geschossen: Ein katzenähnliches Tier mit einem gefleckten Fell und langen, spitzen Ohren lief Ende September 2020 spätabends vor die Infrarotkamera.

"Die Fotos waren so scharf, dass man das Tier eindeutig als Luchs identifizieren konnte", sagt der zuständige Revierleiter Franck Neygendfind. Eine Mitarbeiterin des Nationalparks Hunsrück-Hochwald bestätigte schließlich, dass das Foto tatsächlich an der Wildbrücke aufgenommen wurde und dass es sich nicht um eine Montage handelte. Hinzu kam, dass ein paar Tage zuvor ein Reh in der Nähe "luchstypisch" gerissen wurde, so der Revierleiter. "Diese beiden Dinge haben eindeutig belegt, dass hier in unserem Bereich jetzt auch der Luchs vorkommt."

Luchs in der Eifel gesichtet: Nahe der A1 fotografiert (Foto: Franck Neygenfind)
Deutlich als Luchs zu erkennen: Die Aufnahme der Wildkamera an der Wildbrücke zwischen Greimerath und Willwerscheid in der Eifel. Franck Neygenfind Bild in Detailansicht öffnen
Die Pinselohren und die markante Fleckung des Fells sind gut zu sehen. Franck Neygenfind Bild in Detailansicht öffnen
An der Wildbrücke bei Greimerath in der Eifel ist der sensationelle Bildnachweis gelungen. Bild in Detailansicht öffnen
Revierleiter Franck Neygenfind zeigt die kleine Wildkamera am Baum. Diese Infrarotkamera hat die Fotos vom Luchs geschossen. Bild in Detailansicht öffnen
Charakteristisch für den Luchs sind seine Pinselohren: Er hat auf den Ohren noch Haarbüschel. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Der Luchs ist ein ausgesprochen scheues Waldtier, das die Nähe des Menschen meidet. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Der Luchs gilt seit Anfang des 17. Jahrhunderts in der Eifel als ausgestorben. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

"Es gab immer schon Hinweise, dass der Luchs auch in Eifel oder Hunsrück vorkommen soll. Bisher hat nur die Bestätigung gefehlt."

Wo kommt der Eifel-Luchs her?

Es gebe mehrere Möglichkeiten, so Revierleiter Franck Neygenfind. Die naheliegendste: Der Luchs könnte aus dem Pfälzer Wald stammen. Dort hat das Land Rheinland-Pfalz im Jahr 2016 ein Wiederansiedlungsprojekt für Luchse gestartet. "Dazu müsste der Luchs über die Mosel gekommen sein und über eine Reihe von Straßen und Autobahnen".

Unmöglich sei das nicht, so der Forstrat. "Ich kann mir vorstellen, dass der Luchs nachts, wenn kein Verkehr ist, über eine Brücke die Mosel überquert hat." Das Tier könnte auch vom Pfälzer Wald über die Vogesen in Frankreich in die Eifel gekommen sein. "Damit hätte er die Mosel als großen Fluss umgangen."

Der Luchs könnte auch aus Belgien in die Eifel gekommen sein. "Auch dort wird immer wieder von Luchsvorkommen berichtet, wenn es auch bisher keine Bestätigung dafür gibt."

Eine weitere, ganz einfache Möglichkeit: Der Luchs stammt bereits aus der Eifel. "Uns wurden in der Vergangenheit immer wieder mal Luchse gemeldet, ohne dass wir das letztendlich bestätigen konnten", so Revierleiter Neygenfind. Diese Luchse könnten bereits Nachwuchs produziert haben. "Es kann also durchaus sein, dass wir es hier mit einem jungen Luchs aus der Eifel zu tun haben." Das sei aber alles Spekulation. "Wir wissen nicht, woher er kam", so der Revierleiter.

Woran erkenne ich den Eifel-Luchs?

Der Luchs hat paar charakteristische Merkmale, so Revierleiter Neygenfind. "Der Luchs ist eine relativ hochläufige Katze mit einer eher hundeähnlichen Figur. Er hat einen Stummelschwanz und er hat die typischen Pinselohren. Das heißt, er hat auf den Ohren noch Haarbüschel." Damit sei der Luchs mit keinem der einheimischen Tiere wie Wildkatze oder Fuchs zu verwechseln.

Ist der Luchs gefährlich?

Ganz klar: Nein. Der Luchs sei ein ausgesprochen scheues Waldtier, das die Nähe des Menschen meidet, beruhigt Forstrat Neygenfind. Anders als beim Wolf sehe der Luchs den Menschen nicht als Beutetier. Luchsangriffe auf Menschen seien daher quasi unbekannt.

Der Luchs ist ein friedlicher Zeitgenosse. Er lebt nicht wie Wölfe im Rudel, sondern streunt als Einzelgänger zurückgezogen durch den Wald. Nur zur Paarungszeit und zur Aufzucht der Jungtiere gehen Luchse für einige Tage gemeinsame Wege.

Was sollte man tun, wenn einem der Luchs begegnet?

Die Chance, dem Eifel-Luchs zu begegnen, sei zwar sehr gering, sagt Revierleiter Franck Neygenfind. Doch es komme immer wieder vor, dass Menschen ihn angeblich gesehen haben. Erst vor ein paar Wochen habe sich eine Frau im Forstamt gemeldet, die einen Luchs im Wittlicher Stadtteil Lüxem gesehen habe.

"Falls man einen Luchs in die Enge getrieben hat, hilft es immer, ruhig zu bleiben", so Neygenfind. Sich ruhig verhalten, aufrecht stellen, "sich groß machen" und langsam zurückgehen. Das seien wichtige Verhaltensregeln, die jeder beachten sollte. Allerdings seien die Chancen, einen Luchs zu sehen, wirklich fast null.

Selbst Waldarbeiter, Jäger oder Förster hätten so gut wie nie einen Luchs in der freien Wildbahn gesehen. "Der Luchs hat den Menschen längst bemerkt, ehe wir ihn bemerken, und hat sich dann längst zurückgezogen."

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