Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit "Sp" am Anfang an eine Tafel.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Lehrermangel in der Region Trier

Personalnot an Schulen: Wenn Eltern für Lehrer einspringen müssen

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Rund 600 Lehrer fehlen laut Elternvertretern in der Region Trier. Vor allem in Grundschulen fällt daher häufig Unterricht aus, zum Beispiel an einer kleinen Schule an der Mosel.

Die Herbstferien sind da. Und Jennifer Schwaab (* Name von der Redaktion geändert) hat ihren Sohn für zwei Wochen zuhause. Doch schon vor den Ferien war er nicht jeden Tag in der Grundschule. Denn immer wieder ist sein Unterricht ausgefallen. Seit eine Lehrerin der Dorfschule an der Mosel schwanger geworden ist, wechseln sich die Kollegen in der zweiten Klasse ab.

Donnerstags gibt es gar keinen Unterricht. Da machen die Kinder Arbeitsblätter. "Es ist eine Notlösung", sagt Schwaab. Wenn jemand aus dem Kollegium krank wird, hilft eine Studentin aus. Wenn die nicht kann, müssen die Schüler heim oder in Notbetreuung.

"Es ist schon vorgekommen, dass wir Dienstagabend eine Mail bekommen haben, dass Mittwoch der Unterricht ausfällt."

Eltern fordern 7.000 neue Lehrer

Was die Mutter schildert, ist nach Angaben des Landeselternbeirates an rheinland-pfälzischen Schulen Alltag. Gegenüber dem SWR haben Eltern und Lehrer aus Klüsserath, Leiwen, Föhren und Bitburg ganz Ähnliches berichtet. "Allein in der Region Trier fehlen derzeit rund 600 Lehrer, vor allem an Grund- und Förderschulen", sagt Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler.

Reiner Schladweiler (zweiter von links) hat die Petition an die Fraktionen der Freien Wähler und der CDU im Landtag überreicht.  (Foto: Landeselternbeirat )
Reiner Schladweiler (zweiter von links) hat die Petition an die Fraktionen der Freien Wähler und der CDU im Landtag überreicht. Landeselternbeirat

Schladweiler hat daher eine Petition gestartet, die rund 13.000 Menschen unterschrieben haben. Die Forderung: Die Landesregierung soll 7.000 Lehrer einstellen und zwei Milliarden Euro in das Bildungssystem investieren. Den Oppositionsparteien CDU und Freie Wähler haben die Eltern die Unterschriftenliste bereits überreicht. Am 4. November ist zudem eine Demonstration in Mainz geplant.

"Es brennt wirklich. Ich erhoffe mir davon, dass der Landtag schnellstens reagiert und bedeutend mehr Finanzmittel bereitstellt als vorgesehen."

Lehrerverband sagt: Wir müssen gegensteuern

Doch nicht nur die Eltern schlagen Alarm. Auch die Lehrer seien am Limit, sagt Oliver Pick vom Verband "Bildung und Erziehung". Als Leiter der Grundschule in Idesheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm) kennt er den Personalmangel.

An vielen Schulen, sagt er, seien inzwischen nicht nur Studenten im Einsatz, sondern anderes fachfremdes Personal. Reiner Schladweiler erzählt auch von Vätern und Müttern mit Studienabschluss, die mancherorts für Lehrer einspringen.

"Wir müssen gegensteuern, sonst fahren wir diese Generationen an die Wand."

Alle Planstellen im Land sind besetzt

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Auf SWR-Anfrage erklärt die zuständige Landesbehörde: Das Land habe es "in den zurückliegenden Schuljahren immer geschafft, alle Planstellen mit ausgebildeten Lehrkräften zu besetzen".

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Für Oliver Pick ist diese Aussage allerdings "Hohn und Augenwischerei". Denn einerseits sei die Zahl der Planstellen zu niedrig angesetzt. Und andererseits rechne das Land nicht ein, wer wegen Krankheit, Elternzeit oder Mutterschutz ausfalle.

280 Lehrerinnen im Mutterschutz

Über den aktuellen Krankenstand gibt es bei der ADD nach eigenen Angaben noch keine Zahlen. Diese würden erst im März erhoben. Wegen Schwangerschaft fielen derzeit etwa 280 Lehrerinnen aus.

Eine von ihnen ist die Klassenlehrerin aus dem Moselort, in dem die Familie Schwaab wohnt. "Bis zum Ende der Herbstferien wollen sie einen neuen Lehrer einstellen", sagt Jennifer Schwaab. Viel Hoffnung, dass die Schule jemanden findet, hat die Mutter allerdings nicht: "Das Personal fehlt ja überall. Wo soll da ein neuer Lehrer herkommen?"

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