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Eigentlich lebte Julietta Baums davon, Reisen in den Nahen Osten zu organisieren, doch dann kam die Corona-Zwangspause. Also entschied sich die Reiseveranstalterin, Lamas zu kaufen und Touren in Schönecken in der Eifel anzubieten.

Eine Talsenke am Fuß der Burg Schönecken, ein kleiner Stall und eine große Weide zum Galoppieren - mehr brauchen die Lamas nicht. "Distanztiere" nennt Julietta Baums sie und das merkt man auch, wenn man sich ihnen nähert. Zwar schrecken sie nicht zurück, kommen aber auch nicht angerannt, um sich streicheln zu lassen, außer man hat einen großen Bottich mit Heu dabei.

"Wenn man sich einem Lama nähert, muss man das rückwärts tun, mit dem Rücken zuerst. Danach kann man sich langsam umdrehen, sonst fühlen es sich bedroht."

Julietta Baums, Lamahalterin
Heu ist das einzige Nahrungsmittel von Lamas. (Foto: SWR)
Heu ist das einzige Nahrungsmittel von Lamas.

Um eine Lama-Tour machen zu können, muss man dem Lama ganz behutsam ein Halfter umlegen, denn am Kopf sind die Tiere besonders empfindlich. Und dann geht es los, mit beiden Händen an der Leine, führt man sein Lama durch die Natur.

Lamas entscheiden selbst, ob sie einen respektieren

Ganz langsam, aber doch bestimmt, damit das Lama weiß, wer die Führung hat. Zunächst geht es aus dem Tal heraus, über einen Wanderweg und auf einmal sieht man nur noch Wald, Wiesen und Hügel - die Schönecker Schweiz in seiner schönsten Pracht.

"Eine Lama-Wanderung ist so besonders, weil Lamas einen nicht überschwänglich begrüßen, sie halten zunächst Abstand, bauen nach und nach Vertrauen auf. Sie werden auch deswegen zu Therapiezwecken eingesetzt."

Julietta Baums, Lamahalterin

Die kleine Tour geht bis zur Burg Schönecken. Von dort hat man einen Blick über das gesamte Tal. Dann geht es wieder zurück auf die Weide zu den anderen.

Die Lamas Luiz und Luca sind bereit für eine Wanderung. (Foto: SWR)
Die Lamas Luiz und Luca sind bereit für eine Wanderung.

Julietta Baums hat ihre acht Lamas im französischen Elsass gefunden. Alles Wallache, denn bei Lamas darf man die Geschlechter in einer Herde nicht mischen, das führt zu Kämpfen unter den Männchen.

"Wenn man so einem Lama das erste Mal begegnet, dann gibt es einen Funken, der überspringt oder eben nicht. Die Tiere sind extrem sensible Distanztiere, die selbst entscheiden, ob sie einen respektieren."

Julietta Baums, Lamahalterin

Sie stammen aus einer bergigen Region nahe der Schweizer Grenze. Der Züchter dort besaß 300 Tiere, aus denen sie ihre Schützlinge im vergangenen September ausgesucht hat.

Gemeinsam mit ihrer Tochter lernte sie den Umgang mit Lamas

An mehreren Wochenenden fuhren Julietta und ihre Tochter ins Elsass, um die Tiere kennenzulernen, aber auch zu lernen, was für die Haltung von Lamas wichtig ist. Dann nahmen sie ihre Favoriten mit nach Schönecken, in die Schönecker Schweiz, das größte Naturschutzgebiet im Eifelkreis. Dort am Fuße der Burg Schönecken und nicht weit entfernt von Juliettas Heimatort Hersdorf, haben die Lamas ihre eigene Weide.

Eine Lamatour zu Burg Schönecken. (Foto: SWR)
Eine Lamatour zu Burg Schönecken.

Eigentlich hat Julietta aber einen ganz anderen Beruf: Seit 1993 organisiert sie Reisen in den Oman und weitere Länder der islamischen Welt und ist Geschäftsführerin von nomad Reisen. Weshalb es ihr genau diese Region angetan hat, war eigentlich Zufall.

"Ich bin nach meinem Magisterabschluss für zwei Monate im Jemen gelandet, völlig allein. Die gesamte Kultur hat mich damals so fasziniert, dass ich angefangen habe, Freunde mitzunehmen, weil ich dort auch immer wieder hin wollte."

Julietta Baums, Lamahalterin

Als es mit Corona losging, wusste die Reiseveranstalterin, dass es wahrscheinlich etwas dauern würde, bis die nächste Reise in den Nahen Osten möglich sein würde. Also entschloss sie sich, Lamas zu kaufen und Touren anzubieten.

Die Idee zu Lama-Trekkingtouren kam schon im Oman

Bereits im Oman hat Julietta Baums Trekkingtouren organisiert – dort zwar mit Kamelen, aber dadurch ist die Idee mit den Lamas in der Eifel entstanden.

Jedes Lama hat einen Namen - das sind Egon und Luiz. (Foto: SWR)
Jedes Lama hat einen Namen - das sind Egon und Luiz.

In Zukunft wird sie mit ihrem Team versuchen, beides zu organisieren:  Reisen in den Oman und Trekkingtouren mit den Lamas in der Schönecker Schweiz.

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