Die Lage auf manchen Intensivstationen spitzt sich auch in der Region Trier zu (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance / Waltraud Grubitzsch)

Immer mehr Covid-Patienten in Krankenhäusern

Corona: Lage auf Intensivstationen in Region Trier spitzt sich zu

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In den Krankenhäusern in Trier und in der Region landen immer mehr Covid-Patienten. Der Trierer Intensivmediziner Tim Piepho sagt: Viele schwere Verläufe gibt es bei Ungeimpften.

SWR Aktuell: Prof. Dr. Piepho, Sie sehen immer mehr Covid-Erkrankte, die aktuell auf der Intensivstation landen. Sind die alle ungeimpft?

Prof. Dr. Tim Piepho: Der Großteil der Patienten, die wir sehen, sind ungeimpft. Das sind ungefähr 70 bis 80 Prozent der Patienten, die im Bereich der Intensivmedizin versorgt werden. Wir sehen junge Patienten, die zum Teil unter 30 sind. Wir sehen Patienten, die zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. Der Hauptanteil der Patienten, die wir betreuen, ist zwischen 60 und 70 Jahre alt.

Darunter befinden sich natürlich auch welche, die geimpft sind. Bei denen ist die Impfung zum Teil schon etwas länger her oder es bestehen andere Erkrankungen wie Immundefekte. Dann muss man einfach davon ausgehen, dass die Impfung bei diesen Patienten nicht so effektiv ist wie bei Gesunden.

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Zahl der Covid-Patienten auf Intensivstationen könnte weiter steigen

SWR Aktuell: Wie stark sind denn die Intensivstationen belegt mit Covid-Patienten?

Piepho: Zum Beispiel am Brüderkrankenhaus in Trier haben wir ungefähr 40 Intensivbetten, die wir betreuen können. Sechs dieser Betten sind momentan mit Covid-Patienten belegt. Das heißt, wir haben ungefähr etwa 15 Prozent unserer Betten mit Covid-Patienten belegt.

In Rheinland-Pfalz liegt der Schnitt etwas darunter. Das sind allerdings Zahlen, bei denen wir noch relativ gut alle Patienten versorgen können und auch die Notfälle, die von extern kommen.

Aber wir rechnen damit, dass in den nächsten Wochen diese Zahlen noch weiter steigen werden und wir dann auch in die Situation hineinkommen, dass wir nicht jeden Patienten so versorgen können wie wir das gerne möchten.

Professor Dr. Tim Piepho, Intensivmediziner am Brüderkrankenhaus (Foto: SWR, SWR)
Professor Dr. Tim Piepho, Intensivmediziner am Brüderkrankenhaus in Trier. SWR

Große Belastung für Krankenhaus-Personal

SWR Aktuell: Wie ist die Lage für das Personal, das ja auch schon etliche Monate mit starker Belastung in der Corona-Pandemie hinter sich hat?

Piepho: Also insgesamt haben wir die Situation, dass wir in vielen Krankenhäusern gar nicht alle Intensivbetten betreiben können, weil wir die Pflegekräfte nicht mehr haben, die die Patienten betreuen können.

Zudem muss man einfach immer wieder berichten, dass Corona eine hässliche Erkrankung ist. Nicht nur für denjenigen, der sie hat, sondern auch für denjenigen, der den Patienten betreut. Oftmals haben wir hier sehr junge Patienten, die wir betreuen, mit sehr langen Verläufen über Wochen.

"Oftmals steht man am Ende nur hilflos daneben und muss zusehen, wie dieser Mensch stirbt."

Das ist eine unheimliche psychische Belastung für alle, die in den Heilungsprozess eingebunden sind. Und auch körperlich ist das sehr anstrengend.

SWR Aktuell: Auch Krankenhäuser wie Saarburg, Wittlich und das Krankenhaus in Birkenfeld berichten von grenzwertigen Belastungen für das Personal. Was muss jetzt passieren?

Piepho: Also die einfache Antwort ist: Das Personal im Krankenhaus wünscht sich, dass diese Pandemie ein Ende hat und wir diese Patienten nicht mehr in dieser großen Anzahl betreuen müssen.

Über das Thema Impfpflicht wird in den Krankenhäusern momentan sehr heftig diskutiert. Ich persönlich denke, dass eine Impfpflicht nur sehr schwierig umzusetzen ist. Aber am Ende müssen wir erreichen, dass sich die Leute impfen lassen.

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Operationen müssen wohl wieder verschoben werden

SWR Aktuell: Werden schon in der Region Trier Patienten verteilt?

Piepho: Das ist aktuell in der Region Trier noch nicht nötig. Die größeren Kliniken wie das Mutterhaus der Borromäerinnen oder das Brüderkrankenhaus Trier stehen bereit, um besonders schwere Verläufe aus kleineren Krankenhäusern zu übernehmen.

Sie werden dann hier mit besonderen Therapien wie der ECMO versorgt. Es ist aber möglich, dass wir Patienten demnächst über eine größere Strecke verlegen müssen, um die Zentren und auch die Region zu entlasten.


SWR Aktuell: Was bedeutet die Corona-Lage für andere Erkrankte?

Piepho: Wir müssen davon ausgehen, dass wir den Regelbetrieb im Krankenhaus wieder verändern müssen. Es kann sein, dass geplante Operationen wieder verschoben werden. Vor allem Operationen, bei denen danach ein Intensivbett gebraucht wird.

Es kann auch sein, dass Patienten, die nach akuter Erkrankung oder nach einem Unfall im Krankenhaus versorgt werden müssen, gegebenenfalls über eine weitere Strecke transportiert werden müssen.

SWR Aktuell: Begrüßen Mediziner also die strengeren Corona-Regeln, die seit Mittwoch gelten?

Piepho: Aus Sicht des Intensiv-Mediziners ist es ganz wichtig, dass wir jetzt die Anzahl der Corona-Patienten oder Corona-Infizierten schnell senken. Denn ein gewisser Anteil davon landet auf der Intensivstation Deswegen ist es ganz wichtig, dass wir schärfere Regeln haben und 2G einführen.

Gleichzeitig muss der Appell an alle Geimpften erfolgen, die Zahl der Kontakte zu reduzieren. Und an die Ungeimpften der Appell, dass geimpft wird. Nur damit schaffen wir es, diese Welle und am Ende auch die Pandemie zu brechen.

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